Nasdaq-Verkaufswelle lässt asiatische Chipaktien einbrechen: SK Hynix und TSMC unter Druck
Der Nasdaq Composite rutscht in die Korrekturzone, KI-Sorgen erfassen Asien: SK Hynix, Samsung, SoftBank und TSMC verlieren deutlich.

Ein erneuter Schub von Sorgen über die Ausgaben für künstliche Intelligenz (KI) hat am Freitag die asiatischen Technologieaktien erfasst. Auslöser war ein scharfer Ausverkauf an der Wall Street in der Nacht zuvor, der den technologieorientierten Nasdaq Composite in die Korrekturzone schickte. Die Verluste zogen sich durch nahezu alle großen Halbleitermärkte der Region – von Südkorea über Japan bis Taiwan und China.
Am härtesten traf es erneut die südkoreanischen Chip-Hersteller. SK Hynix stürzte um mehr als 8% ab, Samsung Electronics verlor 7%. Auch die Zulieferer gerieten unter Druck: LG Innotek fiel um 10%, LG Display um 7.7%. Der Verkaufsdruck breitete sich damit auf den gesamten Technologiesektor des Landes aus.
Im Zentrum der Nervosität steht die Frage, ob sich der milliardenschwere Ausbau der KI-Infrastruktur weiter so rasant finanzieren lässt. Anleger fürchten, dass der umfassende Sieg der Demokraten bei den Halbzeitwahlen in den USA zu strengeren Auflagen für die Entwicklung von Rechenzentren führen könnte. Das würde die Nachfrage nach KI-Chips und der zugehörigen Infrastruktur möglicherweise dämpfen.
In Japan und Taiwan fallen die Kurse zweistellig
In Japan gingen die Halbleiterwerte ebenfalls deutlich zurück. Der Hersteller von Chip-Testgeräten Advantest stürzte um 12.2% ab, Tokyo Electron rutschte um 7.3%. Der Technologiekonzern SoftBank Group fiel um 11.6%. Die Aktien des Speicherchip-Herstellers Kioxia Holdings verloren nahezu 10%, Renesas Electronics sank um 7.5%.
In Taiwan gerieten die Halbleiteraktien ebenfalls unter starken Verkaufsdruck. Der Auftragsfertiger TSMC rutschte um 9.6%. Die Elektronikhersteller Hon Hai Precision Industry, auch bekannt als Foxconn, sowie Foxconn Technology verloren jeweils 9.4% bzw. 9.1%. Die regionale Talfahrt im Technologiesektor vertiefte sich damit weiter.
Auch China wurde in den Ausverkauf hineingezogen. Der technologieorientierte STAR Market und der ChiNext Artificial Intelligence Index brachen beide um mehr als 4% ein.
An der Wall Street schließt der Nasdaq mehr als 10% unter seinem Hoch
Die asiatischen Verluste folgten auf eine brutale Handelssitzung in New York. Der Nasdaq Composite sank um 5.5% und schloss damit mehr als 10% unter seinem jüngsten Hoch – die Schwelle, ab der Marktbeobachter von einer Korrektur sprechen. Der Philadelphia Semiconductor Index stürzte um 12.2% ab.
Der Ausverkauf in Asien wurde durch das Abwickeln von Positionen, Stop-Loss-Verkäufe und erhöhte Volatilität verschärft. Das sagte Timothy Moe, Chief Equity Strategist für Asien-Pazifik bei Goldman Sachs, am Freitag in der CNBC-Sendung „Squawk Box Asia". Er fügte hinzu, dass potenzieller politischer Widerstand gegen den Bau von US-Rechenzentren die Nachfrage und die Gewinne asiatischer KI-Hardwareanbieter beeinträchtigen könnte.
„Wenn es Bedenken hinsichtlich der Geschwindigkeit und des Umfangs des Ausbaus in den USA gibt, dann wird dies offensichtlich alles infrage stellen", sagte Moe. „Die Tendenz des Marktes ist es immer, zuerst zu schießen und später Fragen zu stellen. Ich denke, genau das passiert jetzt."
