Trump-Media: Anleger verlieren 2,2 Milliarden, Präsident hält 460 Millionen
Externe Aktionäre von Trump Media verlieren laut Reuters mehr als 2,2 Milliarden Dollar, während Trumps Anteil noch rund 460 Millionen Dollar wert ist.

Externe Anleger von Trump Media & Technology Group haben laut einer Schätzung der Nachrichtenagentur Reuters zusammen Verluste von mehr als 2,2 Milliarden Dollar erlitten. Demgegenüber steht Präsident Donald Trump, dessen 114,75 Millionen Anteile am Unternehmen zum Schlusskurs von 4,02 Dollar am Donnerstag noch rund 460 Millionen Dollar wert waren. Der Kontrast ist deutlich: Als die Aktie nahe ihrem Hoch notierte, hatte Trumps Beteiligung einen Buchwert von mehr als 6 Milliarden Dollar.
Die Schätzung der Anlegerverluste basiert auf der Performance der Aktien, die Trump Media, seine Vorgängerunternehmen – darunter Digital World Acquisition Corp. und Trump Media & Technology Group – sowie Insider wie die Gründer und die Geschäftsleitung in den Markt brachten. Die Zahl wurde angepasst, um Aktienrückkäufe zu berücksichtigen, und stützt sich auf Unternehmensfilings sowie Gerichtsakten, die die Ausgabe und den Verkauf von Aktien detailliert beschreiben. Filings von Trump Media zeigen Dutzende von Equity-Transaktionen seit 2021, die 2,7 Milliarden Dollar generierten. Reuters berechnete Verluste oder Gewinne für jede Tranche danach, ob die Aktien derzeit über oder unter ihrem Emissionskurs notieren. Drei Finanzprofessoren prüften die Methodik und erklärten, sie entspreche dem allgemein akzeptierten Weg zur Bewertung von Anlegergewinnen und -verlusten.
Ein Beispiel ist Ske Jarzenske aus Austin, Texas. Der 52-Jährige hatte 20 Prozent seines Nettovermögens in Trump Media investiert, überzeugt davon, dass eine zweite Präsidentschaft Trumps ihm Geld einbringen würde. Seine Investition ist inzwischen um 88,5 Prozent gefallen, wie eine Erklärung von Charles Schwab zeigt, die er Reuters unter der Bedingung vorlegte, den Dollarbetrag nicht zu veröffentlichen. „Es war sehr enttäuschend und schwer zuzusehen", sagte Jarzenske. Die Trump-Media-Aktien brachen ein, während das Social-Media-Geschäft Cash verbrannte und Schwierigkeiten hatte, neue Kunden zu gewinnen – gleichzeitig fielen auch die Werte der Krypto-Investments stark.
Das Unternehmen weist die Berechnung von Reuters vehement zurück
Trump Media widersprach der Methodik von Reuters deutlich: „Ihre zweifelhaften, voreingenommenen Berechnungen stellen die Fakten, die Marktdynamik und die öffentlichen filings von TMTG falsch dar." Das Unternehmen weigerte sich allerdings, konkrete Mängel in den Berechnungen zu benennen. General Counsel Scott Glabe erklärte in einem Brief an Reuters, an jedem Handelstag würden Millionen von Trump-Media-Aktien an den öffentlichen Märkten gehandelt, und Informationen darüber, ob ein bestimmter Verkäufer einen Gewinn oder Verlust erzielt habe, seien unkenntlich. In einer per E-Mail gesandten Stellungnahme ergänzte das Unternehmen: „TMTG hat eine starke Bilanz aufgebaut und konzentriert sich darauf, Wert für Aktionäre zu schaffen, einschließlich der vorgeschlagenen Fusion mit TAE Technologies." Bei TAE Technologies handelt es sich um ein Unternehmen im Bereich der Kernfusion.
