Citi sieht erste Erholung am VAE-Immobilienmarkt im Oktober
Die Transaktionsaktivität in Dubai und Abu Dhabi verbessert sich im Oktober gegenüber dem Vormonat, so der Citi-Immobilien-Tracker.

Der Immobilienmarkt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat im Oktober erste Anzeichen einer Erholung gezeigt. Das geht aus einer Analyse des US-Bankhauses Citi vom 1. November hervor, über die Investing.com berichtet. Demnach verbesserte sich die Transaktionsaktivität im Wohnimmobiliensegment sowohl in Dubai als auch in Abu Dhabi im Oktober gegenüber dem Vormonat. Grundlage ist der monatliche Immobilien-Tracker von Citi.
Die Erholung folgt auf Störungen, die der Markt zu Beginn des Jahres 2026 erlebt hatte. Citi ordnet die jüngsten Bewegungen ausdrücklich als Neujustierung nach diesen Störungen ein und nicht als Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Für Anleger ist damit vor allem die Richtung der monatlichen Veränderung relevant, nicht das absolute Niveau.
In Dubai zogen bezugsfertige Objekte stärker an als Bauprojekte
Innerhalb der VAE verlief die Erholung im Oktober unterschiedlich. In Dubai verzeichnete der Markt bei bezugsfertigen Objekten eine stärkere Dynamik als bei Bauprojekten in der Planungsphase, also im sogenannten Off-Plan-Segment. In Abu Dhabi zeigte sich das umgekehrte Bild: Dort wiesen die Off-Plan-Objekte während des Monats eine höhere Dynamik auf. Die beiden wichtigsten Emirate entwickelten sich damit im Oktober gegenläufig, was die Segmentebene betrifft.
Bei den Preisen fiel das Bild einheitlicher aus. Die bis September verfügbaren Preisdaten für Wohnimmobilien deuteten laut der Citi-Analyse auf geringfügige Verbesserungen gegenüber dem jeweiligen Vormonat hin – sowohl in Dubai als auch in Abu Dhabi. Für Oktober lagen zum Zeitpunkt der Analyse noch keine Preisdaten vor. Die Preisentwicklung folgt der Transaktionsentwicklung damit zeitlich nach.
Citi wertet die Oktober-Daten als Neujustierung nach den Störungen
Die Einordnung des Bankhauses ist bewusst zurückhaltend. Citi charakterisiert die Marktbewegungen als Neujustierung nach den zu Beginn des Jahres 2026 beobachteten Störungen. Der Begriff signalisiert eine Korrektur eines vorangegangenen Ausschlags, nicht einen strukturellen Aufschwung. Die Oktober-Zahlen sind damit ein erstes positives Signal, aber noch kein belastbarer Trend.
Bemerkenswert ist die Verschiebung innerhalb der Segmente. In Dubai, dem größeren der beiden Märkte, kam die Dynamik von fertiggestellten Objekten. In Abu Dhabi trugen dagegen Projekte, die noch nicht fertiggestellt sind, die Entwicklung. Diese Aufteilung ist für Marktbeobachter relevant, weil beide Segmente unterschiedliche Käufergruppen und Finanzierungsmuster aufweisen.
Bereits am 15. April 2026 sanken die Transaktionswerte um vier Prozent
Der Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, wie stark die Störungen den Markt zuvor belastet hatten. Bereits am 15.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Transaktionswerte in den sechs Wochen seit Konfliktbeginn im Jahresvergleich um 4 Prozent gesunken waren. Grundlage war ein Bericht des Property Monitor. Besonders der Wiederverkaufsmarkt litt: Die Werte bei Resales fielen im selben Zeitraum um 24 Prozent. Einen Gegentrend verzeichnete das Off-Plan-Segment, in dem die Transaktionswerte im Jahresvergleich um 20 Prozent stiegen. Dieser Anstieg spiegelte jedoch weitgehend Kaufvertragsregistrierungen aus den Monaten Januar und Februar.
