New York verhängt erstes Rechenzentren-Moratorium in den USA
New York stoppt als erster US-Bundesstaat den Bau großer Rechenzentren – wegen steigender Stromkosten und Umweltbedenken.

New York hat als erster US-Bundesstaat ein einjähriges Moratorium für den Bau großer neuer Rechenzentren verhängt. Die Maßnahme richtet sich gegen Anlagen mit einer Leistung von 50 Megawatt oder mehr. Gouverneurin Kathy Hochul begründete den Schritt mit wachsenden Bedenken hinsichtlich steigender Stromkosten, Belastungen der Wasserversorgung und Überforderung lokaler Gemeinden.
„Da die Entwicklung von Rechenzentren droht, die Stromrechnungen in die Höhe zu treiben, unsere natürlichen Ressourcen zu erschöpfen und Unsicherheit für die New Yorker zu schaffen, liegt es in meiner Verantwortung, zu handeln und die Führung zu übernehmen", erklärte Hochul. Zusätzlich zum Moratorium kündigte sie an, eine Gesetzgebung anzustreben, um bestehende Umsatzsteuerbefreiungen für große Rechenzentren aufzuheben.
Während des Moratoriums wird das Department of Environmental Conservation des Bundesstaates keine Ermessensgenehmigungen erteilen, die nicht bereits als abgeschlossen gelten. Hochul wies Staatsbeamte an, eine allgemeine Umweltverträglichkeitsprüfung zu erstellen, um sicherzustellen, dass neue Rechenzentren „einheitlichen Standards" entsprechen. Das Verbot soll aufgehoben werden, sobald diese Standards finalisiert sind.
Nationaler Kontext: Wachsender Widerstand gegen KI-Infrastruktur
New York positioniert sich mit diesem Schritt an der Spitze einer wachsenden nationalen Debatte. Technologieunternehmen wie Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon und Oracle treiben den Bau neuer Rechenzentren massiv voran, um die Infrastruktur für den KI-Boom bereitzustellen. Gesetzgeber und Regulierungsbehörden in Dutzenden von US-Bundesstaaten prüfen jedoch Maßnahmen, um die Auswirkungen auf Stromnetze, Stromrechnungen und lokale Gemeinschaften zu begrenzen.
Laut einer aktuellen Umfrage von Reuters/Ipsos befürwortet nur jeder dritte Amerikaner das hohe Tempo beim Bau von Rechenzentren. Die Mehrheit würde den Bau eines solchen Zentrums in der eigenen Gemeinde ablehnen. New York ist bislang der einzige Bundesstaat, der ein vollständiges Moratorium erlassen hat – im April scheiterte ein ähnlicher Gesetzentwurf in Maine am Veto von Gouverneurin Janet Mills.
Enormer Strombedarf belastet das Netz
Die Dimension des Problems verdeutlichen aktuelle Zahlen: Laut einem Bericht des unabhängigen Netzbetreibers von New York warteten im Mai mehr als 12 Gigawatt an sehr großen energieintensiven Lasten – darunter Rechenzentren – auf einen Anschluss an das Stromnetz des Bundesstaates. Ein Gigawatt Strom kann dabei etwa 750.000 Haushalte versorgen. New York belegt nach Daten des US-Energieministeriums den achthöchsten Endverbraucherpreis für Haushaltsstrom im gesamten Land.
Derzeit verfügt New York über mehr als 130 Rechenzentren, wie aus Daten der Data Center Map hervorgeht. Zum Vergleich: Virginia kommt auf mehr als 600 und Texas auf rund 500 solcher Anlagen. Die teuren Grundstücke und die knappe Stromversorgung in New York haben das Interesse von Rechenzentrumsbetreibern bislang begrenzt – dennoch haben Betreiber wie Digital Realty, Equinix und NTT Data den Bundesstaat auf dem Radar.
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Zur AktienanalyseParlament und Exekutive noch nicht einig
Parallel zum Moratorium hat das Parlament von New York im vergangenen Monat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Leitplanken für Rechenzentren vorsieht. Dieser Entwurf zielt auf Anlagen ab, die mehr als 20 Megawatt Strom verbrauchen, und hat damit eine größere Reichweite als die aktuelle Exekutivverordnung. Hochuls Büro bezeichnete den Entwurf jedoch als kompliziert und erklärte, es werde „einige Zeit in Anspruch nehmen, ihn mit dem Parlament des Bundesstaates auszuarbeiten". Der Entwurf wurde der Gouverneurin noch nicht zur Unterzeichnung vorgelegt.
Die betroffenen Technologiekonzerne Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon und Oracle sowie die Rechenzentrumsbetreiber Digital Realty, Equinix und NTT Data reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme. Für deutsche Investoren, die in US-amerikanische Technologie- und Infrastrukturwerte investiert sind, könnte das New Yorker Moratorium ein Signal sein: Der politische Gegenwind für den KI-getriebenen Rechenzentrum-Boom nimmt in den USA spürbar zu.


