Wolfram: Westliche Preise fast viermal so hoch wie in China
Ein neuer Bericht von MetalMiner zeigt, wie Exportbeschränkungen und US-Politik den Wolframmarkt in zwei getrennte Preiswelten spalten.

Die westlichen Wolframpreise sind auf fast das Vierfache der chinesischen Preise gestiegen. Im Oktober 2026 notierte Ammoniumparawolframat (APT) aus dem Lager in Rotterdam bei 278,22 Dollar pro Kilogramm, während APT ab Werk China bei 74,43 Dollar pro Kilogramm lag. Das entspricht einem Verhältnis von 3,74-fach. Grund für die wachsende Lücke sind Exportbeschränkungen und US-Lieferkettenpolitiken, die den Markt für das kritische Mineral fragmentieren, wie aus einem neuen Bericht von MetalMiner hervorgeht.
Der bisherige Durchschnitt zwischen September 2021 und Juni 2025 hatte bei 1,24-fach gelegen. Die Differenz von 203,79 Dollar pro Kilogramm pro Kilogramm markiert damit eine Zäsur für einen Rohstoff, dessen Preisbildung lange von einem vergleichsweise engen Verhältnis zwischen dem chinesischen und dem europäischen Markt geprägt war. Der Multiplikator brach nach den Daten des Berichts erst im April 2026 aus.
Die wachsende Lücke spiegelt nach Angaben des Berichts einen Markt wider, der zunehmend durch regulatorische Compliance, geografische Verfügbarkeit und Verarbeitungskapazität getrennt ist – und nicht durch einen einheitlichen globalen Mangel. MetalMiner gab an, strukturelle Erkenntnisse zur Risikobewertung genutzt und Marktpreise zur Überwachung der Dynamik herangezogen zu haben. Die Studie verwendete Daten bis Oktober 2026, wobei US-Daten bis August verfügbar waren.
Die Preisschere zwischen Rotterdam und China bricht erst im April 2026 aus
Im Oktober 2026 lag APT aus dem Lager in Rotterdam mit 278,22 Dollar pro Kilogramm um 203,79 Dollar pro Kilogramm über APT ab Werk China mit 74,43 Dollar pro Kilogramm. Daraus ergibt sich ein 3,74-faches Verhältnis von Rotterdam zu China. Dieser Multiplikator hatte von September 2021 bis Juni 2025 im Durchschnitt 1,24-fach betragen und brach erst im April 2026 aus.
Die im Februar 2025 verabschiedete chinesische Exportlizenzregelung beschränkte die Wolframexporte aus China und stärkte die Preisposition des Landes. Auf diesen Schritt folgte eine Marktspaltung: APT in Rotterdam stieg von einem Durchschnittswert von 34,60 Dollar pro Kilogramm im Februar 2025 auf einen Durchschnitt von 290,06 Dollar pro Kilogramm im September 2026. APT ab Werk China legte auf derselben Basis von 28,92 Dollar pro Kilogramm auf 86,02 Dollar pro Kilogramm zu.
Zwischen März und September 2026 fiel APT ab Werk China unter Verwendung monatlicher Durchschnitte um 58 Prozent, während APT in Rotterdam um 39 Prozent stieg. Der Bericht betont, dass dies zeigt, wie sich die Märkte für APT chinesischer Herkunft und in Europa angeliefertes APT nicht als integrierter Markt verhalten, sondern als Produkt von Restriktionen und Wettbewerb um Wolfram.
Die USA erhöhten die Wolframzölle im Dezember 2025 auf 16,2 Prozent
Auch die USA haben nachgesteuert. Die US-Zölle auf Wolfram stiegen von etwa 4 Prozent in den Jahren 2015 bis 2024 auf 16,2 Prozent im Dezember 2025, um die Inlandsversorgung zu begünstigen. Zusätzlich zielte die US-Bestimmung zur Zuordnung von Schrottmaterialien, die Ende August 2026 in Kraft trat, darauf ab, Wolframschrott unter HTS-Klassifizierung im Land für die Inlands- und Verteidigungsnutzung zu halten.
Obwohl US-Zölle einen gewissen Einfluss auf den westlichen Aufschlag hatten, war dieser nach Angaben des Berichts nicht außergewöhnlich hoch. Nach 14 Zollereignissen weitete sich der Aufschlag über 12 Monate um etwa 11 Prozent aus, gegenüber etwa 7 Prozent an regulären Tagen. Die Zollpolitik erklärt die Preisspaltung damit nur zum Teil; der Bericht führt die Differenz vor allem auf die unterschiedlichen Produktrestriktionen und die Verfügbarkeit qualifizierten Materials zurück.
Der westliche Markt hängt an der Umwandlungskapazität statt an der Schrottmenge
Der westliche Wolframmarkt hat nach Aussage von Quellen gegenüber MetalMiner ein Problem mit der Umwandlungskapazität und nicht mit der verfügbaren Schrottversorgung. Das bedeutet, dass sich Schrott ansammeln kann, es sei denn, die Umwandlungskapazität wächst in den USA. Genau das könnte dazu führen, dass sich die westlichen Wolframpreise denen in China wieder annähern.
