US-Dienstleistungssektor kühlt leicht ab, doch die Inflation bleibt hoch
Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor fällt im Oktober auf 54,5 Punkte, die Preise für Vorleistungen bleiben hoch.

Das Wachstum im US-Dienstleistungssektor hat sich im Oktober leicht abgeschwächt. Wie das Institute for Supply Management (ISM) am Mittwoch mitteilte, fiel sein Nicht-Produktions-Purchasing-Managers-Index (PMI) von 54,9 Punkten im September auf 54,5 Punkte. Ein Wert oberhalb der 50-Punkte-Marke signalisiert weiterhin ein Wachstum des Sektors, der mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaftstätigkeit ausmacht. Der Rückgang fällt damit nur marginal aus – und verdeckt doch ein zweigeteiltes Bild.
Die von Reuters befragten Ökonomen hatten einen kaum veränderten PMI von 54,8 Punkten prognostiziert. Der aktuelle Wert lässt darauf schließen, dass die US-Wirtschaft ins vierte Quartal gestartet ist, obwohl die Ökonomen eine Verlangsamung der Aktivität erwarten. Der Konsum wird voraussichtlich nach zwei Quartalen in Folge robusten Wachstums zurückgehen. Als Grund nennt die Quelle die hohe Inflation, die die Kaufkraft der Haushalte aushöhlt.
Diese Belastung zeigt sich bereits in den Haushaltsdaten. Das verfügbare Einkommen der Haushalte, bereinigt um Inflation und Steuern, ging im September zurück, nachdem es im August unverändert geblieben war. Die Sparquote liegt mit 3,8 Prozent auf einem Vierjahres-Tief. Für die Binnenkonjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft ist das ein Warnsignal, denn der private Verbrauch ist die wichtigste Stütze des Wachstums.
Der Index für neue Aufträge fällt deutlich auf 55,9 Punkte
Der vom Survey erfasste Index für neue Aufträge, die Dienstleistungsunternehmen erhalten haben, sank im vergangenen Monat von 59,8 Punkten im September auf 55,9 Punkte. Der Auftragseingang bleibt damit über der Wachstumsschwelle, verliert aber spürbar an Tempo. Gleichzeitig verschlechterte sich die Liefertreue der Lieferanten weiter.
Der Index für Lieferungen durch Zulieferer sprang von 53,2 Punkten im September auf 56,7 Punkte. Ein Wert über 50 weist hier auf langsamere Lieferungen hin. Die Lieferungen sind damit seit 23 Monaten in Folge verlangsamt, was die Preise für Vorleistungen hoch hält. Der vom Survey erfasste Index für die von Unternehmen für Vorleistungen gezahlten Preise milderte sich im vergangenen Monat von 74,0 Punkten im September auf ein weiterhin hohes Niveau von 73,0 Punkten ab. Das ISM hatte am Montag von einer leichten Dämpfung der Preise berichtet, die Hersteller im Oktober für Vorleistungen zahlten.
Der Nahostkonflikt und Zölle halten die Lieferketten angespannt
Als Ursache für die angespannten Lieferketten nennt die Quelle den anhaltenden Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran sowie Zölle auf Importe. Der Nahostkonflikt, der nun seinen neunten Monat erreicht hat, hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und zu Engpässen bei Rohstoffen geführt, die über die Straße von Hormus verschifft werden. Die Kombination aus teureren Vorleistungen und langsameren Lieferungen erklärt, warum der Preisdruck im Dienstleistungssektor trotz nachlassender Nachfrage kaum sinkt.
Die Fed lässt den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent
Die US-Notenbank Federal Reserve hatte ihren Leitzins für Overnight-Geschäfte am vergangenen Mittwoch im Bereich von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Dabei erkannte sie an, dass die Inflation „nach wie vor hoch“ sei. Ökonomen erwarten, dass die US-Zentralbank die Kreditkosten im Dezember anheben wird. Sie rechnen zudem damit, dass die Inflation bis 2027 weiterhin über dem Zielwert der Fed von 2 Prozent liegen wird.
Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor steigt leicht
Der ISM-Survey zeigte einen marginalen Anstieg der Beschäftigung im Dienstleistungssektor. Der entsprechende Index stieg von 50,1 Punkten im September auf 51,4 Punkte. Das stimmt mit den Erwartungen der Ökonomen für ein moderates Wachstum der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigtenzahlen im Oktober überein. Der eng beobachtete Beschäftigungsbericht der Regierung, der am Freitag veröffentlicht wird, dürfte laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zeigen, dass die Beschäftigtenzahlen im Oktober um 65.000 gestiegen sind, nachdem sie im September um 29.000 zugelegt hatten. Die Arbeitslosenquote soll unverändert bei 4,2 Prozent gelegen haben.
Bereits am 6. Oktober 2026 meldete aktien.news ein Vierjahreshoch beim Preisdruck
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Reihe. Bereits am 6. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass der ISM-Index für den Nicht-Verarbeitenden Sektor von 55,4 Punkten im August auf 54,9 Punkte im September gesunken war und der Index für die von Unternehmen gezahlten Preise mit 74,0 Punkten den höchsten Stand seit Juli 2022 erreicht hatte. Am 23. Oktober 2026 meldete aktien.news, dass der von S&P Global veröffentlichte Flash-US-Komposit-PMI von einem Fünfjahreshöchststand von 58,4 Punkten im September auf 57,6 Punkte gefallen war, während die Preise im Oktober erneut stiegen. Schon am 7. Juli 2026 hatte aktien.news berichtet, dass der ISM-PMI für den Dienstleistungssektor von 54,5 Punkten im Mai auf 54,0 Punkte im Juni gesunken war. Und am 2. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass die Arbeitslosenquote zum dritten Monat in Folge bei 4,1 Prozent erwartet wurde und die nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigtenzahlen im September um 90.000 steigen sollten, nach einem Anstieg von 162.000 im August.
Für Anleger bleibt der Preisdruck das zentrale Risiko
Für deutsche Privatanleger sind die Daten vor allem wegen ihrer Bedeutung für die Zinspolitik relevant. Solange die Inflation über dem Zielwert der Fed liegt und die Vorleistungspreise hoch bleiben, spricht vieles für weiter steigende Kreditkosten in den USA. Höhere US-Zinsen stützen traditionell den Dollar und belasten zinssensitive Bereiche wie Wachstumsaktien. Gleichzeitig deutet der nachlassende Auftragseingang auf eine abkühlende Nachfrage hin, was die Gewinnaussichten zyklischer Unternehmen trüben kann. Die Quelle liefert keine Hinweise auf eine Entspannung bei den Lieferketten.
Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht an
Der nächste wichtige Termin ist der Beschäftigungsbericht der US-Regierung am Freitag. Die von Reuters befragten Ökonomen erwarten einen Anstieg der Beschäftigtenzahlen um 65.000 im Oktober und eine unveränderte Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Darüber hinaus erwarten die Ökonomen eine Anhebung der Kreditkosten durch die Fed im Dezember. Ob sich diese Erwartung bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich Inflation und Arbeitsmarkt in den kommenden Wochen entwickeln.
Diese drei Fachbegriffe helfen bei der Einordnung der Daten
- Einkaufsmanagerindex (PMI): Ein Stimmungsindikator aus Unternehmensumfragen, der anzeigt, ob eine Branche wächst oder schrumpft.
- Vorleistungspreise: Die Preise, die Unternehmen für Waren und Dienstleistungen zahlen, die sie für ihre eigene Produktion benötigen.
- Leitzins: Der von der Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld leihen.
