TotalEnergies erwartet Gewinnsprung im dritten Quartal dank Iran-Krieg
Der französische Energiekonzern rechnet mit einer Raffineriemarge von 33,2 Dollar je Barrel – fast das Vierfache des Vorjahreswerts.

TotalEnergies rechnet für das dritte Quartal mit einem massiven Gewinnsprung. Auslöser ist die Raffineriemarge, die sich nach Angaben des französischen Energiekonzerns fast vervierfacht haben dürfte. Konkret liegt sie im laufenden Quartal bei 33,2 Dollar je Barrel, nach 8,4 Dollar je Barrel im Vorjahreszeitraum.
Hintergrund ist der Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Er führte zu einer faktischen Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für den Öltransport. Die daraus resultierende Versorgungsstörung trieb die Rohöl- und Gaspreise auf Mehrjahreshochs.
TotalEnergies steht mit dieser Entwicklung nicht allein da. Auch der britische Konzern Shell stellt eine Rekord-Raffineriemarge in Aussicht, während BP von einer Verdreifachung der Marge ausgeht. Die vollständigen Quartalszahlen von TotalEnergies und Shell werden am 29. Oktober veröffentlicht, BP legt seine Ergebnisse einen Tag später vor.
Die Details
Die zentrale Kennzahl ist die Raffineriemarge, also der Gewinn, den ein Konzern mit der Verarbeitung von Rohöl zu Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel erzielt. Bei TotalEnergies steigt sie im dritten Quartal auf 33,2 Dollar je Barrel. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag sie bei 8,4 Dollar je Barrel – der Wert hat sich damit fast vervierfacht.
Ein Blick auf die Größenordnung verdeutlicht den Effekt. 33,2 Dollar je Barrel bedeuten, dass ein Konzern für jedes verarbeitete Barrel Rohöl deutlich mehr verdient als zuvor. Bei 8,4 Dollar je Barrel im Vorjahr war die Marge nur ein Bruchteil dessen. Für integrierte Konzerne, die sowohl Rohöl fördern als auch raffinieren, ist das Raffineriegeschäft damit zu einem wichtigen Gewinntreiber geworden.
Diese Entwicklung ist branchenweit zu beobachten. Shell stellt eine Rekord-Raffineriemarge in Aussicht, BP erwartet eine Verdreifachung. Die Margen sind ein direkter Ausdruck der gestörten Versorgung: Weil Rohöl und Gas knapp wurden, konnten Raffinerien ihre Produkte zu deutlich höheren Preisen verkaufen.
Die Straße von Hormus ist für den globalen Öltransport von zentraler Bedeutung. Ihre faktische Schließung im Zuge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran schnitt einen erheblichen Teil der weltweiten Versorgung ab. Die Folge waren Mehrjahreshochs bei Rohöl- und Gaspreisen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass TotalEnergies im ersten Quartal 2026 einen bereinigten Nettogewinn von 5,4 Milliarden US-Dollar erzielt hatte – ein Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als der Konzern 4,2 Milliarden Dollar auswies. Damals übertraf der französische Energieriese die Erwartungen der Analysten deutlich. Als Treiber nannte das Unternehmen ein robustes Handelsgeschäft sowie hohe Ölpreise, die durch den Iran-Krieg befeuert wurden.
Am 31.07.2026 meldeten ExxonMobil und Chevron Rekordergebnisse. ExxonMobil verzeichnete einen Gewinn von 14,5 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus schnitt dabei einen erheblichen Teil der weltweiten Treibstoffversorgung ab.
Am 04.08.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Gewinne der großen Energiekonzerne infolge des Iran-Kriegs verdoppelt, verdreifacht oder gar verfünffacht hatten. BP legte damals seine Quartalsbilanz für das zweite Quartal vor: Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn kletterte auf rund 5,7 Milliarden Dollar, der Umsatz stieg um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar.
Am 02.10.2026 folgte der Bericht über US-Raffinerien, die vor einem mehr als vierfachen Gewinnanstieg standen. Acht börsennotierte unabhängige Raffinerien sollten demnach kombinierte Gewinne von 32,4 Milliarden Dollar in den beiden Quartalen seit Kriegsbeginn ausweisen – im Vergleich zu 6,8 Milliarden Dollar im selben Vorjahreszeitraum.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger zeigt sich an diesen Zahlen, wie stark geopolitische Konflikte die Gewinne von Energiekonzernen treiben können. Raffineriemargen sind dabei ein zentraler Frühindikator für die Ertragskraft eines integrierten Ölkonzerns. Steigt die Marge, verbessert sich typischerweise das Ergebnis im Raffineriegeschäft.
Zu beachten ist auch, dass die hohen Margen nicht allein vom Ölpreis abhängen. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen den Rohölkosten und den Preisen für Fertigprodukte. Genau dieses Verhältnis hat sich durch die Versorgungsstörung deutlich zugunsten der Raffinerien verschoben.
Gleichzeitig sind solche Gewinnsprünge eng an die Dauer und Intensität des Konflikts gekoppelt. Die Margen hängen unmittelbar an der Versorgungslage: Normalisiert sich der Öltransport durch die Straße von Hormus, könnte der Preisdruck nachlassen. Anleger sollten daher nicht nur auf die aktuellen Rekordwerte schauen, sondern auch auf die Angaben der Konzerne zur weiteren Entwicklung.
Wichtig ist zudem die Unterscheidung zwischen bereinigten und unbereinigten Gewinnen. BP wies im zweiten Quartal ausdrücklich einen um Sondereffekte bereinigten Nettogewinn aus. Solche Sondereffekte können das Bild verzerren und sollten bei der Bewertung berücksichtigt werden.
Ausblick
Die nächsten konkreten Termine stehen bereits fest. TotalEnergies und Shell veröffentlichen ihre Quartalsergebnisse am 29. Oktober. BP legt seine vollständigen Quartalsergebnisse einen Tag später vor. Dann wird sich zeigen, ob die angekündigten Margen sich in den tatsächlichen Zahlen niederschlagen.
Bis dahin bleibt die Entwicklung an den Energiemärkten der bestimmende Faktor. Solange die Versorgung durch die Straße von Hormus gestört ist, dürften die Raffineriemargen hoch bleiben. Die angekündigten Rekord- und Verdreifachungswerte von Shell und BP deuten darauf hin, dass die gesamte Branche von der Lage profitiert.
Kurz erklärt
- Raffineriemarge: Der Gewinn, den ein Unternehmen mit der Verarbeitung von Rohöl zu fertigen Kraftstoffen erzielt.
- Straße von Hormus: Eine Meerenge, durch die ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls transportiert wird.
- Bereinigter Nettogewinn: Ein Gewinnmaß, das außergewöhnliche Sondereffekte ausklammert.
