US-Kupferimporte sinken im September um 3,1 Prozent, bleiben aber hoch
Die Einfuhren von raffiniertem Kupfer gingen gegenüber August zurück, lagen aber fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.

Die USA haben im September 194.284 metrische Tonnen raffiniertes Kupfer und Kupferlegierungen eingeführt. Das sind 3,1 Prozent weniger als im August, wie amtliche Daten am Mittwoch zeigten. Gegenüber dem September 2025 mit 102.279 Tonnen liegt die Importmenge damit aber immer noch knapp doppelt so hoch.
Der Metallstrom in die Vereinigten Staaten hält also an. Hintergrund ist, dass sich Händler auf mögliche Zölle vorbereiten und Material vorsorglich in US-Lager bringen. Der Rückgang im September fällt dabei moderat aus und ändert nichts am grundsätzlichen Aufwärtstrend der Einfuhren.
Der Rückgang im September folgt auf den Rekordwert des Juli
Im August 2026 hatten die USA 200.519 Tonnen raffiniertes Kupfer und Kupferlegierungen importiert, im Juli 225.094 Tonnen – der höchste Monatswert überhaupt. Der September liegt mit 194.284 Tonnen unter beiden Werten, aber weiter deutlich über dem Niveau des Vorjahresmonats.
In den ersten neun Monaten des Jahres summierten sich die US-Importe auf 1,52 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent im Jahresvergleich. Im Jahr 2025 hatten die USA mit 1,64 Millionen Tonnen Kupfer bereits einen Rekordwert erreicht.
Die drei größten Kupferlieferanten für die USA waren im September Chile, die Demokratische Republik Kongo und Südkorea. Die Reihenfolge zeigt, dass sich die Vereinigten Staaten bei der Versorgung nicht auf einen einzelnen Produzenten stützen.
Die Trump-Administration hat einen Zoll von 15 Prozent ab 2027 vorgeschlagen
Ein zentraler Grund für die anhaltend hohen Einfuhren ist die Zollpolitik. Die Trump-Administration hat einen Zoll von 15 Prozent auf Raffineriekupferimporte ab 2027 vorgeschlagen. Ob die Abgabe tatsächlich erhoben wird, hat sie bislang nicht bestätigt.
Händler hoffen nun auf Klarheit bezüglich der Zölle, nachdem die Midterm-Wahlen in den USA abgeschlossen sind. Bis dahin bleibt die Unsicherheit bestehen – und sie schlägt sich in den Lagerbeständen nieder.
Die Kupfervorräte an der COMEX-Börse haben mit 731.428 Tonnen einen Rekordwert erreicht. Auch die Lagerbestände in den Londoner Metal Exchange-Lagern in den USA verzeichnen ihren höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Damit konzentriert sich ein wachsender Teil des sichtbaren Kupfers in den Vereinigten Staaten, während Marktteilnehmer außerhalb der USA die Versorgungslage schwerer einschätzen können.
Bereits am 02.10.2026 berichtete aktien.news über einen Kupfermarkt im Schwebezustand
Bereits am 02.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich Kupfer in amerikanischen Lagern anhäuft und dort noch eine ganze Weile verbleiben könnte. Diese Entwicklung habe beunruhigende Auswirkungen auf Käufer an anderen Standorten, die auf das Industriemetall angewiesen sind. Der Kupfermarkt befinde sich seit Juli des vergangenen Jahres in einer Art Schwebezustand, weil die politischen Rahmenbedingungen in den USA unklar bleiben.
Auslöser war nach damaligem Bericht eine Entscheidung von Präsident Donald Trump. Er verhängte Zölle auf Kabel und andere Kupferprodukte, nahm davon jedoch das von Herstellern verwendete raffinierte Metall aus. Diese Ausnahme sorgte zunächst für Entlastung bei den Verarbeitern. Zugleich ordnete Trump eine Prüfung an.
