US-Bauausgaben sinken im September um 1,9 Prozent
Die US-Bauausgaben sind im September um 1,9 Prozent gefallen und verfehlen die Erwartungen der Ökonomen deutlich.

Die Bauausgaben in den USA sind im September um 1,9 Prozent gesunken und haben damit einen Großteil der Zuwächse des Vormonats wieder abgegeben. Das zeigen Daten des Census Bureau, das dem US-Handelsministerium untersteht und die Zahlen am Montag veröffentlichte. Der Rückgang fiel deutlich stärker aus als von den Märkten erwartet: Von Reuters befragte Ökonomen hatten für September einen Anstieg der Bauausgaben um 0,3 Prozent prognostiziert.
Zugleich revidierte die Behörde den Vormonatswert kräftig nach oben. Für August weist das Census Bureau nun einen Anstieg der Bauausgaben um 2,0 Prozent aus – ursprünglich war ein Plus von 0,9 Prozent gemeldet worden. Im Jahresvergleich sanken die Bauausgaben im September um 2,7 Prozent. Für den Bausektor der weltgrößten Volkswirtschaft bedeutet das einen erneuten Rückschlag nach einem zwischenzeitlich starken Monat.
Die privaten Bauausgaben gingen im September um 2,4 Prozent zurück, nachdem sie im August noch um 2,6 Prozent zugelegt hatten. Besonders deutlich fiel das Minus bei den Investitionen in Wohnbauprojekte aus, die um 5,5 Prozent sanken. Die Ausgaben für Einfamilienhaus-Projekte blieben im Monatsverlauf unverändert, lagen aber im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent niedriger. Einfamilienhäuser machen den Großteil der Wohnungsbautätigkeit in den USA aus und gelten deshalb als wichtiger Indikator für die Verfassung des Immobilienmarktes.
Die privaten Nichtwohngebäude legen um 1,1 Prozent zu
Während der Wohnbau schwächelte, entwickelten sich die gewerblichen Bauinvestitionen gegenläufig. Die Investitionen in private Nichtwohngebäude stiegen im September um 1,1 Prozent. Die Ausgaben für Kraftwerke erhöhten sich im Berichtszeitraum um 1,2 Prozent. Die Ausgaben für Mehrfamilienhäuser legten um 0,1 Prozent zu, wobei dieses Segment nur einen kleinen Teil des gesamten Wohnungsmarktes ausmacht.
Die öffentlichen Bauinvestitionen sinken leicht um 0,1 Prozent
Auch die öffentliche Hand drosselte ihre Bauaktivitäten geringfügig. Die öffentlichen Bauinvestitionen gingen im September um 0,1 Prozent zurück, nachdem sie im August um 0,2 Prozent zugenommen hatten. Dabei verlief die Entwicklung zwischen den Ebenen unterschiedlich: Die Bauausgaben von Landes- und Kommunalbehörden sanken um 0,3 Prozent, während die Ausgaben der Bundesregierung für Projekte sprunghaft um 2,5 Prozent anstiegen.
Hohe Materialkosten belasten Renovierungsprojekte im Wohnbereich
Als ein Belastungsfaktor für den Wohnbereich nennt die Quelle hohe Materialkosten, die im Laufe des Monats offenbar vor allem Renovierungsprojekte bremsten. Hinzu kommt die Zinsentwicklung: Die Wohninvestitionen kehrten im dritten Quartal in die Kontraktionsphase zurück, weil der Krieg zwischen den USA und Israel sowie dem Iran die Hypothekenzinsen in die Höhe trieb. Der Durchschnittssatz für 30-jährige Festzins-Hypotheken stieg seit Beginn des Konflikts Ende Februar laut Daten des Hypothekenfinanzierungsunternehmens Freddie Mac um mindestens 125 Basispunkte.
Bereits am 4. August 2026 berichtete aktien.news über die Schwäche der US-Bauausgaben
Der aktuelle Rückschlag ist Teil einer längeren Entwicklung, die aktien.news bereits mehrfach dokumentiert hat. Am 4. August 2026 berichtete aktien.news, dass die US-Bauausgaben im Juni um 0,1 Prozent gesunken waren, während von Reuters befragte Ökonomen ein Plus von 0,2 Prozent erwartet hatten. Damals wurden auch die Daten für den Vormonat nach unten korrigiert: Für Mai wies das Census Bureau keine Veränderung mehr aus, nachdem zunächst ein Zuwachs von 0,1 Prozent gemeldet worden war. Im Jahresvergleich sanken die Bauausgaben im Juni um 3,2 Prozent, die privaten Bauausgaben verringerten sich um 0,1 Prozent.
