Morgan Stanley stuft Cisco herab: Weniger Spielraum nach 43-Prozent-Rally
Die Investmentbank senkt ihr Kursziel von 135 auf 120 US-Dollar und verweist auf hohe Erwartungen sowie Margendruck im KI-Geschäft.

Morgan Stanley hat die Aktie von Cisco Systems (NASDAQ:CSCO) von „Overweight" auf „Equal-weight" herabgestuft und das Kursziel in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht von 135 auf 120 US-Dollar gesenkt. Die Bank begründet den Schritt damit, dass die starke Rallye der Aktie vor den Ergebnissen des ersten Geschäftsvierteljahres weniger Spielraum für weitere Kursgewinne lässt. Für Anleger bedeutet das: Der Netzwerkausrüster hat nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Monate aus Sicht der Investmentbank kaum noch Luft nach oben.
Analystin Meta Marshall wies darauf hin, dass die Cisco-Aktie in den vergangenen 12 Monaten um 43 Prozent gestiegen ist, während der S&P 500 im selben Zeitraum 14 Prozent zulegte. Die Aktie habe sich neu bewertet und handele nun mit etwa dem 19-fachen der erwarteten Gewinne, was dem Niveau des Index entspreche. Ein Großteil der durch künstliche Intelligenz (KI) getriebenen Neubewertung sei damit bereits im Preis eingepreist.
Die Herabstufung fällt in die Zeit vor den Ergebnissen des ersten Geschäftsvierteljahres. Morgan Stanley bleibt gegenüber den Fundamentaldaten des Unternehmens konstruktiv, sieht auf dem aktuellen Kursniveau jedoch ein ausgewogeneres Verhältnis von Risiko und Ertrag. „Wir bleiben konstruktiv bezüglich der Fundamentaldaten von Cisco, sehen jedoch bei aktuellen Niveaus ein ausgewogeneres Risiko-Ertrags-Verhältnis", schrieb Marshall.
Morgan Stanley warnt vor vorgezogenen Bestellungen der Kunden
Ein zentraler Punkt des Berichts sind sogenannte „Pull-Forward"-Effekte. Kunden könnten früher bestellen, um geplanten Preiserhöhungen zuvorzukommen, was die kurzfristigen Umsätze künstlich stützen würde. Solche vorgezogenen Bestellungen verschieben Nachfrage in die Gegenwart und können spätere Quartale belasten. Der Effekt ist für die Bewertung deshalb relevant, weil er den Blick auf das zugrunde liegende Wachstum verzerrt.
Zusätzlich belastete eine steigende Quote an hardwarebezogenen Geschäften mit niedrigerer Marge, die an Hyperscaler verkauft wurden, die Bruttomargen. Das Geschäft mit großen Cloud-Anbietern wächst also, geht aber mit dünneren Margen einher als andere Bereiche. „CSCO kann weiterhin durch Gewinnwachstum zulegen, doch hohe Erwartungen und widrige Margenumstände im KI-Geschäft lassen weniger Raum für Aufwärtspotenzial", schrieb Marshall.
Die Analystin verwies zudem darauf, dass die jüngsten Kursreaktionen auf die Ergebnisse von Fortinet und F5 die höheren Anforderungen an Aktien im Bereich Netzwerktechnik und Cybersicherheit verdeutlichten. Wer in dieser Branche überzeugen will, muss die Erwartungen der Anleger offenbar deutlicher übertreffen als früher. Der Vergleich mit der Konkurrenz macht deutlich, dass die Messlatte für positive Überraschungen inzwischen hoch liegt.
Bereits im Februar 2026 enttäuschte Cisco die Anleger trotz starker Zahlen
Der aktuelle Bericht reiht sich in eine wechselhafte Phase für die Cisco-Aktie ein. Bereits am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass Cisco Quartalsergebnisse vorgelegt hatte, die die Erwartungen der Analysten deutlich übertrafen, die Börse aber enttäuscht reagierte: Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie rund 7 Prozent an Wert. Der Grund war die Gewinnprognose für das laufende Quartal, die lediglich den Erwartungen entsprach. Der Umsatz stieg damals um etwa 10 Prozent auf 14 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn erreichte 3,18 Milliarden Dollar oder 80 Cent pro Aktie nach 2,43 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.