Mehr als ein Dutzend Aktionäre schildern ihre Erfahrungen
Reuters interviewte mehr als ein Dutzend Trump-Media-Aktionäre – alle dreimalige Trump-Wähler, mit Ausnahme eines Anlegers, der in Kanada lebt. Unter ihnen waren ein Lastwagenfahrer aus Washington, ein pensionierter Polizeibeamter aus Oklahoma und ein Mitarbeiter eines Bodenbelagsunternehmens in Michigan. Wie Jarzenske glaubten alle Aktionäre einst, Truth Social werde eine der dominierenden Medien- und Streaming-Plattformen der Welt. Hugh Baron, ein 63-jähriger Rentner aus Kalifornien und ehemaliger Kleinunternehmer sowie Trader-Joe's-Mitarbeiter, sagte, er habe mehr als 1.000 Aktien gekauft, einige sogar zu Preisen von bis zu 53,54 Dollar. Seine Bestände seien um 88,5 Prozent gefallen.
Patricia Spoerl, eine 64-jährige Krankenschwester aus Colorado, kaufte Aktien im Durchschnitt zu 45,32 Dollar, in der Hoffnung, sie würden sich verdreifachen und ihre Rente finanzieren. Sie sitzt nun auf einem „schmerzhaften" Verlust von etwa 28.000 Dollar. „Ich bin wirklich traurig und enttäuscht", sagte Spoerl. Sie und Baron glauben wie die übrigen befragten Anleger, Trump Media sei Opfer von Fehlmanagement und „naked short selling" geworden. Reuters konnte für solche Leerverkäufe bei Trump-Media-Aktien keine Beweise finden. Das aktuelle Short-Interest-Verhältnis des Unternehmens – oft als Indikator für die Anlegerstimmung verwendet – liegt auf einem Niveau, das Analysten für Unternehmen ähnlicher Größe als unterdurchschnittlich einstufen.
Das operative Geschäft des Unternehmens kommt kaum voran
Das Social-Media-Geschäft von Trump Media hat sich bislang nicht durchgesetzt. Der Umsatz lag in den vergangenen drei Jahren stabil bei rund 4 Millionen Dollar pro Jahr. Der Aufbau des Truth-Social-Streaming-Dienstes kostete das Unternehmen mehr als 200 Millionen Dollar, generierte zwischen der Einführung im August 2024 und Ende Juni 2026 aber nur 630.000 Dollar an Umsätzen, wie regulatorische filings zeigen. Das Timing beim Aufbau einer Krypto-Tresorerie war zudem ungünstig, weil der angekündigte Bitcoin-Kauf nahe seinem Höhepunkt erfolgte, bevor es zu einem steilen Preisverfall kam.
Die Aktien fielen seit den Midterm-Wahlen, die als Absage an Trumps Politik gesehen wurden, um 32 Prozent. Die Zustimmungsraten des Präsidenten erreichten Allzeittiefs, und die Demokraten gewannen die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat. Eine Umfrage von Reuters/Ipsos ergab, dass die meisten Amerikaner glauben, die Geschäftsinteressen Trumps – einschließlich seiner Krypto-Projekte und Immobilienprojekte – hätten seine Entscheidungen als Präsident beeinflusst, seit er wieder an der Macht ist. Fast die Hälfte der befragten Republikaner teilte diese Ansicht, ebenso 69 Prozent der Unabhängigen. Das Weiße Haus verwies Reuters bei Fragen zur Geschichte an Trump Media.
Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news über einen Quartalsverlust von 238 Millionen Dollar
Bereits am 11.08.2026 berichtete aktien.news, dass Trump Media für das zweite Quartal 2025 einen drastisch gestiegenen Nettoverlust meldete: Er weitete sich von rund 20 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum auf 238,1 Millionen Dollar aus. Als Hauptursache nannte das Unternehmen nicht realisierte Verluste auf seine Kryptowährungsbestände. Am 17.08.2026 folgte der Bericht, dass Trump Media nach einem Krypto-Verlust von fast 200 Millionen Dollar ins Mediengeschäft zurückkehrt und dass mehrere Bitcoin-Treasury-Unternehmen, die am Höchststand des Bitcoin-Zyklus eingestiegen waren, erhebliche Verluste verzeichnen. Schon am 28.02.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass TMTG die Abspaltung von Truth Social in eine eigenständige Börsengesellschaft prüft und dazu Gespräche mit TAE Technologies und Texas Ventures Acquisition III führt. Am 02.07.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Trump aus dem Krypto-Projekt World Liberty Financial einen Nettogewinn von 800 Millionen Dollar erzielte und seine Krypto-Ausflüge ihm insgesamt rund 1,4 Milliarden Dollar einbrachten, während viele Anleger, die auf seine Marke vertrauten, herbe Verluste erlitten.