Am 16. Juni 2026 meldete aktien.news einen Achtmonatstief beim Einfamilienhausbau
Auch der Wohnungsbau stand schon im Frühjahr unter Druck. Am 16. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass der Bau von Einfamilienhäusern in den USA im Mai auf den niedrigsten Stand seit acht Monaten gefallen war. Die Baubeginne für Einfamilienhäuser gingen um 1,9 Prozent auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 882.000 Einheiten zurück, im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug das Minus 6,7 Prozent.
Am 20. Oktober 2026 berichtete aktien.news über einen Rückschlag bei den Wohnungsbaubeginnen
Erst wenige Tage vor den nun veröffentlichten Bauausgaben hatte sich die Lage im Wohnungsbau erneut eingetrübt. Am 20. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass die Wohnungsbaubeginne im September auf eine annualisierte Rate von 1.221.000 Einheiten fielen. Goldman Sachs meldete einen Rückgang von 5,2 Prozent gegenüber dem Vormonat, Truist bezifferte das Minus auf unbereinigter Basis auf 9 Prozent. Die Konsensschätzung von 1.305.000 Einheiten wurde deutlich verfehlt, zudem wurden die August-Zahlen nach unten korrigiert.
Am 23. Oktober 2026 sank die Stimmung der US-Bauunternehmen auf ein 14-Jahres-Tief
Nur drei Tage später folgte ein weiteres Warnsignal. Am 23. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass der NAHB/Wells Fargo Housing Market Index, ein vielbeachteter Stimmungsindikator für den Markt für neu errichtete Einfamilienhäuser, im Oktober um drei Punkte auf 29 fiel. Das war der niedrigste Wert seit Juni 2012. Als Gründe nannte der Verband hohe Hypothekenzinsen, aufgeblähte Kosten und sich verschlechternde Arbeitsbedingungen.
Für Anleger bleibt der Bausektor ein Frühindikator für die US-Konjunktur
Für deutsche Privatanleger sind die US-Bauausgaben vor allem deshalb relevant, weil sie früh Aufschluss über die Richtung der größten Volkswirtschaft der Welt geben. Der Bausektor reagiert sensibel auf Zinsen, Materialkosten und die Stimmung von Haushalten und Unternehmen. Die Kombination aus einem Rückgang der Bauausgaben um 1,9 Prozent im September, einem Jahresminus von 2,7 Prozent und dem schwachen Stimmungsbild der Bauunternehmen deutet auf anhaltenden Gegenwind hin. Zugleich zeigt der Anstieg bei privaten Nichtwohngebäuden und Kraftwerken, dass die Schwäche nicht alle Segmente gleichermaßen trifft. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Quelltext nennt keine neuen Prognosen für die kommenden Monate
Konkrete Termine für die nächste Veröffentlichung oder neue Prognosen für die Bauausgaben enthält der Quelltext nicht. Aus den Archivberichten von aktien.news geht lediglich hervor, dass Goldman Sachs nach den schwachen Wohnungsbaubeginnen im September an seiner BIP-Prognose festhielt. Der NAHB-Index für Oktober zeigt zudem, dass die Bauunternehmen selbst mit einer schwierigen Kalkulation neuer Projekte rechnen. Weitere belastbare Erwartungen lassen sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten.
Diese Fachbegriffe helfen bei der Einordnung der Bauzahlen
- Bauausgaben: Messgröße für die gesamten Investitionen in Bauprojekte eines Landes, unterteilt nach privaten und öffentlichen Auftraggebern.
- Basispunkt: kleinste gängige Maßeinheit, in der Zinsänderungen an den Finanzmärkten angegeben werden.
- Jahresvergleich: Gegenüberstellung eines Wertes mit dem Wert desselben Zeitraums des Vorjahres.
- Saisonbereinigung: statistisches Verfahren, das regelmäßig wiederkehrende jahreszeitliche Schwankungen aus Datenreihen herausrechnet.
