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Zwei Telefone, ein VPN: Russen umgehen Putins digitalen Vorhang

Seit Moskau die Internetkontrolle verschärft hat, greifen russische Nutzer zu immer aufwendigeren technischen Tricks.

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Zwei Telefone, ein VPN: Russen umgehen Putins digitalen Vorhang

Zwei Telefone, ein ständig wechselndes VPN und der tägliche Kampf mit staatlich kontrollierten Apps – das ist der digitale Alltag vieler Russen im Jahr 2025. Seit der Kreml die Kontrolle über das Internet weiter verschärft hat, greifen Millionen Bürger zu immer komplizierteren technischen Lösungen, um staatliche Überwachung und Einschränkungen zu umgehen. Betroffen sind beliebte ausländische Dienste wie WhatsApp von Meta Platforms und der Messenger Telegram.

Die 41-jährige Innenarchitektin Irina beschreibt ihren Alltag exemplarisch: Sie schaltet ihr VPN ein, um auf gesperrte Inhalte zuzugreifen – und muss es wieder ausschalten, wenn sie ein Ticket auf der Website der Russischen Eisenbahnen kaufen will. Denn die Bahn sperrt Nutzer, die Tools zur Verschleierung ihres Standorts verwenden. Für staatlich kontrollierte Apps greift sie zu einem zweiten Telefon. „Natürlich ist das alles extrem mühsam, aber was sollen wir sonst tun?", sagte sie gegenüber Reuters – und bat darum, nur mit ihrem Vornamen genannt zu werden.

„Man gewöhnt sich daran und verbringt seine Tage damit, VPNs ein- und auszuschalten, zwischen verschiedenen Messengern zu wechseln und zwischen verschiedenen virtuellen Ländern oder Telefonen hin- und herzuspringen, um die benötigten Apps und Websites zu nutzen", beschreibt Irina ihren digitalen Alltag. VPNs – sogenannte Virtual Private Networks – funktionieren, indem sie die Internetverbindung eines Nutzers über private Server in anderen Ländern leiten und so den tatsächlichen Standort verschleiern.

Störungen im Bankensektor und Unmut vor den Wahlen

Das Vorgehen der russischen Behörden gilt als das umfangreichste unter Präsident Wladimir Putin und hat weitreichende Folgen gehabt. Zeitweise wurden der Bankensektor, der Transport und der E-Commerce gestört. Besonders brisant: Die Einschränkungen sorgten im Vorfeld der Parlamentswahlen im September für erheblichen Unmut in der Bevölkerung. Selbst kremlfreundliche Oppositionsparteien, prominente Blogger, Wirtschaftsführer und normalerweise politisch zurückhaltende Social-Media-Influencer kritisierten die Maßnahmen öffentlich.

Die Frustration über die digitalen Beschränkungen wird weithin als ein Faktor gesehen, der – neben steigenden Preisen, Steuererhöhungen und Kriegsmüdigkeit – zu sinkenden Zustimmungswerten für Putin beigetragen hat. Laut dem staatlichen Meinungsforschungsinstitut WZIOM fielen diese von 75,1 Prozent im Februar auf 65,6 Prozent im April – den niedrigsten Stand seit Beginn des umfassenden Konflikts in der Ukraine im Jahr 2022. Aktuell liegen die Werte bei knapp 67 Prozent.

Staatliche App MAX im Misstrauen der Nutzer

Die russischen Behörden drängen die Bevölkerung dazu, im Sinne der sogenannten „digitalen Souveränität" auf staatlich geförderte Alternativen zu ausländischen Apps und Websites umzusteigen. Eine dieser Alternativen ist die App MAX, die vom russischen Technologieriesen VK betrieben wird. Doch viele Nutzer begegnen der App mit Skepsis.

Kreml-Kritiker und einige westliche Technologieunternehmen haben gewarnt, dass MAX zur Überwachung genutzt werden könnte. VK bestreitet diese Vorwürfe. Irina etwa isoliert die App bewusst auf einem zweiten Telefon – das fühle sich sicherer an, sagt sie. Ob diese Vorsichtsmaßnahme tatsächlich schützt, bleibt offen. Der digitale Alltag in Russland ist jedenfalls längst zu einem täglichen Balanceakt zwischen Konnektivität und Kontrolle geworden.

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