Der Bericht beschreibt zudem, wie sich eine Störung der Wolframverfügbarkeit typischerweise zeigt. Zunächst erscheint sie als regionaler Aufschlag, als verbreiterte Spread-Differenz bei Produktformen oder als strafferes Sekundärmarktniveau. Später wird sie als verzögerte Produktion, eingeschränkte Werkzeugverfügbarkeit oder gemeldete Engpässe in der Verteidigungslieferkette sichtbar.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Sicherung von Wolframversorgungen zunehmend vom Zugang zu qualifizierter Verarbeitungskapazität und konformen Materialien abhängt, statt einfach nur ausreichend Mengen des Metalls zu beschaffen. Der Bericht stellt fest, dass die Frage nicht mehr lautet, wie viel Wolfram kostet. Stattdessen geht es darum, welcher Preis und welche Verfügbarkeit für nachvollziehbares und qualifiziertes Wolfram in der jeweiligen Form und Geografie bestehen – ein Ergebnis der unterschiedlichen von China und den USA verhängten Produktsrestriktionen.
Vier frühere aktien.news-Berichte zeichneten den Preisanstieg des Wolframs nach
Bereits am 07.04.2026 berichtete aktien.news, dass der Preis für Wolfram derzeit nur eine Richtung kenne: nach oben. Ende März erreichte APT am Rotterdamer Markt ein Rekordhoch von 3.150 Dollar je metrischer Tonnen-Einheit, was einem Anstieg von rund 50 Prozent seit Beginn des Iran-Kriegs entsprach. Damals beschrieb aktien.news Wolfram als unverzichtbaren Werkstoff für Schlüsselbranchen – von der Rüstungsindustrie über den Maschinenbau bis hin zur Hightech-Elektronik.
Am 05.08.2026 meldete aktien.news, dass das US-Handelsministerium ein Exportverbot für Lithium-Ionen-Batterie- und Wolframabfälle erlassen hat. Ab Ende jenes Monats mussten diese Materialien zwingend im Inland verkauft werden; das Verbot gilt zunächst für ein Jahr. Ziel der Maßnahme war es, die Abhängigkeit der USA von China zu verringern und kritische Rohstoffe für die heimische Verteidigungsindustrie zu sichern.
Am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Wolframpreise zwischen Januar 2025 und April 2026 um das Sechsfache gestiegen sind – der größte Anstieg unter allen kritischen Mineralien, die die Internationale Energieagentur in diesem Jahr bewertet hat. Rund 60 Prozent des Wolframs fließen demnach in Hartmetall. China förderte im Jahr 2025 rund 79 Prozent des weltweiten Angebots und verlangt seit Februar 2025 Exportlizenzen.
Am 19.10.2026 berichtete aktien.news, dass die CME Group den Handel mit Wolfram-Futures aufnehmen will. Die Kontrakte sollen Anfang 2027 den Handel aufnehmen – vorbehaltlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Damit rückt ein Rohstoff in den Fokus der Terminmärkte, der bislang vor allem über den Spotmarkt gehandelt wurde. Die jährliche globale Produktion liegt nach Angaben der CME bei 85.000 bis 95.000 metrischen Tonnen.
Die Preisspaltung verlagert den Wettbewerb auf Verarbeitungskapazität und Compliance
Für Anleger in Deutschland ist die Preisspaltung vor allem ein Signal für die Verschiebung von Lieferketten. Die Ergebnisse des Berichts deuten darauf hin, dass die Sicherung von Wolframversorgungen zunehmend vom Zugang zu qualifizierter Verarbeitungskapazität und konformen Materialien abhängt – statt einfach nur ausreichend Mengen des Metalls zu beschaffen. Wer die Entwicklung des Rohstoffs verfolgen will, muss deshalb neben dem Spotpreis auch die Herkunft des Materials und die geltenden Handelsregeln im Blick behalten.
Der Bericht stellt fest, dass die USA transparente und marktbasierte Beweise benötigen, um ihre Lieferkette für kritische Mineralien, einschließlich Wolfram, aufzubauen. Für den europäischen Markt bedeutet die Fragmentierung, dass der in Rotterdam notierte Preis nicht mehr als einfacher Referenzwert für global verfügbares Material taugt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Am 1. Januar 2027 tritt die DFARS-Ergänzung zu Beschaffungseinschränkungen in Kraft
Der nächste große Schritt, der den Wolframmarkt erneut umgestalten wird, steht für den 1. Januar 2027 an. Dann wird die Ergänzung zum Defense Federal Acquisition Regulation Supplement (DFARS) bezüglich der Beschaffungseinschränkungen wirksam. Die Maßnahme zielt darauf ab, die Herkunft von in den USA verwendetem Wolfram zu beschränken und dabei die Nachverfolgbarkeit sowie die innere Sicherheit der USA zu gewährleisten. Die Einschränkungen wurden vom US-Verteidigungsministerium festgelegt, um zu begrenzen, wie und von wem Verteidigungsauftragnehmer Materialien, Güter und Dienstleistungen beziehen können.
Der Bericht von MetalMiner rät dazu, wichtige Meilensteine für Wolfram im Auge zu behalten. Dazu zählen die bald erscheinenden US-Wolframdaten für September 2026, die Umsetzung der Restriktionen im Jahr 2027 und die Frage, wie sich die Marktstimmung im Laufe all dessen verändert.
Drei Fachbegriffe beschreiben die Preisbildung am Wolframmarkt
- APT: Ammoniumparawolframat ist das zentrale Zwischenprodukt bei der Wolframherstellung, das unter anderem am Markt in Rotterdam gehandelt wird.
- Wolframschrott: Schrott ist wiedergewinnbares Wolframmaterial, das nach US-Regeln für die Inlands- und Verteidigungsnutzung im Land gehalten werden soll.
- DFARS: Das Defense Federal Acquisition Regulation Supplement regelt, wie und von wem Verteidigungsauftragnehmer Materialien, Güter und Dienstleistungen beziehen können.
