Berkshire Hathaway stockt Aktienrückkäufe trotz sinkender Gewinne deutlich auf
Berkshire Hathaway kauft im dritten Quartal 2026 eigene Aktien für 9,6 Milliarden US-Dollar zurück, während der operative Gewinn um 5,8 Prozent sinkt.

Berkshire Hathaway hat im dritten Quartal 2026 seine Aktienrückkäufe massiv ausgeweitet und rund 9,6 Milliarden US-Dollar in eigene Anteile investiert. Das geht aus den am Samstag veröffentlichten Unterlagen des Konglomerats hervor, das von Greg Abel geführt wird. Der Betrag markiert den höchsten Wert innerhalb eines Quartals in diesem Jahr. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal hatte Berkshire 4,5 Milliarden US-Dollar aufgewendet, im ersten Quartal lediglich 234 Millionen US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 summieren sich die Rückkäufe damit auf etwa 14,4 Milliarden US-Dollar.
Damit setzt das Unternehmen unter neuer Führung ein deutliches Signal an die Aktionäre. Die Rückkäufe stehen allerdings im Kontrast zur operativen Entwicklung: Der operative Gewinn – von Warren Buffett stets als präziserer Indikator für die operative Leistung angesehen, weil er unrealisierte Gewinne und Verluste aus dem Aktienportfolio ausklammert – sank im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte die Kennzahl noch 13,48 Milliarden US-Dollar betragen.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim Nettogewinn aus, der die Schwankungen des umfangreichen Aktienportfolios einbezieht. Er sank um 28 Prozent auf 22,11 Milliarden US-Dollar. Ursächlich dafür war vor allem ein Einbruch der Anlagegewinne um fast 50 Prozent auf 9,41 Milliarden US-Dollar. Zu den fünf größten Aktienpositionen von Berkshire zählen weiterhin Alphabet, American Express, Apple, Bank of America und Coca-Cola.
Die Versicherungssparte belastet das operative Ergebnis
Der Rückgang des operativen Ergebnisses ist primär auf die schwächelnde Versicherungssparte zurückzuführen. Das versicherungstechnische Ergebnis brach um 43 Prozent auf 1,35 Milliarden US-Dollar ein. Die Erträge aus Kapitalanlagen im Versicherungsbereich fielen um 14 Prozent auf 2,73 Milliarden US-Dollar. Beide Segmente gehören traditionell zu den wichtigsten Ertragsquellen des Konglomerats, weshalb ihre Entwicklung das Gesamtbild maßgeblich prägt.
Demgegenüber verzeichneten andere Geschäftsbereiche ein Gewinnwachstum. Dazu zählten die Bahngesellschaft BNSF Railway, Berkshire Hathaway Energy sowie ausgewählte industrielle Fertigungstöchter. Diese Mischung aus schwachen Versicherungserträgen und soliden Industrie- und Energiegeschäften veranschaulicht die breite Aufstellung des Unternehmens, das Beteiligungen in zahlreichen Branchen hält und damit einzelne Schwächephasen teilweise abfedern kann.
Der Liquiditätsbestand erreicht mit 377,4 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert
Trotz der umfangreichen Aktienrückkäufe wuchs der Liquiditätsbestand des Konglomerats weiter an. Die Barmittel, Äquivalente und kurzfristigen US-Staatsanleihen stiegen zum 30. September auf einen Rekordwert von 377,4 Milliarden US-Dollar. Ende Juni hatte der Wert noch 365,5 Milliarden US-Dollar betragen. Bereinigt um Barmittel aus dem Bahn- und Energiegeschäft sowie Verbindlichkeiten aus T-Bills beliefen sich die liquiden Mittel auf 352,3 Milliarden US-Dollar – ein leichter Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Der anhaltend hohe Cash-Bestand unterstreicht die Schwierigkeit, angesichts hoher Unternehmensbewertungen und gestiegener weltweiter Verschuldung attraktive, „elefanten-große“ Übernahmen zu tätigen. Berkshire sitzt damit weiterhin auf einer der größten Barmittelreserven der US-Unternehmensgeschichte, ohne bislang ein entsprechend großes Akquisitionsziel gefunden zu haben.
Die Berkshire-Aktie übertrifft den breiten Markt deutlich
Ungeachtet der operativen Schwäche zeigt sich die Berkshire-Aktie robust. Während der S&P 500 im vergangenen Monat um 5,5 Prozent nachgab, stiegen die Class-A-Aktien von Berkshire um mehr als 12 Prozent. Seit Jahresbeginn verzeichnet Berkshire ein Plus von 13 Prozent, verglichen mit 7,8 Prozent beim S&P 500. Analysten führen diese Entwicklung unter anderem auf eine Umschichtung von Investoren aus dem Technologiesektor in defensivere Werte zurück.
