Varta: Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Insiderhandels gegen zwei Personen
Zwei Verdächtige sollen interne Informationen über die Varta-Krise für Börsengeschäfte genutzt haben.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Aktien des Batterieherstellers Varta. Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei Personen, die mutmaßlich interne Informationen über die Krise des Unternehmens für eigene Börsengeschäfte genutzt haben sollen. Über die Ermittlungen berichtet die Wirtschaftswoche.
Die mutmaßlichen Transaktionen fallen in den Zeitraum zwischen Dezember 2023 und April 2024. Sie liegen damit zeitlich deutlich vor jenen Entwicklungen, die Varta im Laufe des Jahres 2026 in die Insolvenz geführt haben. Die Ermittlungsbehörde prüft nun, ob die beiden Verdächtigen zum Zeitpunkt der Geschäfte über Wissen verfügten, das damals noch nicht öffentlich war.
Für Anleger ist der Fall insofern von Bedeutung, als er einen weiteren Schatten auf die ohnehin angespannte Geschichte des schwäbischen Batterieherstellers wirft. Insiderhandel gilt als schwerwiegender Verstoß gegen das Wertpapierhandelsrecht, weil er die Chancengleichheit an den Märkten untergräbt. Ob sich der Verdacht bestätigt, ist offen – die Ermittlungen laufen, ein Ergebnis steht nicht fest.
Ein Verdächtiger leitete früher eine deutsche Beteiligungsgesellschaft
Nach Angaben der Wirtschaftswoche war einer der beiden Verdächtigen früher Leiter einer deutschen Beteiligungsgesellschaft. Deren Fokus lag auf kleinen börsennotierten Unternehmen. Diese Kombination dürfte für die Ermittler relevant sein, weil sie auf Erfahrung mit dem Handel und der Bewertung von Nebenwerten hindeutet.
Der Mann lebt heute auf einer Urlaubsinsel und soll von dort aus weiterhin als Investor aktiv sein. Eine Anfrage zum laufenden Verfahren ließ er unbeantwortet. Zu der zweiten Person machen die vorliegenden Informationen keine näheren Angaben – weder zu ihrer Rolle noch zu ihrem Hintergrund.
Die Vorwürfe beziehen sich ausdrücklich auf Aktien der Varta AG. Der Batteriehersteller mit Sitz in Ellwangen befindet sich seit Monaten in einer schweren Krise, die im Laufe des Jahres 2026 in ein Insolvenzverfahren mündete. Der Zeitraum der mutmaßlichen Börsengeschäfte – Dezember 2023 bis April 2024 – fällt damit in eine Phase, in der sich die Probleme des Unternehmens bereits abzeichneten, aber noch nicht öffentlich bekannt waren. Genau diese zeitliche Lücke ist der Kern des Vorwurfs: Wer früh von einer Krise weiß, kann Aktien noch zu einem vergleichsweise hohen Kurs verkaufen, bevor die breite Öffentlichkeit reagiert.
Bereits am 23.06.2026 berichtete aktien.news von einer existenziellen Liquiditätskrise
Bereits am 23.06.2026 berichtete aktien.news, dass Varta vor dem Aus steht und dem Unternehmen ohne neue Finanzierung bis Ende Juli 2026 die Zerschlagung droht. Der Bericht verwies auf hohe Schulden, verfehlte Wachstumsziele im Energiespeichergeschäft und den Verlust bedeutender Aufträge. Varta war einst ein Symbol deutscher Ingenieurskunst und wichtiger Zulieferer für Apples AirPods.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news, dass der Mannheimer Rechtsanwalt Tobias Wahl als offizieller Insolvenzverwalter das Ruder übernimmt. Ursprünglich war Wahl lediglich als Sachwalter vorgesehen, eine Aufsichtsfunktion, bei der der Varta-Vorstand unter Michael Ostermann die operative Kontrolle behalten hätte. Als Begründung für den Strategiewechsel nannte Varta die Komplexität der konzerninternen Strukturen.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass das Amtsgericht Stuttgart das Insolvenzverfahren über vier Gesellschaften eröffnet hat: die VARTA AG, die VARTA Microbattery GmbH, die VARTA Storage GmbH und die VARTA Micro Production GmbH. Zum Insolvenzverwalter wurde Tobias Wahl bestellt, der die Kanzlei Anchor vertritt.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass die insolventen Varta-Gesellschaften verkauft werden sollen und die Commerzbank mit der Investorensuche betraut wurde. Das Angebot umfasst zwei große Geschäftsbereiche, die zusammen oder getrennt an einen Käufer gehen können. Grundlage der Suche sind Verkaufsunterlagen der Bank, die den Interessenten steigende Umsätze und ein deutlich verbessertes Ergebnis in Aussicht stellen.
Der Verdacht richtet sich gegen Personen, nicht gegen das Unternehmen
Für Privatanleger ist wichtig, die Ebenen des Falls sauber zu trennen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart richten sich gegen zwei natürliche Personen, nicht gegen die Varta AG als Unternehmen. Aus der bloßen Existenz eines Ermittlungsverfahrens folgt keine Schuld; es gilt die Unschuldsvermutung, bis ein Gericht entschieden hat.
Gleichzeitig zeigt der Fall, wie sensibel der Umgang mit nicht öffentlichen Informationen ist. Wer als Investor, Berater oder Angestellter über kursrelevantes Wissen verfügt, darf es nicht für eigene Geschäfte nutzen. Bei Nebenwerten wie Varta ist die Informationslage häufig dünner als bei großen Konzernen, was den Informationsvorsprung einzelner Marktteilnehmer zusätzlich bedeutsam macht.
Anleger sollten außerdem beachten, dass sich bei einem Unternehmen in einem Insolvenzverfahren und einem laufenden Verkaufsprozess mehrere Nachrichtenstränge überlagern. Meldungen aus dem Umfeld der Ermittlungen können die Wahrnehmung des Unternehmens beeinflussen, auch wenn sie den operativen Geschäftsbetrieb nicht direkt betreffen. Eine Einordnung als Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein Zeitplan für die Ermittlungen ist nicht bekannt
Wie lange die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermitteln wird und wann sie über das weitere Vorgehen entscheidet, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Ein Termin für ein mögliches Zwischenergebnis ist nicht genannt. Offen ist auch, ob und wann sich die zweite verdächtige Person zu den Vorwürfen äußert.
Parallel dazu läuft das Insolvenzverfahren der Varta-Gesellschaften weiter. Nach dem Stand vom 16.10.2026 sucht die Commerzbank im Auftrag des Unternehmens nach Käufern für zwei große Geschäftsbereiche. Diese beiden Verfahren – die strafrechtlichen Ermittlungen und der Verkaufsprozess – laufen unabhängig voneinander, betreffen aber dasselbe Unternehmen und dürften die öffentliche Wahrnehmung von Varta weiter prägen.
Drei Begriffe helfen beim Verständnis des Falls
- Insiderhandel: Der Kauf oder Verkauf von Wertpapieren auf Grundlage von Informationen, die der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind.
- Staatsanwaltschaft: Eine staatliche Behörde, die Straftaten verfolgt und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage erhebt.
- Beteiligungsgesellschaft: Ein Unternehmen, das Anteile an anderen Firmen hält, verwaltet und gegebenenfalls wieder veräußert.
