Altersvorsorgedepot: Riester-Sparerin verliert doppelt mit 130 Euro
Eine Grafikdesignerin aus dem Rheinland zahlt seit fast 20 Jahren 130 Euro monatlich – und erlebte mit Riester einen doppelten Verlust.

Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem grundlegenden Umbruch. Mit dem neuen Altersvorsorgedepot soll eine Zusatzrente entstehen, die stärker auf Kapitalmarktrenditen setzt. Ein Fallbeispiel aus dem Rheinland zeigt, warum viele Sparer auf diese neue Lösung hoffen – und wie tief die Enttäuschung über die bisherige Riester-Vorsorge sitzt.
Eine Grafikdesignerin aus dem Rheinland, Mitte 40, hat vor fast 20 Jahren mit der privaten Altersvorsorge begonnen. Ihr Name wurde für den Bericht geändert; in der Quelle wird sie Nadine Thomsen genannt. Sie zahlt monatlich 130 Euro in einen Fondssparplan ein und erhielt zusätzlich staatliche Zulagen für sich und ihre zwei Kinder.
Doch die Rechnung ging nicht auf. Der Coronabörsencrash im Jahr 2020 zerlegte ihr Depot. Ihr Anbieter Raisin Pension schichtete das Geld anschließend in Anleihen um. Am Ende brachte ihr der Riester-Vertrag einen doppelten Verlust.
Der Coronacrash und die spätere Umschichtung trafen die Sparerin doppelt
Der Fall zeigt, wie zwei Entwicklungen zusammenwirken können. Zuerst drückte der Coronabörsencrash im Jahr 2020 den Wert des Depots. Danach verlagerte Raisin Pension das angesparte Geld in Anleihen. Eine solche Umschichtung soll üblicherweise das Risiko im Portfolio senken.
Für die Sparerin bedeutete das, dass ihr Depot nicht mehr an einer möglichen Erholung der Aktienmärkte teilnehmen konnte. Der doppelte Verlust entstand damit aus dem Crash selbst und aus der anschließenden Neugewichtung des Portfolios. Über fast 20 Jahre hinweg zahlte sie monatlich 130 Euro ein.
Hinzu kamen die staatlichen Zulagen, die sie für sich und ihre zwei Kinder erhielt. Diese Zulagen sind ein zentraler Bestandteil der Riester-Förderung. Sie sollen den Sparbeitrag erhöhen, ohne dass die Sparerin das Geld allein aufbringen muss. Im Fall der Grafikdesignerin reichten sie offenbar nicht aus, um den Verlust auszugleichen.
aktien.news berichtete bereits im März 2026 über die Schwächen des Riester-Systems
Bereits am 27.03.2026 berichtete aktien.news, dass Deutschland seine private Altersvorsorge grundlegend reformiert. Ab dem kommenden Jahr sollten Bürger das neue Altersvorsorgedepot besparen – ohne Garantiepflichten, die bislang die Rendite aufgefressen hätten. Stattdessen entschieden Sparer selbst über ihre Anlage, und der Staat belohne sie mit Zulagen. Der Bundestag habe den entsprechenden Beschluss gefasst. Damit ende nach 25 Jahren die Ära der renditeschwachen Riester-Verträge.
Am selben Tag, dem 27.03.2026, berichtete aktien.news zudem über Riesterverträge im Minus. Viele Riestersparer stünden vor dem Problem, dass ihr angespartes Guthaben unter dem vertraglich garantierten Wert liege. Schuld daran seien gleich zwei Schocks in kurzer Folge gewesen: Der Corona-Crash habe Aktienfonds tief ins Minus gedrückt, die anschließende Zinswende habe Anleihekomponenten im Depot ebenfalls an Wert verlieren lassen. Betroffen seien insbesondere Verträge mit gemischten Strategien aus Aktien- und Rentenfonds. Wer monatlich 130 Euro einzahle und trotzdem unter dem Garantiewert liege, zahle im Grunde in ein strukturelles Defizit ein.
