DAX nimmt nach US-Zwischenwahlen neuen Rekord ins Visier
Der deutsche Leitindex wird vor dem Xetra-Start 0,5 Prozent höher taxiert und liegt nur noch 78 Punkte unter seinem Allzeithoch.

Die Euphorie nach den US-Zwischenwahlen hat den deutschen Aktienmarkt fest im Griff. Der Broker IG Markets taxiert den DAX vor dem Beginn des Xetra-Handels 0,5 Prozent höher auf 26.561 Punkte. Damit rückt der Rekordstand des Leitindex von 26.619 Punkten in greifbare Nähe.
Bereits am Mittwoch hatte der DAX kräftig zugelegt und den Handel mit einem Plus von 2,2 Prozent bei 26.437 Punkten beendet. In der Spitze kletterte der Index auf fast 26.542 Zähler – nur 78 Punkte trennten ihn damals von der Bestmarke. Anleger reagieren euphorisch auf das Ergebnis der US-Zwischenwahlen, ein möglicher Test des Allzeithochs gilt in den kommenden Tagen als realistisch.
Rückenwind kommt von der Wall Street. Der Dow-Jones-Index schloss drei Prozent fester bei 53.356 Punkten, der S&P 500 gewann 1,6 Prozent auf 7.688 Zähler, und der Nasdaq legte 1,4 Prozent auf 25.736 Stellen zu. Die US-Märkte geben damit die Richtung für den europäischen Handel vor.
Der Ölpreisrückgang verbessert die Gewinnaussichten vieler Unternehmen
Deutliche Entlastung kommt von den Energiemärkten. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,0 Prozent auf 93,63 Dollar je Barrel, also je 159 Liter. Die US-Sorte WTI fiel um 1,5 Prozent auf 86,81 Dollar. Sinkende Ölpreise senken den Inflationsdruck und verbessern die Gewinnaussichten vieler Unternehmen – ein Argument, das Anleger derzeit gerne aufgreifen.
Innerhalb des Marktes verschieben sich die Gewichte. Solar- und Ökostromaktien sind gefragt, während Rüstungswerte wie Northrop Grumman und Lockheed Martin unter Druck geraten. Hintergrund ist die Erwartung, dass Trumps Verteidigungsbudget im Kongress auf Hürden stoßen könnte, weil die Demokraten dort Wahlerfolge erzielt haben.
In Asien belasten Sorgen um die KI-Branche die Technologiewerte
Die asiatischen Märkte zeigen ein gemischtes Bild. In Japan legte der Topix 1,5 Prozent zu, während der Nikkei-Index 0,8 Prozent auf 61.686 Punkte verlor. Sorgen um die KI-Branche belasten dort die Technologiewerte. Wataru Akiyama von Nomura Securities erklärte, Kapital, das zuvor in KI und Halbleiter geflossen sei, werde nun in andere Sektoren umgeschichtet.
In Südkorea musste der Handel zeitweise ausgesetzt werden, nachdem der Kospi um rund vier Prozent auf 5.459 Punkte gerutscht war. Der Shanghai/Shenzhen-Index notierte dagegen 0,4 Prozent fester. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, wie selektiv Anleger derzeit auf die neue politische Lage reagieren.
Die veränderten Mehrheitsverhältnisse könnten die US-Haushaltspolitik disziplinieren
"Die veränderten politischen Kräfteverhältnisse könnten die amerikanische Haushaltspolitik stärker disziplinieren und damit zumindest einen Teil der Sorgen über die ausufernde Staatsverschuldung und langfristig hohe Anleiherenditen entschärfen", sagte Andreas Lipkow von CMC Markets. Das Wahlergebnis signalisiert aus Sicht der Anleger eine begrenzte Durchsetzbarkeit von Trumps Politik.
Für den DAX ist die entscheidende technische Marke schnell benannt. "Voraussetzung ist, dass die Käufer den Ausbruch über 26.000 Punkte weiter behaupten", sagte Salah-Eddine Bouhmidi von IG Markets. Damit ist klar, worauf der Markt in den nächsten Sitzungen achten dürfte.
