DAX steigt nach US-Zwischenwahlen fast auf Rekordhoch
Der deutsche Leitindex legt 2,22 Prozent zu und nähert sich seinem Allzeithoch von 26.619 Punkten.

Am 5. November 2026 hat der deutsche Aktienmarkt deutlich zugelegt. Der DAX stieg um 2,22 Prozent und schloss bei 26.437,67 Punkten. Damit liegt der Leitindex nur noch 78 Punkte unter seinem Allzeithoch von 26.619 Punkten. Auslöser der Rally war das Ergebnis der US-Zwischenwahlen, das bei Anlegern für Optimismus sorgte.
Getragen wurde die Aufwärtsbewegung von positiven Unternehmenszahlen und fallenden Ölpreisen. Die Ölnotierungen gaben um etwa 1 bis 1,5 Prozent nach. Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Die Kombination aus politischer Neuordnung in Washington und nachlassendem Druck an den Energiemärkten sorgt derzeit für Rückenwind an den Börsen.
Die Demokraten übernehmen den Kongress
Haupttreiber der Stimmung ist der Machtwechsel im US-Kongress. Die Demokratische Partei hat die Kontrolle über den Kongress erlangt. Analysten werten dies als Begrenzung des politischen Spielraums von Präsident Donald Trump. Joachim Schallmayer von der Dekabank sagte, das Ergebnis zeige, dass die Agenda des Präsidenten "nicht grenzenlos durchsetzbar" sei. Er sieht Spielraum für eine moderatere Außenpolitik und eine diszipliniertere US-Fiskalpolitik.
Andreas Lipkow von CMC Markets hob hervor, dass der Wandel Sorgen über die steigende Staatsverschuldung und dauerhaft hohe Anleiherenditen dämpfen könnte. Dadurch steigt aus seiner Sicht die Wahrscheinlichkeit einer Jahresendrally beim DAX. Zugleich warnen Beobachter vor anhaltenden Risiken. Steve Chiavarone von Federated Hermes riet Anlegern, sich auf eine Phase erhöhter Marktschwankungen einzustellen.
Kapital rotiert aus KI- und Halbleiterwerten
Die Wahl hat eine deutliche Umschichtung des Kapitals ausgelöst. In den USA und Europa legten Aktien erneuerbarer Energien zu — in Deutschland etwa Nordex und SMA Solar. Anleger rechnen mit einem günstigeren regulatorischen Umfeld für grüne Energie. Rüstungskonzerne wie Northrop Grumman und Lockheed Martin gerieten dagegen unter Druck, da der demokratisch kontrollierte Kongress die Verteidigungsausgaben strenger prüfen dürfte.
Am deutlichsten zeigt sich die Verschiebung im Technologiesektor. KI-nahe Aktien und Halbleiterunternehmen wie Infineon und Siemens Energy verloren. Marktteilnehmer befürchten mehr Regulierung und Aufsicht für die KI-Branche. Wataru Akiyama von Nomura Securities beobachtet, dass Kapital aktiv aus KI- und Halbleiterwerten abfließt. Grund sei die Sorge, dass die demokratische Kontrolle wichtige Rechenzentrumsprojekte verzögern könnte und damit das aktuelle Gewinnwachstum der Branche bremst.
Deutsche Unternehmen überzeugen mit Zahlen
Jenseits der Politik stützten starke Quartalszahlen den deutschen Markt. Heidelberg Materials, Scout24 und Continental lieferten positive Überraschungen. Lipkow betonte, die Berichte belegten, dass deutsche Unternehmen trotz makroökonomischer Gegenwinde starke Ergebnisse liefern können. Heidelberg Materials kletterte um 9,6 Prozent auf den höchsten Stand seit Juli, gestützt auf ein beschleunigtes Selbstoptimierungsprogramm und eine wiederbelebte deutsche Infrastrukturinitiative.
Continental gewann 5,2 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose angehoben hatte. Der Citigroup-Analyst Ross MacDonald nannte dies eine seltene und positive Ausnahme in der Automobilbranche. Die Branche insgesamt legte zu, getragen von der Hoffnung auf eine weichere Haltung bei internationalen Zöllen. BMW stieg um 5,5 Prozent — trotz einer Gewinnwarnung des Unternehmens. Das deutet darauf hin, dass die Marktzuversicht derzeit unternehmensspezifische Sorgen überwiegt.
Asien reagiert uneinheitlich
Während Europa und die USA mehrheitlich zulegten, fiel die Reaktion in Asien gemischt aus. Japans Topix-Index stieg um 1,5 Prozent und profitierte von den gefallenen Ölpreisen, die den Inflationsdruck mildern und die Unternehmensgewinne stützen könnten. Der Nikkei-Index verlor dagegen 0,8 Prozent wegen der Sorgen um KI- und Halbleiterwerte.
In Südkorea brach der Kospi um rund 4 Prozent ein; nach einem Rückgang von mehr als 5 Prozent wurde der Handel zeitweise ausgesetzt. Das zeigt die hohe Abhängigkeit des südkoreanischen Marktes von der globalen Halbleiter- und Technologielieferkette, die durch die veränderte politische und regulatorische Lage in den USA unter Druck steht.
Technische Marke bei 26.000 Punkten im Fokus
Mit dem Anlauf auf das August-Rekordhoch beobachten technische Analysten die Marke von 26.000 Punkten genau. Salah-Eddine Bouhmidi von IG Markets betonte, für anhaltenden Aufwärtsmomentum müssten Käufer den Index über dieser Schwelle halten. Der DAX liegt nur 78 Punkte unter seinem Allzeithoch und damit an einem kritischen Punkt.
Ob die Rally trägt, hängt davon ab, ob die aktuelle Zuversicht den geopolitischen und regulatorischen Risiken standhält. Die fallenden Ölpreise und der politische Wandel liefern Rückenwind. Die Nachhaltigkeit der Bewegung bleibt jedoch an die genannten Unsicherheiten geknüpft.
