Texas könnte der größte Cannabismarkt der USA werden
Nach dem Wahlsieg der Demokraten in Texas fordert Gastautorin Stephanie Boyd einen konsistenten Rechtsrahmen für Cannabis statt wechselnder Regeln.

Texas hat bei der Wahl am Dienstag einen politischen Wechsel eingeleitet. Die Demokraten Gina Hinojosa als Gouverneurin, Vikki Goodwin als Vizegouverneurin und Clayton Tucker als Landwirtschaftskommissar setzten sich durch. Alle drei Kandidaten haben nach Darstellung der Gastautorin Stephanie Boyd ihre Unterstützung für Cannabis-Reformen in irgendeiner Form bekundet. In einem Gastbeitrag für das Fachmedium MJBizDaily argumentiert Boyd, Texas könne der größte legale Cannabismarkt der Vereinigten Staaten werden.
Boyd ist Direktorin für Kommunikation bei The Skyline Agency, wo sie Unternehmen aus den Bereichen Cannabis und Hanf berät. Sie beschreibt den Ausgang der Wahl als „blauen Tsunami“, der einen potenziell erdbebenartigen Wandel in der texanischen Cannabispolitik signalisiere. Texas habe sich dem Thema jahrelang mit einer Mischung aus Einschränkungen, regulatorischen Änderungen und politischen Auseinandersetzungen genähert. Das habe Verbraucher verwirrt und Unternehmen gezwungen, kaum Schritt zu halten.
Produkte auf Hanfbasis waren in der einen oder anderen Form verfügbar, doch die Regeln änderten sich laut Boyd mit jeder Legislaturperiode. „So baut man keine nachhaltige Industrie auf“, schreibt sie. Auch das Verbrauchervertrauen lasse sich auf diesem Weg nicht aufbauen.
Ein klarer Rechtsrahmen soll von Anfang an funktionieren
Für Boyd ist der grundlegende Bauplan bereits vorhanden. Sie plädiert für ein klares Mindestkaufalter von 21 Jahren, standardisierte Anforderungen an Tests, Kennzeichnung und Verpackung sowie genaue Angaben zur Potenz. Kindersichere Verpackungen und verantwortungsvolle Marketingpraktiken gehören für sie ebenso dazu wie ein Rahmen, den Verbraucher verstehen und Unternehmen angemessen einhalten können. Entscheidend sei die Konsistenz dieser Regeln.
Die andauernde Debatte um THC in Hanf dient ihr als Negativbeispiel. Unternehmen sollten nicht alle paar Monate ihre Verpackungen neu gestalten müssen oder unter der ständigen Drohung operieren, dass eine weitere politische Uneinigkeit ihre Existenzgrundlage auf den Kopf stellt. Regulierungen sollten Verbraucher schützen, ohne unnötige Markteintrittsbarrieren zu schaffen oder als Wettbewerbswaffe gegen kleinere Anbieter zu dienen. Legalisierung bedeute zudem mehr als die bloße Möglichkeit, Cannabis zu kaufen: Es gehe um ein völlig neues Wirtschaftsökosystem mit in Texas angebauten Produkten, texanischen Unternehmen und texanischen Arbeitskräften.
Etablierte medizinische Anbieter dürften Widerstand leisten
Boyd erwartet den lautstärksten Widerspruch von etablierten Anbietern medizinischen Cannabis. Diese hätten vom hochgradig restriktiven medizinischen Programm des Staates profitiert und sich der breiteren Konkurrenz durch Hanf entgegengestellt. Das Programm war lange so begrenzt, dass der Zugang schwierig und für viele Patienten teuer blieb. Selbst nach einer Ausweitung sei es weit entfernt von der Vielfalt und Zugänglichkeit ausgereifterer Cannabismärkte; rauchbares Cannabisblütenmaterial wird in dem Programm nicht angeboten.
Bestehende medizinische Anbieter hätten ihren Platz in der Diskussion verdient, betont Boyd. Sie hätten in Infrastruktur investiert, sich durch ein schwieriges regulatorisches Umfeld gearbeitet und Patienten innerhalb der texanischen Regeln bedient. Diese Investitionen berechtigten jedoch niemanden zu einem permanenten Schutz vor Wettbewerb. Ein legaler Cannabismarkt sollte nicht ein restriktives System durch ein anderes ersetzen, das einer Handvoll gut finanzierter Unternehmen zugutekommt und unabhängige Unternehmer ausschließt.
Eine Aufklärungskampagne soll Verbraucher sicherer machen
Für viele Texaner ist Cannabis laut Boyd noch unbekanntes Terrain. Einige hätten jahrelang Produkte mit THC-Hanfextrakt verwendet, andere hätten Cannabis in keiner Form probiert. Viele kennten weder die Unterschiede zwischen THC und CBD noch die Differenz zwischen essbaren und inhalierten Produkten, die Bedeutung der Dosierung oder die Dauer der Wirkung. Ein verantwortungsvoller Legalisierungsrahmen sollte deshalb eine bedeutende landesweite Aufklärungskampagne mit praktischen, wissenschaftlich fundierten Informationen über den verantwortungsvollen Konsum durch Erwachsene enthalten.
Verbraucher sollten Dosierung, verzögerte Einwirkzeiten bei essbaren Produkten, Beeinträchtigung, sichere Lagerung außerhalb der Reichweite von Kindern und die Risiken der Kombination von Cannabis mit Alkohol oder anderen Substanzen verstehen. Boyd stellt klar, dass Fahren unter Einfluss niemals akzeptabel ist. Zudem solle man ehrlich zugeben, dass Cannabis nicht für jeden geeignet ist. Ein informierter Verbraucher sei ein sichererer Verbraucher, ein informierter Markt ein stärkerer Markt.
Die Reform soll keine parteipolitische Angelegenheit bleiben
Boyd betont, dass neue landesweite Führungspersönlichkeiten die Notwendigkeit von Zusammenarbeit, sorgfältiger Politikgestaltung und öffentlicher Debatte nicht beseitigen. Cannabis-Reform sollte aus ihrer Sicht keine parteipolitische Frage sein. Unterstützung für Landwirte, Förderung von Unternehmertum, Schutz der Verbraucher und die Schaffung wirtschaftlicher Chancen seien Prinzipien, die Texaner über das gesamte politische Spektrum hinweg schätzen.
Texas müsse das Rad nicht neu erfinden. Andere Bundesstaaten hätten jahrelange Beispiele dafür geliefert, was funktioniert und was nicht. Daraus ließen sich Lehren ziehen: übermäßige Lizenzgebühren vermeiden, die kleinere Anbieter verdrängen, vernünftige Steuersätze festlegen, damit legale Unternehmen mit dem illegalen Markt konkurrieren können, und sicherstellen, dass ländliche Gebiete einen Platz am Tisch haben, statt die wirtschaftlichen Vorteile allein auf große Ballungsräume zu konzentrieren. Konkrete Gesetzesvorlagen oder einen Zeitplan nennt der Gastbeitrag nicht.
Boyd schließt mit einem Appell: Texas habe das Land, die Menschen, unternehmerisches Talent und den Markt – und nun auch die politische Gelegenheit. Diese gelte es zu nutzen, statt ein weiteres verwirrendes, übermäßig restriktives System zu schaffen, das einer kleinen Auswahl nützt. Ziel sei eine Branche, die texanischen Landwirten, Unternehmern, kleinen Unternehmen und Verbrauchern eine echte Teilhabe ermöglicht.
