Kupferpreise fallen: KI-Rückkopplung nach US-Zwischenwahlen belastet den Markt
Der Kupferpreis an der LME fällt auf den tiefsten Stand seit Juli, weil der Wahlsieg der Demokraten Sorgen um die KI-Nachfrage auslöst.

Der Kupferpreis ist auf den niedrigsten Stand seit Juli gefallen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass der erdrutschartige Sieg der Demokraten bei den diesjährigen US-Zwischenwahlen einen Gegenwind für die künstliche Intelligenz (KI) auslösen und die Nachfrage nach einem wichtigen leitfähigen Metall dämpfen könnte, das in Rechenzentren eingesetzt wird. Kupfer wird in der gesamten KI-Lieferkette benötigt – von der Energieversorgung und dem Bau von Rechenzentren bis hin zur Kühlung und Datenverarbeitung.
An der London Metal Exchange (LME) fielen die Kupferpreise am Freitag um 0,5 Prozent auf 13.778 US-Dollar pro Tonne. Damit summiert sich der Rückgang in dieser Woche auf 2,7 Prozent. Kupfer folgte damit dem Einbruch an den Technologieaktien von Wall Street.
Die Demokraten hatten bei den Zwischenwahlen einen deutlichen Sieg errungen. Dieser wird voraussichtlich die multibillionenschwere Entwicklung neuer Rechenzentren in den USA verlangsamen, die von Präsident Donald Trump vorangetrieben wird. Genau dieser Zusammenhang zwischen politischer Mehrheit und KI-Infrastruktur steht im Zentrum der aktuellen Kursbewegung.
Der Rekordlauf des Kupferpreises gründete auf dem Ausbau der KI-Rechenzentren
Die Preise des roten Metalls waren in diesem Jahr auf Rekordhochs gestiegen. Ursache waren hochfliegende Nachweiseprognosen, die durch die Welle des Rechenzentrumsbaus ausgelöst wurden. Kupfer wird in der gesamten KI-Lieferkette benötigt – von der Energieversorgung und dem Bau von Rechenzentren bis hin zur Kühlung und Datenverarbeitung.
Analysten rechnen damit, dass bis zum Ende des Jahrzehnts jährlich Milliarden Dollar an diesem Metall für KI-Rechenzentren benötigt werden. Hinzu kommt die traditionelle Nachfrage im Immobilien- und Elektrifizierungssektor. Goldman Sachs schätzte, dass Staaten, in denen demokratische Gesetzgeber Rechenzentren wahrscheinlich einschränken würden, etwa 45 Prozent der geplanten US-Kapazität ausmachen.
Zollhoffnungen hatten Händler zuvor in die USA getrieben
Zuvor waren die Kupferpreise gestiegen, als Trump versprach, Ende dieses Jahres einen Zoll von mindestens 15 Prozent auf importiertes raffiniertes Kupfer zu erheben. Um die Abgaben zu vermeiden, schickten Händler große Mengen des Metalls in die USA. Das führte anderswo zu Engpässen und trieb die Preise in die Höhe.
Inzwischen befinden sich etwa 90 Prozent der Kupfervorräte, die im globalen Netzwerk der Lagerhäuser der LME und Comex gelagert sind, in den USA. Vor zwei Jahren waren es etwa 20 Prozent. Einige Analysten führen die nun fallenden Preise darauf zurück, dass die Chancen auf die Einführung von US-Zöllen seit den Zwischenwahlen gesunken sind.
Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, sagte, der wichtigste kurzfristige Treiber für die Kupferpreise sei, „was mit US-Importzöllen nach einer solchen vernichtenden Wahlniederlage der Republikaner geschieht“. Er fügte hinzu: „Meiner Meinung nach reduziert das Ergebnis die Wahrscheinlichkeit von Zöllen auf raffiniertes Kupfer, und diese Verschiebung der Erwartungen könnte die Preise kurzfristig stärker belasten als jegliche potenziellen Veränderungen in der langfristigen Nachfrageprognose.“
Deutsche Bank sieht nur in einer Rezession ein Risiko für den Kupferpreis
Analysten der Deutschen Bank bleiben jedoch optimistisch bezüglich des Metalls. Sie argumentieren, dass nur eine Rezession zu einem signifikanten Preisverfall führen würde. „Unserer Ansicht nach benötigen Kupfer-Bären eine rezessive Spirale von hier aus, während Kupfer-Bullen nur brauchen, dass der Status-quo-Trend anhält“, sagten sie.
Die Deutsche Bank wies zudem darauf hin, dass Trump weiterhin die Exekutivbefugnis habe, Zölle zu implementieren. Eine Entfernung der Zölle hätte nach Einschätzung der Analysten wenig Einfluss auf die Verbraucherpreise – ein wichtiges Thema bei den Zwischenwahlen.
