Fed-Präsidentin Daly: Weitere Zinserhöhungen wohl nötig, um Inflation zu dämpfen
Die Chefin der Fed-Bank von San Francisco sieht die US-Notenbank weiter auf Straffungskurs, will aber angesichts der Unsicherheiten schrittweise vorgehen.

Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank von San Francisco, rechnet weiterhin mit steigenden US-Zinsen. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC erklärte sie am Freitag, die US-Notenbank werde die Geldpolitik voraussichtlich weiter anziehen müssen, um die anhaltend hohe Inflation zu senken. „Ich gehe davon aus, dass wir die Geldpolitik weiter anziehen müssen“, sagte Daly. Den genauen Zeitpunkt und das Ausmaß weiterer Schritte ließ sie ausdrücklich offen.
Für die Federal Reserve bedeutet das keinen festgelegten Zinspfad, sondern eine Vorgehensweise, die sich an neuen Daten orientiert. Daly verwies auf anhaltende Volatilität in verschiedenen Bereichen und machte deutlich, dass sie in dieser Lage nicht überstürzt handeln will. „Diese Volatilitäten sind etwas, das man berücksichtigen muss, weitere Informationen sammeln und bewusst sowie eher schrittweise vorgehen sollte, wenn man nicht genau weiß, wohin die Reise gehen muss“, sagte sie im Interview.
Inhaltlich machte die Notenbankerin klar, wo aus ihrer Sicht der Schwerpunkt liegt: Die Inflation sei zu lange auf hohem Niveau geblieben und müsse die oberste Priorität der Zentralbank sein. Gleichzeitig sieht sie sich in dieser Haltung durch den Arbeitsmarkt gestützt. Ein starker Arbeitsmarkt gebe der Fed den Spielraum, sich auf die Bekämpfung der Inflation zu konzentrieren, so Daly.
Der starke Arbeitsmarkt stützt den Fokus auf die Inflation
Den jüngsten Beschäftigungsbericht bezeichnete Daly als gute Nachricht. Zugleich schränkte sie ein, dass das Lohnwachstum nicht boomt und die Reallöhne sinken. Aus ihrer Sicht fehlt es derzeit noch an Zuversicht in Bezug auf die Inflation – sie wünschte sich an dieser Stelle mehr Klarheit über den weiteren Verlauf der Teuerungsrate.
Der Arbeitsmarkt spielt für die Fed deshalb eine doppelte Rolle: Er liefert die Begründung, warum die Notenbank sich auf die Preisentwicklung konzentrieren kann, und er bleibt zugleich ein Risikofaktor, weil sich die Lage schnell verändern kann. Daly vermied es, daraus einen automatischen Handlungsauftrag für die nächste Sitzung abzuleiten.
Die Zinserhöhung im September war aus Dalys Sicht richtig
Rückblickend bewertete Daly die Zinserhöhung im September als den richtigen Schritt. Auch die Entscheidung, die Zinsen beim darauffolgenden Treffen unverändert zu lassen, bezeichnete sie als angemessen. Damit verteidigte sie beide Entscheidungen, obwohl sie in unterschiedliche Richtungen weisen. Entscheidend ist für sie offenbar nicht ein einheitliches Muster, sondern die jeweils aktuelle Datenlage.
Zugleich erklärte sie sich bereit, die Zinsen weiter anzuziehen, falls die wirtschaftlichen Bedingungen dies erfordern. Die Tür für zusätzliche Straffung bleibt damit ausdrücklich offen, ohne dass sie sich auf einen festen Zeitplan festlegen wollte.
Die Neubewertung der KI-Investitionen verläuft schmerzhaft, aber geordnet
Auch zu den Technologieaktien äußerte sich Daly. Die Neubewertung von Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz beschrieb sie als bisher „schmerzhaft“, zugleich aber als geordnet. Sollte diese Neubewertung auf eine langsamere Nachfrage hindeuten, könnte das Wachstum aus ihrer Sicht leicht zurückgehen. Sorgen über einen erheblichen Rückgang des Wachstums machte sie jedoch nicht geltend.
Unternehmen blicken vorsichtig optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung
Nach Dalys Beobachtung wünschen sich Unternehmen einen Rückgang der Inflation und schauen vorsichtig optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung. Zur aktuellen Marktkorrektur sagte sie, wenn man die Volatilität beiseite lasse, stelle diese die Art von Neugewichtung dar, die man sich erhoffe. Sie beschreibt die Bewegung an den Märkten damit nicht als Störung, sondern als Anpassung.