Bereits am 07.07.2026 hatte der DAX nach drei Rekordtagen eine Verschnaufpause eingelegt
Der Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, wie schnell die Stimmung am deutschen Aktienmarkt kippen kann. Bereits am 07.07.2026 berichtete aktien.news, dass der DAX mit einem leichten Minus in den Handelstag startete: IG taxierte den Leitindex vor dem Xetra-Beginn rund 0,3 Prozent tiefer auf 25.745 Punkte, nachdem drei Rekordtage in Folge anstanden. Zum Wochenauftakt hatte der DAX in der Spitze um 0,5 Prozent auf 25.900,10 Punkte zugelegt – ein neues Allzeithoch – und schloss 0,2 Prozent fester bei 25.817,89 Zählern.
Noch früher, am 04.07.2026, taxierte IG den DAX vor dem Xetra-Start rund 0,5 Prozent höher auf 25.712 Punkte, nachdem der Index am Vortag erstmals seit Januar ein Allzeithoch markiert hatte. Das bisherige Allzeithoch lag damals bei 25.507 Zählern, aus dem Handel ging der DAX 2,2 Prozent fester bei 25.580,88 Punkten. Am 03.08.2026 stand der DAX vor Xetra-Handelsbeginn rund ein Prozent höher bei 25.895 Punkten – nur wenige Zähler unter dem Allzeithoch von 25.900 Punkten, das Anfang Juli markiert worden war. Treiber waren damals stark gefallene Ölpreise und Signale der Entspannung im Nahen Osten.
Auch die Ölkomponente ist nicht neu. Am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass neue Angriffe der mit dem Iran verbündeten Houthi-Kräfte sowie ein Sturm, der US-Offshore-Förderanlagen lahmlegte, den Ölpreisen einen neuen Schub verliehen und die globalen Aktienmärkte unter Druck setzten. Damals wie heute spielt der Midterm-Wahlzyklus eine Rolle für die Einordnung des S&P 500.
Für Privatanleger bleibt das Risiko kräftiger Rückschläge bestehen
Die Euphorie verbessert das kurzfristige Marktbild, beseitigt aber die geopolitischen Unsicherheiten nicht. Das Risiko kräftiger Rückschläge bleibt bestehen. Anleger sollten daher einordnen, was das Wahlergebnis tatsächlich verändert: Es signalisiert eine begrenzte Durchsetzbarkeit von Trumps Politik, nicht das Ende politischer Risiken.
Positiv ist, dass Investoren mit einer friedlichen Lösung für den Nahen Osten rechnen und die Chancen auf eine Jahresendrally für den DAX deutlich gestiegen sind. Sinkende Ölpreise wirken zusätzlich stützend, weil sie den Inflationsdruck senken und die Gewinnaussichten vieler Unternehmen verbessern. Wer in Rüstungswerten oder in der KI-Branche engagiert ist, muss dagegen mit neuen Rahmenbedingungen rechnen.
Der Test des Allzeithochs dürfte in den kommenden Tagen anstehen
Dramatische Kurswechsel erwarten Marktbeobachter nicht. Stattdessen dürften einzelne Branchen mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert werden. So könnten die Wahlerfolge der Demokraten Rechenzentren-Projekte verzögern, was die Nachfrage nach bestimmten Technologiewerten dämpfen würde.
Für den DAX bleibt die Marke von 26.000 Punkten die entscheidende Orientierung. Solange die Käufer den Ausbruch über dieses Niveau behaupten, bleibt der Weg zum Rekordstand von 26.619 Punkten offen. Der Handel vor dem Xetra-Start beginnt mit einer Taxierung von 26.561 Punkten, die Bestmarke liegt bei 26.619 Punkten.
Drei Fachbegriffe helfen beim Einordnen des Marktberichts
- Leitindex: Ein Leitindex bündelt die wichtigsten börsennotierten Unternehmen eines Marktes und gilt als Gradmesser für dessen Entwicklung.
- Barrel: Ein Barrel ist die im Ölhandel übliche Mengeneinheit für Rohöl.
- Allzeithoch: Ein Allzeithoch ist der höchste Stand, den ein Index oder eine Aktie seit Beginn seiner Berechnung erreicht hat.
