Canva entlässt 22 Prozent der Belegschaft mit ungewöhnlichem Abfindungspaket
Canva entlässt 22 Prozent seiner Belegschaft – und lässt die Betroffenen MacBooks, sechs Monatsgehälter und die Krankenversicherung behalten.

Canva hat am Dienstag angekündigt, 22 Prozent seiner Belegschaft zu entlassen. Mit dem Stellenabbau verbindet das Unternehmen ein Abfindungspaket, das in der Tech-Branche ungewöhnlich großzügig ausfällt. Betroffene Mitarbeiter dürfen ihre firmenseitig ausgestellten MacBooks behalten und erhalten ihr Gehalt für die nächsten sechs Monate weiter.
Zusätzlich umfasst das Paket ein LinkedIn-Premium-Abonnement sowie Krankenversicherungsleistungen für das kommende Jahr. Die Quelle beschreibt diese Leistungen ausdrücklich als ungewöhnlich für ehemalige Mitarbeiter. Damit kombiniert Canva Sachleistungen, laufende Zahlungen und Versicherungsschutz in einem einzigen Angebot.
Auf der Plattform X reagierten Nutzer umgehend auf die Ankündigung. Viele bezeichneten das Paket als großzügig und bewerteten es als „human". Einige äußerten sich mit Sätzen wie: „Wir brauchen mehr Gründer wie diesen."
Das Abfindungspaket kombiniert Hardware, Gehalt und Versicherungsschutz
Die einzelnen Bestandteile des Pakets lassen sich klar trennen. Die firmenseitig ausgestellten MacBooks gehen in das Eigentum der ausscheidenden Mitarbeiter über, statt zurückgefordert zu werden. Das Gehalt läuft für sechs Monate weiter, also über einen Zeitraum, in dem die Betroffenen eine neue Stelle suchen können.
Hinzu kommt ein LinkedIn-Premium-Abonnement, das die Betroffenen nach dem Ausscheiden weiter nutzen können. Die Krankenversicherungsleistungen gelten für das kommende Jahr und reichen damit deutlich über den letzten Arbeitstag hinaus. Canva verbindet in dem Paket geldwerte Leistungen mit praktischer Unterstützung bei der Neuorientierung.
Die Quelle nennt keine Angaben dazu, in welchen Ländern oder Geschäftsbereichen die 22 Prozent der Belegschaft betroffen sind. Auch eine Begründung für den Stellenabbau wird in dem Bericht nicht genannt. Für deutsche Leser bleibt deshalb offen, ob Beschäftigte in Deutschland von dem Schritt betroffen sind.
Die zustimmenden Reaktionen auf X zeigen, dass das Paket in der öffentlichen Wahrnehmung auf breite Anerkennung stieß. Die Formulierung „Wir brauchen mehr Gründer wie diesen" macht deutlich, dass solche Leistungen im Tech-Sektor bislang nicht als Regelfall gelten. Canva setzt damit ein Signal, das über den eigentlichen Stellenabbau hinaus wirkt.
Microsoft und deutsche Autobauer bieten teils deutlich höhere Abfindungen
Bereits am 28.10.2026 berichtete aktien.news, dass Microsoft 60.000 Mitarbeitern eine freiwillige Abfindung anbietet. Das Angebot gilt allerdings nur in Kanada, Indien, dem Vereinigten Königreich und den USA; in Deutschland ist der Schritt bislang nicht Teil des Programms. Der Vorgang fällt in eine Phase, in der der IT-Arbeitsmarkt spürbar unter Druck steht.
Der am 28.10.2026 beschriebene Druck auf den IT-Arbeitsmarkt hat mehrere Ursachen. Genannt werden Sparprogramme, ein verändertes Investitionsverhalten und die Automatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI). Eine Studie von Jobware und Get in, die IT-Fachkräfte im Abstand von fünf Jahren befragt, zeichnet diesen Wandel nach.