Am 23.09.2026 berichtete aktien.news über einen Preiskampf der Anbieter beim neuen Altersvorsorgedepot. Mehrere Anbieter hätten Konditionen vorgelegt, die weit unter den Erwartungen lägen. Scalable Capital starte mit 0,15 Prozent Kosten, die Quirin-Privatbank-Tochter und die Sparkassen-Tochter Deka unterböten mit 0,1 Prozent, und Smartbroker locke mit gebührenfreien Jahren. Das Altersvorsorgedepot sei der zentrale Baustein der Reform, die die schwarz-rote Bundesregierung im Frühjahr beschlossen habe. Ab 2027 solle es mehr Deutschen ermöglichen, gefördert vorzusorgen.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Startschuss am 1. Januar fällt. Dann zahle der Staat erstmals Zuschläge für das Börsensparen im Alter. Auf der Finanzmesse Finance26 machte Thomas Soltau vom Broker Smartbroker deutlich, wie groß die Wissenslücke ist. "Die Grundlagen des Altersvorsorgedepots sind vielen selbst erfahrenen Anlegern noch gar nicht klar", sagte er. Eine Umfrage von YouGov im Auftrag von Commerzbank und Comdirect unter gut 1500 Personen habe gezeigt, dass rund ein Drittel das neue Angebot nicht kenne.
Privatanleger sollten Anlagestrategie und Kosten eines Vorsorgeprodukts genau prüfen
Der Fall der Grafikdesignerin macht deutlich, wie wichtig die Ausrichtung eines Vorsorgeprodukts ist. Wer über Jahrzehnte monatlich einzahlt, ist auf eine Anlagestrategie angewiesen, die zu den eigenen Zielen passt. Eine Umschichtung in Anleihen kann das Risiko senken, nimmt dem Depot aber auch die Chance auf Kursgewinne.
Für Sparer lohnt es sich, die Kosten und die Anlagestrategie eines Produkts genau zu prüfen. Beim neuen Altersvorsorgedepot entscheiden Anleger selbst über ihre Anlage, wie aktien.news bereits am 27.03.2026 berichtete. Die Garantiepflichten, die frühere Riester-Verträge geprägt haben, entfallen nach dieser Darstellung. Das kann die Renditechancen erhöhen, verlagert aber auch die Verantwortung für die Anlageentscheidung auf die Sparer.
Ein weiterer Punkt ist die staatliche Förderung. Zulagen sollen den Sparbeitrag erhöhen. Wie hoch der Effekt am Ende ausfällt, hängt davon ab, wie sich das gewählte Portfolio entwickelt. Der Fall der Grafikdesignerin zeigt, dass Zulagen allein einen Verlust nicht zwingend ausgleichen.
Der Start des Altersvorsorgedepots ist für den 1. Januar geplant
Nach den Berichten von aktien.news fällt der Startschuss für die staatlichen Zuschläge am 1. Januar. Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot mehr Deutschen die geförderte Vorsorge ermöglichen. Der Bundestag hat den entsprechenden Beschluss nach der Darstellung vom 27.03.2026 bereits gefasst.
Ob sich der Preiskampf der Anbieter fortsetzt, ist offen. aktien.news stellte am 23.09.2026 die Frage, wie nachhaltig der Wettbewerb um die niedrigsten Kosten ist. Für Sparer bleibt abzuwarten, welche Konditionen sich am Markt durchsetzen. Klar ist, dass das neue Produkt die bisherige Riester-Vorsorge ablösen soll.
Drei Begriffe erleichtern das Verständnis der neuen Vorsorge
- Altersvorsorgedepot: Ein staatlich gefördertes Depot, in dem Sparer selbst über die Anlage entscheiden und auf Kapitalmarktrenditen setzen.
- Riester-Vertrag: Ein älteres staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt, das durch Garantiepflichten geprägt war.
- Zulagen: Staatliche Zuschüsse, die den eigenen Sparbeitrag erhöhen sollen.