Bereits am 02.07.2026 erwartete Daly einen allmählichen Rückgang der Inflation
Der aktuelle Auftritt steht in einer längeren Linie ähnlicher Aussagen. Bereits am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass Daly sich vorsichtig optimistisch zur Inflationsentwicklung in den USA geäußert hatte. Damals sagte sie auf einer Veranstaltung der spanischen Zentralbank im spanischen Santander: „Unsere Geldpolitik befindet sich weiterhin in einer leicht restriktiven Position, daher sollte die Inflation sinken.“ Zugleich warnte sie vor erheblichen Unsicherheiten im wirtschaftlichen Ausblick.
Auch zur Rolle der Künstlichen Intelligenz hatte sich Daly schon früher geäußert. Am 05.06.2026 berichtete aktien.news über ihre Aussagen auf einer Bloomberg-Tech-Veranstaltung in San Francisco. Dort erklärte sie, dass KI weder inflationär noch deflationär auf die Preise wirke – jedenfalls nicht im geldpolitisch relevanten Zeithorizont. Über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren könne KI durchaus deflationär wirken; da die Geldpolitik der Fed aber auf rund zwölf Monate ausgerichtet sei, sei dieser langfristige Effekt aus ihrer Sicht „kein dringliches Thema“.
Ein weiterer früherer Bericht zeigt, wie stark Dalys Einschätzungen von der jeweiligen Datenlage abhängen. Am 07.03.2026 berichtete aktien.news, dass sie in einem CNBC-Interview den schwachen Arbeitsmarktbericht für Februar als zusätzliche Erschwernis für US-Zinsentscheidungen bezeichnete. Das US-Bureau of Labor Statistics hatte für Februar einen Rückgang der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft um 92.000 Stellen gemeldet, während Analysten einen Zuwachs von 50.000 Jobs erwartet hatten. Es war bereits der dritte Beschäftigungsrückgang.
Die US-Zinspolitik prägt die Finanzierungsbedingungen deutscher Anleger
Für Anleger in Deutschland sind die Signale aus San Francisco vor allem deshalb relevant, weil die US-Notenbank mit ihrer Zinspolitik die globalen Finanzierungsbedingungen prägt. Daly sendet derzeit eine doppelte Botschaft: Die Richtung bleibt auf Straffung gerichtet, das Tempo aber soll datenabhängig und schrittweise sein. Wer feste Erwartungen an den nächsten Zinsschritt knüpft, geht damit ein höheres Risiko ein als jemand, der die veröffentlichten Daten im Blick behält.
Bemerkenswert ist zudem, dass Daly die Unsicherheit nicht verschweigt, sondern offen benennt. Sie spricht von Volatilität, von fehlender Zuversicht bei der Inflation und von der Notwendigkeit, weitere Informationen zu sammeln. Das ist keine eindeutige Richtungsangabe, sondern eine Absage an vorschnelle Prognosen. Für Privatanleger bedeutet das, die eigenen Erwartungen an klaren Datenpunkten auszurichten statt an einzelnen Äußerungen.
Der Ausblick bleibt datenabhängig und ohne festen Zeitplan
Konkrete Termine für weitere Zinsschritte nennt Daly nicht. Sie bleibt bei der Zusage, die Zinsen anzuheben, falls die wirtschaftlichen Bedingungen dies erfordern, und will dabei bewusst und eher schrittweise vorgehen. Ein fester Fahrplan lässt sich daraus nicht ableiten. Beobachter der US-Geldpolitik werden daher weiter auf die jeweils neuen Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten schauen müssen.
Drei Fachbegriffe ordnen die Meldung ein
- Geldpolitik: Sie umfasst die Entscheidungen einer Zentralbank über Zinsen und Geldmenge, mit denen sie Preisentwicklung und Konjunktur beeinflusst.
- Reallöhne: Sie bezeichnen das Einkommen der Beschäftigten unter Berücksichtigung der Inflation und damit die tatsächliche Kaufkraft.
- Straffung: Der Begriff beschreibt eine Ausrichtung der Geldpolitik, die darauf zielt, die Nachfrage zu dämpfen und den Preisauftrieb zu bremsen.