Am 17.06.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse des Hauses Jefferies, das den VAE-Markt an einem Wendepunkt sah. Nach einer außergewöhnlichen Expansionsphase nach der Pandemie, in der die Immobilienmärkte der VAE im Jahr 2025 ein Volumen von 290 Milliarden US-Dollar erreichten, zeigte der Sektor deutliche Anzeichen einer Normalisierung. Das entsprach einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 30 Prozent seit 2021 – ein Tempo, das auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten war. Jefferies sah den Markt in einen neuen Zyklus eintreten und unterschied die Aussichten der beiden wichtigsten Emirate erheblich: Während Dubai bereits spürbare Preisrückgänge verzeichnete, fielen die Perspektiven für Abu Dhabi anders aus.
Auch die Börsen der Region lieferten zuletzt Signale. Am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass die großen Aktienmärkte am Golf mehrheitlich zugelegt hatten. Angeführt wurde die Entwicklung vom Dubai Financial Market, dessen General Index um 0,4 Prozent stieg. Getragen wurde der Zuwachs vor allem vom Indexgewichtsträger Emirates NBD, dessen Aktie um 1,3 Prozent anzog. Der Leitindex von Abu Dhabi gewann 0,3 Prozent hinzu, der saudische Tadawul All Share Index legte ebenfalls um 0,3 Prozent zu, während der QE-Index in Katar mit einem leichten Anstieg von 0,2 Prozent etwas schwächer zulegte.
Deutsche Anleger sollten die unterschiedliche Dynamik in Dubai und Abu Dhabi beachten
Für deutsche Privatanleger ist der VAE-Immobilienmarkt vor allem über börsennotierte Vehikel zugänglich – etwa über Immobilienentwickler oder über Banken der Region, die als Indexschwergewichte gelten. Die Kursbewegungen an den Golfbörsen liefern dabei einen schnelleren Stimmungsindikator als die monatlich erscheinenden Transaktions- und Preisdaten. Am 14.10.2026 hatte der Dubai Financial Market vor allem dank Emirates NBD zugelegt, während der Leitindex von Abu Dhabi moderat gewann.
Die Datenlage verlangt Geduld. Transaktionsdaten für Oktober liegen vor, Preisdaten nur bis September. Wer den Markt anhand der Citi-Analyse einordnen will, muss daher zwei Zeitachsen zusammenführen: die aktuelle Transaktionsdynamik und die nachlaufende Preisentwicklung. Hinzu kommt die Erinnerung an das Jahr 2025, als der Markt ein Volumen von 290 Milliarden US-Dollar erreichte und seit 2021 im Schnitt jährlich um 30 Prozent wuchs. Von diesem Niveau aus ist eine Normalisierung kein Einbruch, sondern eine Rückkehr zu nachhaltigeren Raten.
Zugleich mahnen die April-Zahlen zur Vorsicht. Ein Rückgang der Transaktionswerte um 4 Prozent im Jahresvergleich und ein Einbruch der Resales um 24 Prozent zeigen, wie schnell sich die Stimmung in einem Markt drehen kann, der stark von externen Störungen abhängt. Das Off-Plan-Segment erwies sich in dieser Phase als vergleichsweise robust – ein Muster, das sich im Oktober in Abu Dhabi erneut zeigte.
Citi legt seinen Immobilien-Tracker monatlich vor
Die nächsten Datenpunkte sind damit vorgezeichnet. Citi veröffentlicht seinen Immobilien-Tracker monatlich, sodass die kommende Ausgabe die Entwicklung nach dem Oktober-Signal einordnen wird. Die Preisdaten für Oktober lagen zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht vor; die verfügbare Reihe reicht bis September. Entscheidend bleibt, ob sich die Transaktionsdynamik in beiden Emiraten fortsetzt oder ob sie sich – wie im Oktober – auf unterschiedliche Segmente verteilt.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Berichts
- Off-Plan: Bezeichnung für Immobilien, die noch nicht fertiggestellt sind und vor oder während der Bauphase verkauft werden.
- Transaktionsaktivität: Maß für Zahl und Umfang der abgeschlossenen Kaufgeschäfte in einem Markt.
- Month-over-month: Vergleich eines Werts mit dem Wert des unmittelbar vorangegangenen Monats.
- Resales: Weiterverkäufe von Immobilien durch Eigentümer, also Geschäfte im Wiederverkaufsmarkt.