Wenige Monate später drehte die Stimmung. Am 15.05.2026 berichtete aktien.news, dass HSBC Cisco auf „Buy" hochgestuft und das Kursziel von 77 US-Dollar auf 137 US-Dollar nahezu verdoppelt hatte. Auslöser war ein stärker als erwartet ausgefallener Nachfragezyklus im Bereich KI-Infrastruktur, der das Wachstumsprofil des Netzwerkgiganten nach Einschätzung der Bank grundlegend verändert hat. Analyst Stephen Bersey verwies darauf, dass die Aufträge für KI-Infrastruktur im abgelaufenen Quartal 1,9 Milliarden US-Dollar erreichten, verglichen mit 600 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Am 13.08.2026 meldete aktien.news Rekordergebnisse für das vierte Geschäftsquartal: Cisco wies einen Umsatz von 17,3 Milliarden Dollar aus, ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten laut FactSet im Konsens lediglich 16,8 Milliarden Dollar erwartet. Das Unternehmen begründete das Wachstum mit einem sprunghaft gestiegenen Bedarf im Zuge eines sogenannten KI-Superzyklus, weil Hyperscaler den Bau ihrer Rechenzentren beschleunigen.
Doch die Bewertungsdebatte blieb. Am 23.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Cisco-Aktie um fast fünf Prozent fiel, nachdem Piper Sandler das Kursziel von 132 auf 125 US-Dollar gesenkt hatte. Grund waren niedrigere Erwartungen an das Kurs-Gewinn-Verhältnis aus Sorge, dass das Wachstum in der Branche seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Aktie schloss damals bei 106,44 US-Dollar, nachdem sie seit dem Vorjahreszeitpunkt um 57 Prozent gestiegen war und im Juni ein Allzeithoch erreicht hatte.
Für deutsche Anleger verschiebt sich der Fokus von der Rally auf die Margen
Für Privatanleger in Deutschland ist der Bericht vor allem eine Einordnung der Bewertung. Cisco ist kein reines KI-Wachstumsspiel, sondern ein etablierter Netzwerkausrüster, dessen Aktie in den vergangenen zwölf Monaten deutlich stärker gestiegen ist als der breite US-Markt. Morgan Stanley sieht die Fundamentaldaten weiterhin positiv, hält das Verhältnis von Chance und Risiko auf dem aktuellen Niveau aber für ausgewogener als zuvor.
Interessant ist der Hinweis auf die Margen. Das Wachstum kommt zunehmend aus dem Hardwaregeschäft mit Hyperscalern, das niedrigere Margen abwirft. Gleichzeitig könnte ein Teil der aktuellen Nachfrage nur vorgezogen sein. Beide Punkte zusammen erklären, warum die Bank trotz intakter Wachstumsstory ihr Kursziel senkt. Anleger sollten daher nicht nur auf die Umsatzentwicklung schauen, sondern auch auf die Bruttomarge und die Zusammensetzung des Wachstums.
Hinzu kommt der Vergleich mit der Konkurrenz: Die Kursreaktionen auf die Zahlen von Fortinet und F5 zeigen, dass der Markt im Bereich Netzwerktechnik und Cybersicherheit inzwischen sehr genau hinsieht. Die Messlatte für positive Überraschungen liegt hoch. Wer die Aktie hält, muss also einerseits die Bewertung im Blick behalten und andererseits prüfen, ob die operative Entwicklung die Erwartungen weiterhin übertrifft.
Das Wachstum hängt künftig stärker am KI-Geschäft
Morgan Stanley erwartet für Cisco weiterhin mehrere Jahre doppelstelliges Wachstum, das maßgeblich von Cloud-Kunden getrieben wird. Das Wachstum werde jedoch zunehmend von Einnahmen aus KI-Geschäften abhängen, sobald das Unternehmen seine Preiserhöhungen im Geschäftsjahr 2028 nicht mehr als Vergleichsbasis heranziehen könne. Mit anderen Worten: Ab dem Geschäftsjahr 2028 fällt ein Stützeffekt weg, der das Wachstum bis dahin begünstigt.
Der nächste wichtige Termin ist die Vorlage der Ergebnisse des ersten Geschäftsquartals, auf die der Bericht ausdrücklich verweist. Ob die vorgezogenen Bestellungen und die Margenentwicklung die Erwartungen bestätigen, dürfte darüber entscheiden, wie der Markt die Aktie in den kommenden Monaten bewertet. Morgan Stanley hat mit der Herabstufung und dem niedrigeren Kursziel bereits vorweggenommen, dass die Bank auf dem aktuellen Kursniveau nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial erkennt.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Einordnen des Berichts
- Pull-Forward-Effekt: Kunden ziehen Bestellungen vor, um angekündigten Preiserhöhungen zuvorzukommen, wodurch Umsätze früher als geplant anfallen.
- Bruttomarge: Der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt.
- Hyperscaler: Große Cloud-Anbieter, die Rechenzentren in sehr großem Umfang betreiben.