Für den Markt ist dieser relative Vorsprung bemerkenswert, weil er sich in einem Quartal einstellte, in dem die operative Kennziffer des Unternehmens rückläufig war. Die Aktie profitiert offenbar stärker von der defensiven Positionierung des Konglomerats als von der kurzfristigen Gewinnentwicklung.
Frühere Berichte zeigten ein starkes zweites Quartal 2026
Bereits am 08.08.2026 berichtete aktien.news, dass Berkshire Hathaway im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten übertroffen und gleichzeitig eine deutliche Aufstockung der Aktienrückkäufe sowie einen signifikanten Abbau seiner Barreserven angekündigt hatte. Das operative Ergebnis stieg damals auf 12,98 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während die Erlöse um 10 Prozent auf 101,8 Milliarden US-Dollar kletterten.
Am selben Tag meldete aktien.news, dass Berkshire im zweiten Quartal 2026 rund 4,5 Milliarden US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien aufgewendet hatte – die höchste vierteljährliche Ausschüttung an die Aktionäre seit dem Jahr 2021. Das in Omaha, Nebraska, ansässige Konglomerat unterstrich damit sein anhaltendes Vertrauen in den eigenen Unternehmenswert. Ein weiterer Bericht vom 08.08.2026 beschrieb, dass der neue CEO Greg Abel begonnen habe, den von Warren Buffett angehäuften Rekord-Cash-Berg aktiv zu investieren, nachdem Aktionäre dies seit geraumer Zeit gefordert hatten.
Schon am 02.05.2026 hatte aktien.news über das erste Quartal 2026 berichtet: Der operative Gewinn war um 18 Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar gestiegen, im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen 9,64 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das Nettoergebnis, das auch nicht realisierte Gewinne und Verluste aus Aktieninvestitionen einschließt, hatte sich von 4,6 Milliarden auf 10,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die aktuelle Entwicklung im dritten Quartal markiert damit eine Zäsur nach zwei zuvor starken Berichtsperioden.
Für deutsche Privatanleger sind zwei Kennzahlen besonders relevant
Wer die Berkshire-Aktie verfolgt, sollte den operativen Gewinn und den Liquiditätsbestand getrennt betrachten. Der operative Gewinn zeigt, wie das eigentliche Geschäft – Versicherung, Bahn, Energie und Industrie – läuft, und fiel zuletzt um 5,8 Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar. Der Liquiditätsbestand wiederum gibt Hinweise darauf, wie viel Spielraum für Zukäufe und Rückkäufe besteht, und lag zum 30. September bei einem Rekordwert von 377,4 Milliarden US-Dollar.
Auffällig ist die Spreizung innerhalb des Konzerns: Während das versicherungstechnische Ergebnis um 43 Prozent einbrach, legten BNSF Railway, Berkshire Hathaway Energy und einzelne industrielle Fertigungstöchter beim Gewinn zu. Der starke Kursverlauf – plus 13 Prozent seit Jahresbeginn gegenüber 7,8 Prozent beim S&P 500 – deutet darauf hin, dass der Markt die defensive Ausrichtung des Konglomerats derzeit honoriert. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Neue Termine für weitere Rückkäufe nennt das Unternehmen nicht
Die veröffentlichten Unterlagen enthalten keine konkreten Zeitpläne oder angekündigten Volumina für künftige Aktienrückkäufe. Ebenso wenig wird ein bestimmtes Akquisitionsziel genannt. Beschrieben wird lediglich die anhaltende Schwierigkeit, angesichts hoher Unternehmensbewertungen und gestiegener weltweiter Verschuldung attraktive, „elefanten-große“ Übernahmen zu finden.
Damit bleibt offen, ob Berkshire das hohe Tempo beim Rückkauf eigener Aktien beibehält oder ob der Rekord-Cash-Bestand weiter anwächst. Beobachter richten den Blick folglich auf die nächste Berichtsperiode, in der sich zeigen wird, ob sich die Versicherungssparte erholt und wie das Management den Einsatz der liquiden Mittel steuert.
Diese Fachbegriffe erleichtern die Einordnung der Quartalszahlen
- Aktienrückkauf: Ein Unternehmen erwirbt eigene Aktien am Markt zurück und reduziert damit die Zahl der ausstehenden Anteile.
- Operativer Gewinn: Kennzahl für das Ergebnis des laufenden Geschäfts ohne unrealisierte Gewinne und Verluste aus dem Aktienportfolio.
- T-Bills: Kurzfristige Schuldverschreibungen des US-Schatzamtes, die als besonders liquide Geldanlage gelten.
