BP bestätigt massive Schuldenreduzierung und rückt Aktienrückkäufe näher
Der Ölkonzern erwartet zum 30. September eine Nettoverschuldung von 13,5 bis 14,5 Milliarden Dollar, nach 22,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal.

Der britische Ölkonzern BP hat am 13. Oktober 2026 ein Handelsupdate für das dritte Quartal bis zum 30. September vorgelegt und dabei eine deutliche Reduzierung seiner Nettoverschuldung angekündigt. Der Konzern erwartet zum Stichtag einen Nettoverschuldungsbetrag zwischen 13,5 und 14,5 Milliarden US-Dollar. Ende des zweiten Quartals im späten Juni lag dieser Wert noch bei 22,3 Milliarden Dollar.
Damit rückt BP einem möglichen Neustart seines Aktienrückkaufprogramms einen Schritt näher. Die Aktien des FTSE-100-Unternehmens stiegen im britischen Handel um 2 Prozent, nachdem sie in diesem Jahr bereits rund 36 Prozent zugelegt hatten. Zum Vergleich: Der FTSE-100-Index hat seit Jahresbeginn 8 Prozent gewonnen.
Die Einschätzung stammt aus der ii-Ansicht von Keith Bowman von interactive investor. Er verweist auf eine äußerst attraktive Dividendenrendite, während die gestärkte Bilanz die Wahrscheinlichkeit von Aktienrückkäufen erhöhe. Zugleich benennt er bestehende Risiken und einen hohen Aktienkurs.
Die Details
Konkret erwartet BP für das dritte Quartal eine Upstream-Produktion von 2.190 bis 2.240 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag (mboe/d). Im zweiten Quartal lag die Produktion bei 2.201 mboe/d. Die ursprüngliche Prognose hatte noch 2.100 bis 2.250 mboe/d betragen; diese Spanne wurde nun eingegrenzt. In den Zahlen sind weiterhin Störungen enthalten, die durch den Krieg im Nahen Osten verursacht werden.
Bei den Investitionen rechnet der Konzern für das Quartal mit Kapitalausgaben von 3,1 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal waren es 3 Milliarden Dollar. Die erwarteten gesamten Erlöse aus Geschäftsausscheidungen für das Gesamtjahr bleiben unverändert zwischen 8 und 9 Milliarden Dollar. Darin enthalten ist der bereits angekündigte Verkauf eines 65-Prozent-Anteils am Castrol-Ölgeschäft für 6 Milliarden Dollar.
BP wurde 1901 gegründet und beschäftigt heute über 90.000 Menschen. Die Aktivitäten umfassen die Upstream-Produktion an Land und offshore, Downstream-Aktivitäten einschließlich Raffinerie und Castrol sowie den Bereich Supply, Trading and Shipping (STS). Dieser wickelt den Handel von rund vier Milliarden Barrel Rohöl und fünf Milliarden Barrel raffinierten Produkten jährlich ab – für mehr als 13.000 Kunden in über 140 Ländern.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.07.2026 berichtete aktien.news, dass BP spürbar von der durch den Nahostkonflikt ausgelösten Ölpreisrally profitiert. Für das zweite Quartal erwartete das Unternehmen deutlich höhere Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie stark gestiegene Raffineriemargen. Gleichzeitig gelang es dem Konzern, seine Nettoverschuldung erheblich zu reduzieren – bis Ende Juni auf 22 bis 23 Milliarden Dollar, nach noch 25,3 Milliarden Dollar Ende März. Bis Ende des kommenden Jahres sollte der Schuldenberg weiter auf 14 bis 18 Milliarden Dollar schrumpfen.
Am 05.08.2026 meldete aktien.news, dass BP für das zweite Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn auf Basis der Wiederbeschaffungskosten (underlying replacement cost profit) von 5,73 Milliarden US-Dollar erzielte. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenprognosen von 5,11 Milliarden Dollar deutlich und verzeichnete ein Plus von über 140 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es war das stärkste Quartalsergebnis des Konzerns seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022. Rückenwind erhielt BP durch den Iran-Krieg, der die Öl- und Gaspreise stabilisierte und zu außergewöhnlich starken Raffineriemargen führte.
Am 06.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich der Öl- und Gassektor im britischen Leitindex FTSE 100 als defensiver Rückzugsort etabliert hat. BP-Aktien legten im frühen Oktober-Handel um 1,4 Prozent auf 557 Pence zu, Shell gewann 0,6 Prozent auf 3.589 Pence. Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar ist BP um 17 Prozent und Shell um 24 Prozent gestiegen.
Zurückhaltender war die Nachricht vom 10.02.2026: Damals setzte BP überraschend sein Aktienrückkaufprogramm aus. Das Unternehmen reagierte damit auf den anhaltenden Druck durch fallende Rohölpreise und wollte seine finanzielle Stabilität sichern. Für das vierte Quartal 2025 meldete BP einen bereinigten Gewinn auf Ersatzkostenbasis von 1,54 Milliarden US-Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Kombination aus Schuldenabbau und Dividende interessant. Die laufende Dividendenzahlung und eine Dividendenrendite von rund 4,4 Prozent sollten nach Einschätzung des Analysten nicht ignoriert werden. Eine gestärkte Bilanz erhöhe zudem die Wahrscheinlichkeit von Aktienrückkäufen. Genau dieser Punkt ist relevant, weil der Versuch zur Reduzierung der Nettoverschuldung zuvor zur Aussetzung des Aktienrückkaufprogramms geführt hatte.
Auf der positiven Seite steht neben dem Schuldenabbau der Fokus auf eine verbesserte operative Leistung. Mehr als zehn erfolgreiche Explorationsergebnisse im Jahr 2025 unterstrichen diesen Anspruch. Sowohl die geschäftliche als auch die geografische Diversität bestehen weiter fort.
Dem stehen Risiken gegenüber. Die Wirkung hoher Energiepreise auf die Inflation könnte noch zu weiteren Zinserhöhungen führen, was die Energienachfrage möglicherweise dämpfen könnte. Die Bedenken hinsichtlich des Klimawandels bestehen weiterhin fort. Der frühere große Anteilverkauf an Castrol reduziert die Diversität der Vermögenswerte und gewinnbringenden Zentren. Zudem notiert die Aktie auf hohem Niveau.
Das durchschnittliche Rating der Börsenanalysten sowie eine konsensfähige faire Schätzung von über 640 Pence pro Aktie dürften die Anleger nach Einschätzung des Analysten weiterhin interessieren. Eine persönliche Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die Ergebnisse für das dritte Quartal will BP am 30. Oktober vorlegen. Ein strategisches Update und ein Ausblick folgen am 15. Dezember. Unter Chief Executive Meg O’Neill verfolgt BP strategische Schwerpunkte: die Stärkung der Bilanz, die Vereinfachung des Geschäftsportfolios des Konzerns und eine diszipliniertere Investitionstätigkeit.
Mitbewerber wie Shell (LSE:SHEL) und TotalEnergies SE (EURONEXT: TTE) legten im laufenden Jahr ebenfalls um rund 40 Prozent zu. Der FTSE-100-Index hat seit Jahresbeginn 8 Prozent gewonnen.
Kurz erklärt
- Nettoverschuldung: Saldo aus den Schulden eines Unternehmens und seinen liquiden Mitteln.
- Upstream: Vorgelagerter Bereich der Öl- und Gasbranche, der Exploration und Förderung umfasst.
- Aktienrückkauf: Erwerb eigener Aktien durch ein Unternehmen, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
