Kupfermarkt unter Druck: US-Politik und nachlassende Lagerhaltung belasten Ausblick
Der Kupferpreis ist von seinem Rekordhoch im September deutlich gefallen; TD Securities und BMI sehen den Markt an einem Wendepunkt.

Der globale Kupfermarkt steht vor einer Phase der Unsicherheit. Nachdem der Preis für das Industriemetall im September mit fast 6,80 US-Dollar pro Pfund (rund 14.875 US-Dollar pro Tonne) ein Rekordhoch erreicht hatte, ist der Kurs zuletzt deutlich gesunken. Am London Metal Exchange (LME) fielen die Dreimonats-Futures auf rund 13.779 US-Dollar pro Tonne – den tiefsten Stand seit Juli.
Experten von TD Securities und BMI (Fitch Group) sehen den Markt an einem Wendepunkt. Ein wesentlicher Faktor ist das Ergebnis der US-Zwischenwahlen. Der Zugewinn der Demokraten im US-Kongress schürt Zweifel an der Umsetzung aggressiver Importzölle auf raffiniertes Kupfer. Damit gerät jene Erwartung ins Wanken, die den Markt über Monate gestützt hatte.
Die Aussicht auf Zölle ließ Marktteilnehmer präventiv US-Lagerbestände aufbauen
„Die Aussicht auf Zölle hat Marktteilnehmer dazu veranlasst, präventiv Lagerbestände in den USA aufzubauen“, erklärt BMI. Dieser künstliche Defizit-Effekt außerhalb der USA könnte nun in sich zusammenbrechen, sollte die protektionistische Rhetorik abgeschwächt werden. Der Aufbau von Vorräten in den Vereinigten Staaten hatte das Angebot außerhalb der USA verknappt und den Preis künstlich gestützt.
Der Mechanismus dahinter ist einfach: Werden Zölle erwartet, kaufen Händler und Verarbeiter Kupfer vorsorglich in den USA ein, um vor der Abgabe geschützt zu sein. Das entzieht dem Rest der Welt Angebot und treibt den Preis. Bleiben die Zölle aus, fällt dieser Sondereffekt weg – und mit ihm ein Teil der Preisprämie.
Zudem wachsen die Zweifel an der kurzfristigen Nachfrage durch KI-Rechenzentren. TD Securities warnt, dass politische Widerstände gegen den hohen Energiebedarf neuer Rechenzentren – insbesondere in Bundesstaaten mit demokratischer Führung wie Texas, Georgia, Ohio und Pennsylvania – das Nachfragewachstum bremsen könnten. Bart Melek, Leiter der Rohstoffstrategie bei TD Securities, hält einen weiteren Preisrückgang um 500 US-Dollar pro Tonne für wahrscheinlich, da die Anreize zur Lagerhaltung schwinden.
Die Angebotsseite bleibt trotz aller Preissorgen angespannt
Dennoch bleibt die fundamentale Angebotsseite angespannt. BMI hat seine Prognose für das Minenwachstum 2026 von 2,4 % auf 1,1 % gesenkt. Als Begründung nennt das Beratungsunternehmen Schwächen in Chile sowie Produktionsengpässe bei Freeport-McMoRan in Indonesien und dem Kamoa-Kakula-Komplex in der Demokratischen Republik Kongo.
Zudem zeigen chinesische Käufer weiterhin eine hohe Nachfrage. Die Yangshan-Importprämie erreichte zuletzt mit über 200 US-Dollar pro Tonne ein Rekordniveau, was den physischen Knappheitsdruck unterstreicht. Diese Prämie gilt als Indikator dafür, wie viel Aufschlag Käufer in China für importiertes Kupfer zu zahlen bereit sind.
Die regulatorische Lage bleibt komplex. Eine im Juli 2025 verkündete Proklamation sieht theoretisch Zölle von 15 % ab 2027 und 30 % ab 2028 vor, doch die finale Entscheidung liegt beim US-Präsidenten. Damit hängt ein zentraler Preistreiber an einer politischen Einzelentscheidung.