Am 22.09.2026 meldete aktien.news steigende Kupferpreise bei sich erschöpfenden US-Lagerkapazitäten. Comex-Kupfer mit Lieferung im Dezember stieg damals um bis zu 3,3 Prozent auf 6,8410 US-Dollar pro Pfund in New York – den höchsten Stand seit dem 10. September. Mittags notierte das Metall bei 6,7770 US-Dollar (rund 14.940 US-Dollar pro Tonne), ein Tagesgewinn von 1,3 Prozent. Auch der Referenzpreis für dreimonatiges Kupfer an der London Metal Exchange berührte 14.710,50 US-Dollar pro Tonne, bevor er sich auf rund 14.650 US-Dollar einpendelte. Kupfer verzeichnete am Freitag bereits den elften wöchentlichen Anstieg in zwölf Wochen.
Am 29.10.2026 berichtete aktien.news über eine Studie des Beratungsunternehmens GEM Mining Consulting. Ihr Ergebnis: Eine wachsende Konzentration der Kupfervorräte in US-Lagern maskiert die Verknappung an anderen Orten und schafft einen fragmentierten globalen Markt, in dem ein Überangebot mit Engpässen und hohen Preisen koexistieren kann. Die Analyse zeigt, dass die offiziell gemeldeten Lagerbestände immer weniger geeignet sind, die tatsächliche Verfügbarkeit des Industriemetalls abzubilden. Fast 70 Prozent der weltweit sichtbaren Börsenkupfervorräte werden derzeit in den USA gehalten – ein dramatischer Wandel im Vergleich zu historischen Mustern. Die globalen Bestände erreichten im Oktober 1,04 Millionen Tonnen.
Bereits am 14.02.2026 meldete aktien.news, dass die weltweiten Kupferbestände an den drei größten Metallbörsen erstmals seit Anfang 2003 die Marke von 1,1 Millionen Tonnen überschritten hatten. Dieser ungewöhnliche Anstieg der Lagerbestände stand im deutlichen Kontrast zur damaligen Preisrallye bei dem Industriemetall. Seit Anfang Januar waren die globalen Börsenbestände um 300.000 Tonnen gestiegen. Die Zuflüsse beschleunigten sich damals nicht nur in den USA, sondern zunehmend auch an der London Metal Exchange und der Shanghai Futures Exchange.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung vor allem als Konjunktursignal relevant
Kupfer gilt als Industriemetall, dessen Nachfrage eng mit der weltweiten Wirtschaftsaktivität verknüpft ist. Deutsche Privatanleger begegnen dem Thema über Kupferminen-Aktien, breit aufgestellte Rohstoff- oder Bergbau-ETFs sowie über Industrieunternehmen, die Kupfer verarbeiten. Die aktuellen Daten zeigen, dass sich die Nachfrageseite in den USA unabhängig von der Preisentwicklung robust entwickelt hat.
Gleichzeitig verschiebt sich die geografische Verteilung der Vorräte deutlich. Wenn fast 70 Prozent der weltweit sichtbaren Börsenbestände in den USA liegen, sagt das wenig über die tatsächliche Verfügbarkeit an anderen Standorten aus. Die Lagerzahlen sollten daher nicht mit dem globalen Angebot gleichgesetzt werden. Wer den Kupfermarkt beobachtet, muss neben den US-Beständen auch die Entwicklung an der London Metal Exchange im Blick behalten.
Die Klarheit über die Zollpläne soll nach den Midterm-Wahlen kommen
Der wichtigste offene Punkt bleibt die Zollentscheidung. Die Trump-Administration hat einen Zoll von 15 Prozent auf Raffineriekupferimporte ab 2027 vorgeschlagen, aber noch nicht bestätigt, ob sie mit der Erhebung dieser Abgabe fortfahren wird. Händler hoffen auf Klarheit, nachdem die Midterm-Wahlen in den USA abgeschlossen sind.
Bis zu einer Entscheidung dürfte der Metallstrom in die USA anhalten. Die COMEX-Vorräte liegen mit 731.428 Tonnen auf einem Rekordwert, die LME-Lager in den USA auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Damit bleibt die Zollfrage der bestimmende Faktor für die weitere Entwicklung der Einfuhren.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Kupfermarkts
- COMEX: Rohstoffbörse in New York, an der unter anderem Kupferkontrakte gehandelt werden.
- Raffiniertes Kupfer: Kupfer, das durch Raffination von Verunreinigungen befreit und von Herstellern weiterverarbeitet wird.
- London Metal Exchange: Metallbörse in London, an der Industriemetalle wie Kupfer gehandelt werden.
