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Sanierung der ICE-Strecke Berlin-Hannover trifft Pendler mit voller Härte

Auf der Strecke Berlin-Lehrte sind 62 Prozent der Züge unpünktlich. Eine Pendlerin berichtet von sieben Stunden Fahrt pro Tag.

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Sanierung der ICE-Strecke Berlin-Hannover trifft Pendler mit voller Härte

Die Generalsanierung der Strecke Berlin-Lehrte über Hannover und Wolfsburg verändert den Alltag tausender Fahrgäste. Betroffen sind Reisende in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Was als Bauprojekt für eine leistungsfähigere Verbindung gedacht ist, bedeutet für viele Pendler derzeit vor allem eines: deutlich längere Fahrzeiten und ein hohes Risiko, den Anschluss zu verpassen.

Am deutlichsten zeigt sich das auf der Relation Berlin-Wolfsburg. Betrug die Fahrzeit früher eine Stunde, sind es inzwischen 3,5 Stunden pro Richtung. Hin und zurück summiert sich das auf sieben Stunden. Für Berufstätige, die regelmäßig zwischen der Hauptstadt und dem Volkswagen-Standort pendeln, ist der Arbeitstag damit faktisch kaum noch planbar.

Genau diese Erfahrung schildert Pendlerin Saskia Hieb. Sie legt die Strecke nicht mehr am Morgen zurück, sondern reist bereits am Vorabend nach Wolfsburg. "Ich nehme den letzten Zug. Das ist ungefähr um viertel vor neun Uhr abends", sagt sie. Der Spielraum für Zwischenfälle ist damit gleich null: "Dann muss auch wirklich alles klappen ohne Verspätung oder Ausfall. Sonst strande ich nämlich."

Auf der Ausweichstrecke über Braunschweig stauen sich die Züge

Weil die Hauptstrecke gesperrt ist, rollt ein Großteil des Verkehrs über die Ausweichroute via Braunschweig. Diese gilt laut Quelle als stark belastet. Wie stark die Verspätungen ausfallen, hat die Auswertung von Railwise gezeigt, die der rbb diese Woche exklusiv veröffentlichte. Untersucht wurden 1.611 ICE-Fahrten und 119 Flixtrain-Fahrten im Zeitraum vom 2. bis 23. Oktober.

Das Ergebnis fällt eindeutig aus: In Richtung Hannover waren 48 Prozent der Züge unpünktlich. In Richtung Berlin lag die Quote sogar bei 75 Prozent. Über beide Richtungen hinweg kamen 62 Prozent aller Züge verspätet an. Als unpünktlich gilt dabei jede Ankunft, die mehr als sechs Minuten nach der Planzeit liegt. Zum Vergleich: Die Pünktlichkeitsquote im gesamten Fernverkehr der Deutschen Bahn betrug im vergangenen Monat 56,2 Prozent.

Bemerkenswert ist auch die Kommunikation des Betreibers. Die Deutsche Bahn ließ eine Anfrage des rbb zu den Gründen für die Verspätungen bislang unbeantwortet. Für Fahrgäste bedeutet das, dass sie sich kaum auf verlässliche Vorabinformationen verlassen können.

Der Regionalverkehr bekommt die Folgen ebenfalls zu spüren

Die Auswirkungen bleiben nicht auf den Fernverkehr beschränkt. Sie reichen bis in den Regionalverkehr und treffen die gesamte Region. Ein Beispiel ist die Verbindung Berlin-Rathenow mit der Linie RE4, die normalerweise 40 Minuten dauert. Wer auf die Ausweichroute über Nauen ausweicht, muss rund 40 Minuten zusätzlich einplanen.

Besonders kritisch sind die Stoßzeiten. Am frühen Morgen in Richtung Berlin und am Abend in Richtung Nauen kommt es gehäuft zu Verspätungen. Zwischen 16 und 19 Uhr war mehr als jeder dritte Zug Richtung Nauen zu spät. Für Berufstätige bedeutet das: Der Feierabendverkehr ist genau dann am unzuverlässigsten, wenn möglichst viele Menschen pünktlich nach Hause wollen.

Homeoffice erscheint vor diesem Hintergrund als naheliegende Lösung. Saskia Hieb nutzt es nach eigener Aussage, sieht darin aber nur eine Notlösung. Sie geht davon aus, dass Fernarbeit künftig wieder seltener möglich sein wird. Wer auf Präsenztermine angewiesen ist, hat damit kaum eine Alternative zum riskanten Pendeln.

Für die Fahrgäste bleibt nur die Hoffnung auf Januar

Hieb setzt auf eine baldige Verbesserung der Lage. "Die Hoffnung ist, dass sich die Lage ab Januar etwas entspannt", sagt sie. Bis dahin bleibt die Informationslage schwierig, denn die Angaben wechseln nach ihrer Schilderung wöchentlich. Verlässliche Planung sieht anders aus.

Für Privatanleger und Bahnkunden ist die Entwicklung vor allem ein Hinweis darauf, wie stark Infrastrukturmaßnahmen einzelne Regionen und Unternehmen treffen können. Wer auf die Schiene angewiesen ist, sollte in dieser Phase größere Zeitpuffer einplanen, alternative Verbindungen prüfen und die aktuellen Fahrplaninformationen kurzfristig kontrollieren. Die Bauarbeiten mögen langfristig Kapazitäten schaffen, kurzfristig kosten sie Fahrgäste Zeit, Nerven und Planungssicherheit.

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