Bereits im September berichtete aktien.news über stockende US-Zollpläne
Die aktuelle Entwicklung reiht sich in eine Serie von Berichten ein. Bereits am 10.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Kupferpreise deutlich gefallen waren, weil die Pläne der US-Regierung zur Einführung von Importzöllen auf das Industriemetall ins Stocken geraten waren. Das Weiße Haus zögerte demnach aus Sorge, dass höhere Zölle die Fertigungskosten in den USA in die Höhe treiben und damit die Vorteile einer verstärkten heimischen Förderung zunichtemachen könnten. Der Benchmark-Kupferpreis an der LME fiel damals um drei Prozent auf 14.329,50 US-Dollar pro Tonne.
Am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich der globale Kupfermarkt seit Trumps Rückkehr ins Amt grundlegend verändert habe. Der Preis für das Industriemetall war deutlich gestiegen, ausgelöst durch eine seismische Umstrukturierung der weltweiten Lagerbestände. Im Zentrum stand das Risiko, dass der US-Präsident Zölle auf das Metall erheben könnte. Nun, da Trump die Hälfte seiner zweiten Amtszeit erreicht habe, würden viele Bullen vorsichtig, weil sie fürchten, dass die Preise einbrechen könnten, falls er seine Ankündigungen nicht in die Tat umsetzt.
Bereits am 07.10.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Kupfer mit einem Kursplus von 17 Prozent seit Jahresbeginn nahe seinem Rekordhoch notierte. Damals hieß es, wer auf das rote Metall setzen wolle, sollte trotz einer ganzen Reihe überzeugender Argumente Vorsicht walten lassen. Kupfer stehe im Zentrum mehrerer langfristiger Wachstumssektoren – dazu zählen die Elektrifizierung, der Verteidigungssektor sowie Rechenzentren für künstliche Intelligenz.
Am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass die UBS-Strategen Dominic Schnider und Wayne Gordon einen Anstieg des Kupferpreises auf 14.000 Dollar je Tonne erwarteten. Damals pendelten die Notierungen um die Marke von 13.000 Dollar je Tonne, während höhere Preise die Nachfrage aus China dämpften und steigende Lagerbestände kurzfristigen Druck ausübten.
Für deutsche Anleger stehen kurzfristige Zollpolitik und langfristige KI-Nachfrage nebeneinander
Für Anleger in Deutschland ist die Gemengelage zweigeteilt. Auf der einen Seite steht die kurzfristige Belastung durch die politische Neuordnung nach den US-Zwischenwahlen und die gesunkene Wahrscheinlichkeit von US-Importzöllen. Auf der anderen Seite verweisen Analysten auf die strukturelle Nachfrage aus dem KI-Sektor, der Elektrifizierung und dem Immobilienbereich.
Die Deutsche Bank sieht einen signifikanten Preisverfall nur im Fall einer Rezession. Die Saxo Bank betont dagegen, dass die kurzfristige Preisentwicklung stärker von der Zollpolitik abhängt als von langfristigen Nachfrageprognosen. Beide Einschätzungen stammen aus dem Quelltext und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Ein wichtiger Faktor bleibt die Verlagerung der Lagerbestände. Dass sich rund 90 Prozent der LME- und Comex-Vorräte in den USA befinden, zeigt, wie stark die Zollerwartung den Markt umstrukturiert hat. Sollten die Zölle ausbleiben, könnte sich diese Verteilung wieder verschieben.
Der weitere Verlauf hängt von der Zollentscheidung und dem Rechenzentrumsausbau ab
Der weitere Verlauf hängt laut den im Quelltext genannten Analysten vor allem davon ab, ob die USA tatsächlich Zölle auf raffiniertes Kupfer einführen. Trump hatte angekündigt, Ende dieses Jahres einen Zoll von mindestens 15 Prozent auf importiertes raffiniertes Kupfer zu erheben. Ob es dazu kommt, ist nach dem Wahlergebnis offener geworden.
Gleichzeitig bleibt der Ausbau der KI-Rechenzentren in den USA ein zentraler Nachfragetreiber. Goldman Sachs schätzt, dass Staaten mit demokratischen Gesetzgebern etwa 45 Prozent der geplanten US-Kapazität ausmachen – ein Hinweis darauf, wie stark politische Mehrheiten den künftigen Kupferbedarf beeinflussen könnten.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Kupfermarkts
- London Metal Exchange (LME): Die LME ist eine der weltweit wichtigsten Börsen für den Handel mit Industriemetallen wie Kupfer.
- Comex: Die Comex ist die Rohstoffbörse der New Yorker Handelsgruppe CME und ein zentraler Handelsplatz für Metall-Futures.
- Raffiniertes Kupfer: Raffiniertes Kupfer ist hochreines Kupfer, das nach der Verarbeitung von Erz für die industrielle Weiterverwendung bereitsteht.
