JPMorgan-Berater setzen auf KI-Aktien und erleben den Ausverkauf
Zwei ehemalige JPMorgan-Vermögensberater wetteten auf konzentrierte KI-Portfolios – nun testet der Markt ihre Strategie.

Millionen von Anlegern lernen derzeit auf die harte Tour, was es bedeutet, ein konzentriertes Aktienportfolio zu halten. Phil Scott und Jim Atwood setzen dabei ihre Zukunft darauf. Die beiden Vermögensberater haben im vergangenen Monat JPMorgan Chase verlassen und eine unabhängige Firma gegründet, nachdem die Bank erklärt hatte, die Aktienportfolios ihrer Kunden seien zu stark in den Aktien einiger hochfliegender Künstliche-Intelligenz-Titel konzentriert.
Der Konflikt drehte sich um die Frage der Risikostreuung. Einige langjährige Kunden der Berater hatten fast 20% ihres Vermögens – in Höhe von zehn Millionen US-Dollar oder mehr – in einer einzigen Aktie angelegt, darunter Nvidia, Broadcom und Dell Technologies. Scott und Atwood wollten sich nicht, wie von der Bank gefordert, diversifizieren. Jetzt stellt der Markt sie auf die Probe.
Am Donnerstag kam es zu einem Ausverkauf bei KI-Aktien. Dem Nasdaq Composite wurden dadurch rekordverdächtige 2,5 Billionen US-Dollar an Marktwert entzogen. Nvidia, Broadcom und Dell schlossen mit Verlusten von jeweils 9,3%, 10% und 15%.
Nvidia, Broadcom und Dell schließen mit deutlichen Verlusten
Die drei genannten Titel zählen zu den hochfliegenden KI-Aktien, die nun im Zentrum der Verkaufswelle stehen. Der Abschlag von 15% bei Dell Technologies fiel dabei am deutlichsten aus, während Broadcom 10% und Nvidia 9,3% verlor. Für Anleger, die einen erheblichen Teil ihres Vermögens in nur einer dieser Aktien halten, bedeutet ein solcher Handelstag einen spürbaren Einschnitt.
Hinter dem Ausverkauf steht eine konkrete Sorge der Marktteilnehmer. Anleger befürchten, dass der demokratische Erdrutschsieg bei den Halbzeitwahlen zu einem Rückgang beim Ausbau von Rechenzentren führen wird. Ein solcher Rückgang könnte die weiteren Glieder der KI-Ökosystemkette lahmlegen. Die Kurse reagieren damit nicht nur auf Unternehmenszahlen, sondern auch auf politische Erwartungen.
Das Muster betrifft längst nicht mehr nur Einzelaktien-Anleger. Selbst diejenigen mit einfachen Indexfonds haben beobachtet, wie ihre Portfolios zunehmend in wenigen KI-bezogenen Unternehmen konzentriert sind, die nun abverkauft werden. Die Top 10 der S&P-500-Indextitel machen rund 40% seines Werts aus, wobei Nvidia allein etwa 7% ausmacht. Wer also einen breit aufgestellten Indexfonds hält, ist über die Gewichtung der größten Titel indirekt ebenfalls stark dem KI-Sektor ausgesetzt.
Bereits im September warnte aktien.news vor der Marktkonzentration
Die Entwicklung ist nicht neu, sondern seit Monaten absehbar. Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass KI-Aktien 401(k)-Konten erschüttern. Damals machten fünf Technologieriesen – Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon – laut Morningstar zum Börsenschluss am Mittwoch rund 30 Prozent des S&P-500-Index aus. Millionen Arbeitnehmer, die einen Teil ihrer Altersvorsorge in einem S&P-500-Indexfonds angelegt haben, waren damit indirekt betroffen.
Am 04.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger verstärkt nach Wegen suchen, ihre Portfolios gegen eine zu starke Konzentration auf KI abzusichern. Grund dafür war, dass die Finanzmärkte und die US-Wirtschaft zunehmend von der Gesundheit des boomenden KI-Sektors abhängen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen im Russell-1000-Index der großen US-Konzerne sind laut Forschungen von Citigroup direkt mit KI verbunden oder integrieren die Technologie.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news über die Einschätzung von Jim Cramer, Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money". Der Verkaufssturm bei KI-Aktien am Donnerstag habe eindrücklich vor Augen geführt, warum Diversifizierung für Anleger unverzichtbar ist. Auslöser der damaligen Verkaufswelle war ein Bericht der Financial Times, demzufolge der annualisierte Umsatz des KI-Unternehmens OpenAI etwa 20 Milliarden Dollar unter dem zuvor signalisierten Betrag lag.
Am 20.10.2026 berichtete aktien.news, dass der KI-Sektor an einem einzigen Handelstag 80 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren hat. Das war der Rekordwert der laufenden Marktphase. Der Einbruch fiel mit der Schlussglocke am Freitag zusammen, die Kurse erholten sich bis zum Handelsende nicht mehr. Zu Wochenbeginn hellte sich die Stimmung dann leicht auf, doch die Gegenbewegung blieb überschaubar.
Für Privatanleger steht die Diversifizierung im Mittelpunkt
Für deutsche Privatanleger sind mehrere Punkte relevant. Erstens zeigt der Fall Scott und Atwood, dass selbst professionelle Berater unterschiedlich mit Klumpenrisiken umgehen – die Bank drängte auf Diversifizierung, die Berater verweigerten sie. Zweitens verdeutlicht die Konzentration im S&P 500, dass ein Indexfonds kein automatischer Schutz vor Klumpenrisiken ist. Drittens sind die Kursschwankungen im KI-Sektor kein isoliertes Phänomen, sondern betreffen über die Indexgewichtung indirekt breite Teile des Marktes.
Wer sein Depot überprüfen möchte, kann sich die Frage stellen, welcher Anteil des Vermögens auf einzelne Titel oder auf einen einzelnen Sektor entfällt. Die im Quelltext genannten Beispiele zeigen, welche Größenordnungen möglich sind: fast 20% des Vermögens in einer einzigen Aktie bei einzelnen Kunden, rund 40% des S&P 500 in den zehn größten Titeln und etwa 7% allein für Nvidia. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Halbzeitwahlen und der Rechenzentrumsausbau bleiben die entscheidenden Faktoren
Der weitere Verlauf hängt aus Sicht der Marktteilnehmer an mehreren Faktoren. Im Quelltext wird die Furcht genannt, dass der demokratische Erdrutschsieg bei den Halbzeitwahlen den Ausbau von Rechenzentren bremsen könnte. Sollte sich diese Erwartung bestätigen, könnte das die weiteren Glieder der KI-Ökosystemkette belasten. Konkrete Termine oder Unternehmensprognosen nennt der Quelltext nicht.
Die beiden Berater Scott und Atwood haben ihre Entscheidung bereits getroffen und ihre unabhängige Firma gegründet. Ob sich ihre Wette auf die konzentrierten KI-Positionen auszahlt, entscheidet sich an den kommenden Handelstagen. Der Markt stellt sie – wie eingangs beschrieben – auf die Probe.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Artikels
- Konzentriertes Portfolio: Ein Depot, bei dem ein großer Teil des Vermögens auf wenige einzelne Aktien oder einen einzelnen Sektor entfällt.
- Klumpenrisiko: Die Gefahr, die entsteht, wenn viele Anleger oder Fonds gleichzeitig auf dieselben Titel setzen und dadurch gemeinsam auf Kursbewegungen reagieren.
- Diversifizierung: Die breite Streuung des Vermögens über verschiedene Titel, Sektoren oder Anlageklassen, um einzelne Risiken zu verringern.
