Fannie Mae und Freddie Mac steigen nach Ackmans Treuhand-Vorstoß
Beide Aktien legen seit dem 14. Oktober um mehr als 60 Prozent zu, während der Milliardär auf ein Ende der staatlichen Kontrolle drängt.

Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac befinden sich seit Mitte Oktober in einem kräftigen Aufwärtstrend. Der Milliardärs-Investor Bill Ackman sieht in den US-Zwischenwahlen (Midterms) einen möglichen Wendepunkt für die Entlassung der beiden Hypothekenfinanzierer aus der staatlichen Kontrolle. Die Kursrallye der vergangenen Wochen dürfte ihm dabei als Bestätigung dienen.
Die Federal National Mortgage Association, bekannt als Fannie Mae, und die Federal Home Loan Mortgage Corporation, auch Freddie Mac genannt, sind seit dem 14. Oktober bis zum Schlusskurs am Montag jeweils um mehr als 60 Prozent gestiegen. Am Dienstag legten die Aktien um rund 3 Prozent zu. Beide Papiere wurden 2010 von der New York Stock Exchange delistet und handeln seither außerbörslich.
Ackman, Gründer von Pershing Square Capital Management, setzt sich seit Langem dafür ein, dass die beiden Institute aus der bundesstaatlichen Treuhandschaft (Conservatorship) entlassen werden. Über Pershing Square hält er Anteile an beiden Unternehmen. In seinem vierteljährlichen Aktionärsbrief, der am Montag veröffentlicht wurde, schrieb er, Freddie und Fannie hätten das Potenzial, „zehnmal so hoch wie die aktuellen Aktienkurse“ zu steigen.
Fannie und Freddie bündeln Hypotheken zu hypothekenbesicherten Wertpapieren
Fannie und Freddie kaufen Hypotheken von Banken und anderen Kreditgebern auf und bündeln sie zu hypothekenbesicherten Wertpapieren, sogenannten MBS. Ihr Geschäft ist entscheidend für den Wohnungsmarkt, weil es Banken Liquidität bereitstellt und einen Sekundärmarkt für MBS schafft. Die Institute wurden im September 2008 während der Finanzkrise unter Treuhandverwaltung gestellt.
Präsident Donald Trump hat sich für das Ende der Treuhandverwaltung von Fannie und Freddie ausgesprochen. Die Frage bleibt jedoch politisch und wirtschaftlich umstritten. Die Institute operieren unter strengen Kapitalanforderungen und müssten rekapitalisiert werden, was durch die Ausgabe von Stammaktien geschehen könnte.
Das Finanzministerium muss einen Ausstiegsplan für seinen Anteil ausarbeiten
Das US-Finanzministerium müsste einen Ausstiegsplan für seinen rund 388 Milliarden Dollar schweren Anteil an den Instituten ausarbeiten, der über Vorzugsaktien und Optionen gehalten wird. Auch der Kongress könnte eine Rolle spielen, indem er Gesetze verabschiedet, um die Rolle der Regierung bei der Hypothekenfinanzierung und den Wohnkreditgarantien umzugestalten.
Finanzminister Scott Bessent sagte kürzlich, dies könne noch vor dem Ende von Trumps Amtszeit geschehen. Im Podcast „The Morning Meeting“ von 2Way erklärte er, die Verwaltung werde sich „nächstes Jahr, im darauffolgenden Jahr“ mit der Besitzstruktur auseinandersetzen. Er betonte, dass die Erschwinglichkeit von Wohnraum die Entscheidung leiten werde.
Ein Streitpunkt ist die Frage, ob die Aufhebung der Treuhandverwaltung von Fannie und Freddie die Spread-Differenz zwischen MBS und US-Staatsanleihen erhöhen würde, wodurch Hypotheken effektiv teurer würden. Bessent hat versucht, den Markt davon zu überzeugen, dass dies nicht eintreten wird.
Ackman sieht in der Privatisierung einen Schutz vor politischer Einflussnahme
Ackman argumentiert, dass die Privatisierung der GSEs (Government-Sponsored Enterprises) dazu beitragen würde, diese vor politischer Einflussnahme zu schützen. „Fannie und Freddie sind diese massiven, enorm profitablen Institutionen, bei denen jede politische Partei, die sie kontrolliert … wenn sie sich noch in der Treuhandverwaltung befinden, das Ergebnis von Wahlen beeinflussen kann“, sagte er gegenüber CNBC.