Schon am 27.10.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass Microsoft rund 60.000 Mitarbeitern freiwillige Abfindungsangebote unterbreitet – mehr als einem Viertel der weltweiten Belegschaft. Mit dem Schritt will der Konzern seine Kosten in Grenzen halten und zugleich seine massiven Investitionen in künstliche Intelligenz finanzieren. Berechtigt sind laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle Mitarbeiter aus den Bereichen KI-Erfahrungen, Copilot, Finanzen, Personalwesen, Xbox sowie Windows + Devices.
Bereits am 24.04.2026 berichtete aktien.news über ein Vorruhestandsprogramm, das Microsoft einem Teil seiner Belegschaft angeboten hatte. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber MarketWatch den Versand eines entsprechenden Memos, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten zu dem Programm. In der Berichterstattung hieß es damals: „Einstellungen verlaufen sehr schleppend und die Fluktuation ist sehr gering." Beobachter rechneten damit, dass derartige Abfindungs- und Vorruhestandsangebote künftig häufiger werden könnten.
Am 26.10.2026 berichtete aktien.news zudem über Abfindungen bei deutschen Autobauern. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, zahlen Mercedes-Benz und BMW hohe Summen an langjährige Beschäftigte; entscheidend für die konkrete Höhe sind die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Höhe des letzten Gehalts. Für Mercedes-Benz nennt die Quelle bis zu 500.000 Euro, die in einer vergangenen Runde an langjährige Führungskräfte geflossen sind, bei BMW sind aktuell bis zu 650.000 Euro möglich.
Für Anleger steht der Kostendruck in der Tech-Branche im Vordergrund
Die Abfindungswelle ist für Investoren vor allem ein Signal zur Kostenentwicklung. Microsoft begründet sein Programm ausdrücklich damit, Kosten in Grenzen zu halten und zugleich massive Investitionen in künstliche Intelligenz zu finanzieren. Personalabbau und KI-Ausgaben stehen damit in einem direkten Zusammenhang.
Canva selbst nennt in dem Bericht keine Gründe für den Stellenabbau, und die Quelle liefert keine Angaben zu Umsatz, Gewinn oder einer Börsennotierung des Unternehmens. Eine Bewertung des Abfindungspakets als Belastung oder Entlastung für die Finanzen ist auf dieser Grundlage nicht möglich. Für deutsche Privatanleger bleibt die Nachricht daher vor allem ein Indiz für den Umgang von Tech-Unternehmen mit Personal und Kosten.
Die Archiveinträge zeigen zugleich, dass Abfindungen in sehr unterschiedlichen Größenordnungen gezahlt werden. Während Microsoft auf Freiwilligkeit setzt und das Angebot auf vier Länder begrenzt, nennen Mercedes-Benz und BMW Summen von bis zu 500.000 beziehungsweise 650.000 Euro. Canva wiederum kombiniert Sachleistungen mit sechs Monatsgehältern und Versicherungsschutz.
Ob weitere Tech-Unternehmen dem Canva-Modell folgen, ist offen
Der Bericht nennt keine weiteren Termine oder geplanten Schritte von Canva. Offen bleibt damit auch, ob das Unternehmen das Paket auf weitere Standorte oder Beschäftigtengruppen ausweitet. In den Archiveinträgen findet sich lediglich die Einschätzung von Beobachtern, dass Abfindungs- und Vorruhestandsangebote künftig häufiger werden könnten.
Für Microsoft ist belegt, dass das freiwillige Abfindungsprogramm in Deutschland bislang nicht Teil des Programms ist. Ob sich das ändert, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Damit bleibt für den deutschen Arbeitsmarkt vorerst offen, ob vergleichbare Programme hierzulande aufgelegt werden.
Drei Begriffe aus dem Bericht lassen sich allgemein einordnen
- Abfindung: eine Zahlung, die ein Unternehmen an Beschäftigte leistet, die das Unternehmen verlassen.
- Freiwilliges Abfindungsprogramm: ein Angebot, bei dem Beschäftigte selbst entscheiden, ob sie gegen eine Leistung ausscheiden.
- Krankenversicherungsleistungen: Leistungen, die ein Arbeitgeber für die Gesundheitsversorgung von Beschäftigten übernimmt.