Bereits im Juli und Oktober 2026 gab es ähnliche Ausverkäufe in Asien
Der aktuelle Einbruch ist kein Einzelfall. Bereits am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass südkoreanische Halbleiteraktien einen massiven Ausverkauf erlebten: SK Hynix stürzte um mehr als 13% ab, Samsung Electronics gab über 12% nach. Damals sanken auch Samsung SDI um über 10%, LG Innotek um fast 18%, Seoul Semiconductor um rund 7% und LG Chem um mehr als 6%. In Japan fiel Tokyo Electron um fast 11%.
Am 13.10.2026 berichtete aktien.news von einem weiteren Ausverkauf bei US-Halbleiterwerten, der auf die regionalen Märkte übergriff. Sorgen über die Finanzierung von KI sowie ein sich verschärfender Wettbewerb aus China belasteten die Stimmung. SK Hynix brach um mehr als 10% ein, Samsung Electronics verlor 7,4% und erreichte damit ebenso wie der Konkurrent den niedrigsten Stand seit August. In Japan sank die SoftBank Group um 8,5%.
Zwei Tage später, am 15.10.2026, vertiefte sich die Verkaufswelle. In Seoul fiel der halbleiterlastige Kospi um bis zu 8 Prozent, was eine Handelspause auslöste; SK Hynix verlor fast 11 Prozent, Samsung Electronics 9,3 Prozent. In Tokio sackte der Nikkei 225 um bis zu 5,3 Prozent ab, SoftBank sank um fast 10 Prozent. Schon am 16.07.2026 hatte aktien.news berichtet, dass der Kospi-Index um 6% einbrach, weil Investoren zunehmend daran zweifelten, ob die durch KI angetriebene Rally die hohen Bewertungen langfristig rechtfertigen kann.
Für deutsche Anleger bleibt die Bewertungsfrage der zentrale Punkt
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem deshalb relevant, weil die asiatischen Chipwerte tief in den Lieferketten der globalen KI-Industrie stecken. SK Hynix und Samsung Electronics gehören zu den weltweit bedeutendsten Herstellern von Speicherchips, TSMC fertigt als Auftragsfertiger für die großen Chipdesigner. Fällt die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, trifft das diese Unternehmen unmittelbar – und über Fonds und ETFs auch deutsche Depots.
Bemerkenswert ist das Muster der vergangenen Monate: Wie die Archivberichte zeigen, folgen auf scharfe US-Verkaufstage regelmäßig zweistellige Verluste in Seoul, Tokio und Taipeh. Wer in Technologie-ETFs investiert ist, trägt dieses Klumpenrisiko indirekt mit.
Zugleich betont Moe, dass ein Teil der Bewegung technisch getrieben ist – durch das Abwickeln von Positionen und Stop-Loss-Verkäufe. Solche Bewegungen können sich schnell verstärken, sagen aber nichts über die langfristige Ertragskraft der Unternehmen aus. Eine Einordnung, ob die Bewertungen angemessen sind, muss jeder Anleger selbst vornehmen.
Die nächsten Signale kommen aus den USA und von den Chipkonzernen
Konkrete Termine für die nächsten Datenpunkte nennt der Bericht nicht. Entscheidend dürfte zunächst sein, ob sich die politischen Signale aus Washington zu Auflagen für Rechenzentren konkretisieren. Genau diese Frage hatte Moe als zentralen Unsicherheitsfaktor für die Nachfrage und die Gewinne asiatischer KI-Hardwareanbieter benannt.
Weitere Hinweise dürften von der Frage kommen, ob die Anleger ihre Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Investitionsbooms und an den Renditen massiver Investitionen in Rechenzentren bestätigt sehen. Solange diese Zweifel bestehen, bleibt die Volatilität in den asiatischen Halbleiterwerten hoch – wie die Serie vergleichbarer Ausverkäufe seit Juli 2026 zeigt.
Drei Begriffe helfen beim Verständnis dieser Meldung
- Korrekturzone: Marktphase, in der ein Index deutlich unter seinem jüngsten Höchststand notiert.
- Stop-Loss-Verkäufe: Automatische Verkaufsorders, die ausgelöst werden, sobald ein Kurs eine vorher festgelegte Schwelle unterschreitet.
- Auftragsfertiger: Unternehmen, das Halbleiter im Auftrag anderer Firmen produziert, ohne eigene Chips zu entwerfen.