In einem Szenario, so erklärte er, gewinnen die Demokraten das Weiße Haus, die Treuhandverwaltung bleibt bestehen, und die Demokraten drängen Fannie und Freddie darauf, die Kreditstandards zu senken, um den Eigenheimbesitz und die Erschwinglichkeit auszuweiten. Anleger von MBS wünschten sich Gewissheit darüber, wie die Institute geführt werden würden, bemerkte er.
Bereits am 24.10.2026 berichtete aktien.news über eine ähnliche Rallye
Bereits am 24.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac an einem Donnerstag deutlich zugelegt hatten. Auslöser waren damals Äußerungen Ackmans in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Der Gründer und CEO von Pershing Square ist an beiden Unternehmen maßgeblich beteiligt und äußerte die Einschätzung, dass die beiden Hypothekenfinanzierer die staatliche Zwangsverwaltung noch vor dem Ende der Trump-Administration verlassen könnten. Die Freddie-Mac-Aktie stieg damals um knapp 15 Prozent, Fannie Mae legte um 12,6 Prozent zu.
Der Verlauf ist allerdings nicht geradlinig. Am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac an einem Freitag um etwa 12 Prozent eingebrochen waren. Von ihren Höchstständen im September hatten die Papiere damals mehr als 40 Prozent an Wert verloren, notierten im Jahresvergleich aber weiterhin über 60 Prozent im Plus. Die Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der Wohnungsbaupolitik unter Präsident Donald Trump belastete die Kurse erheblich.
Auch das Umfeld von Ackmans Investmentgesellschaft ist volatil. Am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von Pershing Square nach einer rasanten Rallye unter Druck geraten war. Nach dem Börsengang im April 2026 zu 24 Dollar war der Kurs bis zum 7. Oktober auf 60 Dollar geklettert, ein Plus von 150 Prozent. Seitdem hatte das Papier rund 25 Prozent eingebüßt und notierte bei 45 Dollar. Sowohl Citi als auch die Bank of America hatten die Aktie herabgestuft.
Für deutsche Anleger ist die Story vor allem ein politisches Wettelement
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung rund um Fannie Mae und Freddie Mac vor allem ein politisches Wettelement. Die Kurse reagieren stark auf Signale aus Washington und auf Aussagen einzelner Investoren wie Ackman. Beide Titel werden außerbörslich gehandelt, was die Liquidität und die Handelbarkeit für europäische Anleger einschränken kann. Hinzu kommt die Unsicherheit über die künftige Kapitalstruktur: Eine Rekapitalisierung über die Ausgabe von Stammaktien würde bestehende Anteile verwässern.
Die Bewertung hängt maßgeblich an einer politischen Entscheidung, nicht an operativen Kennzahlen. Solange die Treuhandverwaltung besteht, bleiben die Institute strengen Kapitalanforderungen unterworfen. Eine Einigung zwischen Finanzministerium, Kongress und Weißem Haus ist Voraussetzung für eine Privatisierung. Anleger sollten daher sowohl das politische als auch das regulatorische Risiko im Blick behalten.
Bessent hält ein Ende der Treuhandverwaltung vor dem Ende von Trumps Amtszeit für möglich
Finanzminister Bessent hat ein Ende der Treuhandverwaltung noch vor dem Ende von Trumps Amtszeit für möglich erklärt. Er verwies darauf, dass sich die Verwaltung „nächstes Jahr, im darauffolgenden Jahr“ mit der Besitzstruktur befassen werde. Leitlinie bleibe die Erschwinglichkeit von Wohnraum. Offen ist, ob der Kongress Gesetze verabschiedet, um die Rolle der Regierung bei der Hypothekenfinanzierung neu zu ordnen.
Ackman wiederum hält an seiner These fest, dass die Institute nach einer Entlassung aus der staatlichen Kontrolle ein Vielfaches ihres aktuellen Bewertungsniveaus wert wären. Ob die Midterms tatsächlich den Wendepunkt markieren, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Entscheidung liegt nicht bei den Unternehmen selbst, sondern bei Politik und Aufsicht.
Drei Fachbegriffe ordnen das Geschäft der Hypothekenfinanzierer ein
- Treuhandverwaltung (Conservatorship): Eine staatliche Aufsicht, in der ein Institut unter die Kontrolle einer Behörde gestellt wird.
- MBS (Mortgage-Backed Securities): Wertpapiere, die durch ein Bündel von Hypotheken besichert sind.
- GSE (Government-Sponsored Enterprise): Ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen mit staatlichem Auftrag.