Bereits im September und Oktober mehrten sich Warnsignale am Kupfermarkt
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Achterbahnfahrt. Bereits am 10.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Kupferpreise deutlich gefallen seien, weil die Pläne der US-Regierung zur Einführung von Importzöllen ins Stocken geraten waren. Das Weiße Haus zögerte demnach aus Sorge, dass höhere Zölle die Fertigungskosten in den USA in die Höhe treiben und damit die Vorteile einer verstärkten heimischen Förderung zunichtemachen könnten. Laut einem Bericht von Reuters bestanden zudem Zweifel, ob die Regierung die Zölle tatsächlich auf raffiniertes Kupfer ausweiten würde. Der Benchmark-Kupferpreis an der LME fiel damals um drei Prozent auf 14.329,50 US-Dollar pro Tonne.
Am 22.09.2026 meldete aktien.news dagegen steigende Notierungen: Comex-Kupfer mit Lieferung im Dezember stieg um bis zu 3,3 Prozent auf 6,8410 US-Dollar pro Pfund in New York – den höchsten Stand seit dem 10. September. Der Referenzpreis für dreimonatiges Kupfer an der LME berührte 14.710,50 US-Dollar pro Tonne, bevor er sich auf rund 14.650 US-Dollar einpendelte.
Am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich der globale Kupfermarkt seit der Rückkehr von Donald Trump ins Amt grundlegend verändert habe. Der Preis sei deutlich gestiegen, ausgelöst durch eine seismische Umstrukturierung der weltweiten Lagerbestände. Im Zentrum habe das Risiko gestanden, dass der US-Präsident Zölle auf das Metall erheben könnte. Nun, da Trump die Hälfte seiner zweiten Amtszeit erreicht habe, würden viele Bullen vorsichtig, weil sie einen Preiseinbruch fürchten, falls er seine Ankündigungen nicht in die Tat umsetzt.
Am 29.10.2026 berichtete aktien.news über eine Studie des Beratungsunternehmens GEM Mining Consulting. Demnach maskiert die wachsende Konzentration der Kupfervorräte in US-Lagern die Verknappung an anderen Orten und schafft einen fragmentierten globalen Markt, in dem ein Überangebot mit Engpässen und hohen Preisen koexistieren kann. Fast 70 Prozent der weltweit sichtbaren Börsenkupfervorräte wurden damals in den USA gehalten. Die globalen Bestände erreichten im Oktober 1,04 Millionen Tonnen.
Für deutsche Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich
Für deutsche Privatanleger ergibt sich ein gespaltenes Bild. Auf der einen Seite stehen kurzfristige Belastungen: fallende Notierungen, nachlassende Anreize zur Lagerhaltung und politische Unsicherheit über die US-Zölle. Auf der anderen Seite stehen strukturelle Stützen: die gesenkte Minenwachstumsprognose, die hohe Yangshan-Prämie und die angespannte Angebotslage.
Wer in Kupfer investiert – etwa über Rohstoff-ETFs, Minenaktien oder Terminkontrakte –, muss beide Kräfte gegeneinander abwägen. TD Securities warnt vor einer Korrektur, während BMI betont, dass strukturelle Faktoren wie die Elektrifizierung und die langen Entwicklungszeiten für neue Minen den Preis langfristig stützen könnten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Entscheidung über US-Zölle liegt beim Präsidenten
Der weitere Verlauf hängt maßgeblich an mehreren offenen Punkten. Die im Juli 2025 verkündete Proklamation sieht Zölle von 15 % ab 2027 und 30 % ab 2028 vor, doch die finale Entscheidung liegt beim US-Präsidenten. Ob und wann diese greifen, bleibt offen.
BMI verweist zudem auf klimatische Risiken. Wetterphänomene wie El Niño könnten das Angebot in Lateinamerika und Afrika weiter verknappen und so als Puffer gegen einen stärkeren Preisverfall dienen. Die durchschnittliche Entwicklungszeit für neue Minen von 17 Jahren spricht ebenfalls dafür, dass das Angebot kurzfristig kaum schnell ausgeweitet werden kann.
Drei Fachbegriffe erklären die aktuelle Marktlage
- LME: Die London Metal Exchange ist die wichtigste Handelsbörse für Industriemetalle wie Kupfer.
- Dreimonats-Futures: Das sind Terminkontrakte auf Kupfer mit Lieferung in drei Monaten, die als Referenzpreis gelten.
- Yangshan-Importprämie: Sie zeigt den Aufschlag, den Käufer in China für importiertes Kupfer zahlen.
