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Wasserkrise im US-Westen: Dürre verschärft Verteilungskampf am Colorado River

Rekordtrockenheit bedroht 40 Millionen Menschen: Landwirte, Städte und Industrie streiten um schwindendes Wasser im amerikanischen Westen.

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Wasserkrise im US-Westen: Dürre verschärft Verteilungskampf am Colorado River

Die Dürrekrise im Westen der USA spitzt sich dramatisch zu. Tote Fische im ausgetrockneten Stauseebett in Arizona, eine Stadt in Utah, der in wenigen Monaten das Wasser ausgehen könnte, und eine Rancherin in Colorado, die ein Fünftel ihrer Herde verkaufen musste – das Colorado-River-System steht unter extremem Druck. Der Fluss versorgt rund 40 Millionen Menschen in sieben westlichen Bundesstaaten sowie Mexiko mit Wasser und bewässert Millionen Hektar Ackerland.

Jahrzehntelange Dürre, eine Rekordtiefstmarke bei der Schneedecke im vergangenen Winter und der heißeste März seit Beginn der Aufzeichnungen haben die Wasserknappheit im gesamten Flussbecken massiv verschärft. Die Folge: Offene Konflikte zwischen Landwirten, Stadtbewohnern und industriellen Nutzern wie Rechenzentren, Solarprojekten und Halbleiterfabriken. Bundesbehörden erwägen nun drastische Kürzungen der Wasserzuteilungen für Arizona, Kalifornien und Nevada.

Landwirte zahlen für Wasser, das nicht mehr fließt

Besonders hart trifft die Krise die Landwirtschaft in Arizona. Die Farmerin Nancy Caywood aus der Nähe von Casa Grande zahlt jährlich 21.000 US-Dollar an ihren lokalen Wasserbezirk – obwohl das Flusswasser bereits im März versiegte. Ihr rund 100 Hektar großer Alfalfa- und Baumwollbetrieb ist vollständig auf die Bewässerung aus dem San-Carlos-Stausee am Gila River angewiesen, einem Nebenfluss des Colorado. In diesem katastrophalen Schneejahr haben Landwirte und Städte den Stausee auf gerade einmal ein Prozent seiner Kapazität geleert. Reiher und Pelikane jagen nun Fische auf dem ausgetrockneten Seeboden. „Wir haben fast 30 Jahre lang durchgehalten", sagte Caywood, die inzwischen Felder eines Nachbarn mit Grundwasserzugang gepachtet hat. Gleichzeitig berichten Landwirte von Anfragen durch Investoren, die ihr Land für Solaranlagen kaufen wollen.

Jace Miller aus Pinal County bewirtschaftet das Land seiner Familie bereits in der fünften Generation – seit über 107 Jahren. Mehr als die Hälfte seiner Felder liegt wegen der Dürre brach. Wie viele Landwirte in der Region verlor er 2022 weitgehend den Zugang zum Colorado-River-Wasser, da städtische Nutzer bei der Zuteilung Vorrang erhielten. Miller fordert ein Moratorium für das Bevölkerungswachstum in Arizona und plädiert für kreative Lösungen wie landesweite Wasserpipelines nach dem Vorbild von Ölpipelines. „Man kann der Landwirtschaft nicht einfach immer weiter das Wasser entziehen", sagte er.

Städte und Vororte kämpfen um neue Wasserquellen

Auf der anderen Seite stehen wachsende Städte wie Scottsdale, ein wohlhabender Vorort von Phoenix mit rund 250.000 Einwohnern. Die Stadt bezieht 70 Prozent ihres Wassers aus dem Colorado River und sucht händeringend nach neuen Quellen. Stadtratskandidatin Michelle Ugenti-Rita, eine ehemalige republikanische Senatorin, sieht im Kauf von Grundwasserrechten von Landwirten und anderen Städten eine mögliche Lösung. „Die Landwirtschaft ist ein großer Nutzer unseres Wassers. Ist es das, wo es hinfließen sollte?", fragte sie. Diese Haltung verdeutlicht den grundlegenden Interessenkonflikt zwischen städtischem Wachstum und landwirtschaftlicher Nutzung.

Wissenschaftler Brad Udall von der Colorado State University warnt vor den Grenzen des Grundwassers. Arizonas massive unterirdische Wasserreserven seien zwar weltweit einzigartig und hätten es ermöglicht, dass sich die Bevölkerung des Bundesstaates über vier Jahrzehnte verdoppelt habe. Doch diese Ressource sei nicht erneuerbar. „Wir haben gewissermaßen dieses Monster erschaffen, das man ständig füttern muss", sagte Udall über den wachsenden Wasserbedarf Arizonas.

Bundesbehörden planen drastische Kürzungen

Das U.S. Bureau of Reclamation prüft derzeit einen Vorschlag der sogenannten Lower-Basin-Staaten Arizona, Kalifornien und Nevada. Dieser sieht vor, die Wassernutzung aus dem Colorado River bis 2028 um rund 21 Prozent pro Jahr zu reduzieren, um kritische Stauseestände zu erhalten. Der Plan hat einen langjährigen Streit zwischen den flussabwärts gelegenen Staaten und den Quellgebietsstaaten des oberen Beckens – Colorado, New Mexico, Utah und Wyoming – weiter verschärft. Die Frage, wie die schwindenden Wassermengen gerecht aufgeteilt werden sollen, ist politisch hochbrisant und dürfte die Region noch Jahre beschäftigen.

Für deutsche Beobachter verdeutlicht die Krise am Colorado River, wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum selbst in ressourcenreichen Ländern zu existenziellen Verteilungskonflikten führen können. Die Auseinandersetzung zwischen Ernährungssicherheit, städtischem Wachstum und industriellem Bedarf stellt Entscheidungsträger vor Fragen, für die es keine einfachen Antworten gibt.

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