In dieselbe Richtung weisen die Verluste bei vier großen, von Trump unterstützten Krypto-Projekten: der Meme-Coin des Präsidenten, der Krypto-Börse der Trump-Familie World Liberty Financial, deren Bitcoin-Mining-Betrieb American Bitcoin und dem Blockchain-Unternehmen AI Financial. Deren Anleger verloren bis April insgesamt 2,3 Milliarden Dollar, als der Wert ihrer digitalen Token abstürzte, wie Reuters zuvor berichtete.
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall ein schwer steuerbares Klumpenrisiko
Der Fall illustriert, wie eng der Wert einer Aktie an eine einzelne Person und deren öffentliche Wahrnehmung gekoppelt sein kann. Trump Media weist in regulatorischen filings selbst darauf hin, dass der Wert der Marke schwinden könnte, wenn Trumps Popularität leidet – ein Risiko, das sich nicht über operative Kennzahlen steuern lässt. Krypto gilt als inhärent riskante Anlage, teilweise wegen der Volatilität und eines allgemeinen Mangels an regulatorischer Aufsicht. Wer politische Loyalität zur Investmentthese macht, trägt damit ein Risiko, das über die üblichen Marktschwankungen hinausgeht.
Hinzu kommt die Kapitalstruktur: Wie bei vielen der jüngsten, von Trump unterstützten Immobilientransaktionen und den vier Hauptkrypto-Vorhaben der ersten Familie haben die Trumps nach Angaben von Securities-Filings wenig bis gar kein eigenes Geld in Trump Media investiert. Trump erhielt seine 114,75 Millionen Anteile 2024 ohne Barzahlung im Rahmen der Fusion von Trump Media mit der Zweckgesellschaft Digital World Acquisition. Jarzenske brachte seinen Eindruck so auf den Punkt: „Die Trump-Familie sagt, sie kümmere sich, aber für mich haben sie all dieses Geld und verdienen immer mehr, aber was ist mit den kleinen Leuten?" Trump Media reagierte nicht auf Fragen zu diesen Behauptungen.
Als konkreter Ausblick bleibt die geplante Fusion mit TAE Technologies
Trump Media nennt in seiner Stellungnahme einen konkreten Schritt: die vorgeschlagene Fusion mit TAE Technologies, einem Unternehmen im Bereich der Kernfusion. Darüber hinaus prüft TMTG laut dem früheren Bericht vom 28.02.2026 die Abspaltung von Truth Social in eine eigenständige börsennotierte Gesellschaft, wobei das Unternehmen nach eigenen Angaben Gespräche mit TAE Technologies und Texas Ventures Acquisition III führt. Weitere Termine, Prognosen oder Ziele hat das Unternehmen in diesem Zusammenhang nicht genannt. Ob diese Schritte den Kurs stützen, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Drei Fachbegriffe aus diesem Artikel lassen sich kurz einordnen
- Mark-to-Market-Bewertung: Bei dieser Methode werden Positionen mit ihrem aktuellen Marktpreis statt mit dem ursprünglichen Kaufpreis bewertet.
- Naked Short Selling: Dabei verkauft ein Händler Aktien leerverkauft, ohne sie vorher ausgeliehen zu haben, und hofft auf einen fallenden Kurs.
- Special Purpose Acquisition Company: Eine börsennotierte Mantelgesellschaft, die Kapital sammelt, um später ein nicht börsennotiertes Unternehmen zu übernehmen.
