SpaceX: Google-Vorstand Don Harrison tritt aus Aufsichtsrat zurück
Der langjährige Google-Manager Donald Harrison verlässt den Verwaltungsrat des Raketenherstellers SpaceX.

Don Harrison, Aufsichtsratsmitglied von SpaceX und Führungskraft beim Google-Mutterkonzern Alphabet, hat sein Amt im Unternehmen von Elon Musk niedergelegt. Das teilte SpaceX in einer Einreichung mit, in der sich das Raumfahrtunternehmen bei Harrison für seinen Dienst bedankte. Der Rücktritt betrifft einen der prominentesten Vertreter von Alphabet im Umfeld des Raketenherstellers.
SpaceX gab am Freitag bekannt, dass der langjährige Google-Executive Donald Harrison aus dem Aufsichtsrat des Raketenherstellers ausgeschieden ist. Harrison ist seit 2005 bei Google tätig und bekleidet dort die Position des Präsidenten für globale Partnerschaften und Unternehmensentwicklung. Damit verlässt ein Manager das Kontrollgremium, der die Verbindung zwischen beiden Konzernen über viele Jahre mitgestaltet hat.
In der behördlichen Einreichung erklärte SpaceX, die Entscheidung von Herrn Harrison zum Rücktritt sei "nicht aufgrund von Uneinigkeiten mit dem Unternehmen in Bezug auf Operationen, Richtlinien oder Praktiken" erfolgt. Das Unternehmen dankte Harrison für seine "vielen Beiträge sowie seine jahrelange, engagierte und herausragende Dienstleistung". Die Ankündigung erfolgt rund fünf Monate nach dem Börsengang von SpaceX, der als größter IPO in der Geschichte gilt.
Alphabet hält einen SpaceX-Anteil im Wert von 74 Milliarden Dollar
Alphabet ist der größte institutionelle Anleger bei SpaceX und hielt zum Schluss am Freitag einen Anteil im Wert von 74 Milliarden Dollar. Die aktuelle Marktkapitalisierung von SpaceX liegt bei etwa 1,8 Billionen Dollar. Damit entfällt auf den Google-Mutterkonzern ein erheblicher Teil des Börsenwerts des Raketenherstellers.
Die Beziehung reicht weit zurück: Alphabet hatte bereits 2015 in das Unternehmen von Elon Musk investiert, als SpaceX noch auf eine Bewertung von etwa 12 Milliarden Dollar geschätzt wurde. Aus dieser frühen Beteiligung ist über die Jahre eine der wertvollsten Positionen des Konzerns geworden. Der Wert der SpaceX-Beteiligung ist damit ein zentraler Faktor für die Bewertung von Alphabet selbst.
Google zahlt SpaceX bis zu 920 Millionen Dollar monatlich für Rechenkapazität
Neben der Beteiligung verbindet beide Unternehmen ein umfangreiches Geschäft. Google ist ein wichtiger Kunde von SpaceX und hat vereinbart, der KI-Sparte des Unternehmens bis zu 920 Millionen Dollar monatlich für Rechenkapazität aus dessen Rechenzentren im Raum um Memphis, Tennessee, zu zahlen. Zudem haben die Unternehmen kürzlich gemeinsam daran gearbeitet, Google-KI-Chips via Project Suncatcher in den Orbit zu befördern.
Google betonte in einer per E-Mail übermittelten Erklärung: "Obwohl Don vom Aufsichtsrat zurücktritt, unterstützen wir die Mission von SpaceX weiterhin zutiefst und freuen uns darauf, unsere langjährige Partnerschaft fortzusetzen." Der Rücktritt ändert nach Darstellung beider Seiten also nichts an der operativen Zusammenarbeit.
aktien.news berichtete bereits mehrfach über die Verbindung von Google und SpaceX
Bereits am 06.06.2026 berichtete aktien.news, dass Google monatlich 920 Millionen Dollar für gemietete Rechenkapazitäten an SpaceX zahlt. Die Vereinbarung läuft dem Bericht zufolge von Oktober dieses Jahres bis Ende Juni 2029 und dient Google dazu, seine KI-Dienste mit ausreichend Rechenleistung zu versorgen. Schon zuvor hatte SpaceX einen ähnlichen Vertrag mit dem KI-Unternehmen Anthropic abgeschlossen, bei dem monatlich 1,25 Milliarden Dollar in einem mehrjährigen Abkommen fließen. Beide Deals zusammen machen den Raumfahrtkonzern zu einem bedeutenden Vermieter von KI-Infrastruktur.
Am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass Space Exploration Technologies (Ticker SPCX) von der Google-Tochter eine monatliche Zahlung in Höhe von 920 Millionen US-Dollar erhält. Der Betrag war die erste Rate aus dem Rechenkapazitäts-Mietvertrag; im Gegenzug erhält Google Zugang zu rund 110.000 Nvidia-GPUs. Auf Basis der monatlichen Zahlung ergibt sich für Google ein jährlicher Aufwand von etwa 11 Milliarden US-Dollar, über die gesamte Laufzeit von 33 Monaten summiert sich das Volumen auf rund 30 Milliarden US-Dollar.
Am 20.04.2026 berichtete aktien.news, dass Google laut einer Offenlegung Ende des Vorjahres einen Anteil von 6,11 Prozent an SpaceX hielt. Durch die Fusion von SpaceX mit Musks KI-Start-up xAI im Februar dürfte dieser Anteil laut Bloomberg auf rund 5 Prozent verwässert worden sein. Am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass die SpaceX-Beteiligung von Alphabet im zweiten Quartal laut Ergebnisbericht noch 94,1 Milliarden Dollar wert war und zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei rund 65,6 Milliarden Dollar lag. Das zeigt, wie stark der Wert dieser Beteiligung schwankt.
Für deutsche Privatanleger ist die SpaceX-Beteiligung nur indirekt zugänglich
SpaceX selbst ist seit dem Börsengang vor rund fünf Monaten an der Börse notiert. Anleger, die auf das Unternehmen setzen wollen, können dies über die Aktie tun, sofern sie Zugang zum entsprechenden Markt haben. Alternativ lässt sich die Beteiligung indirekt über Alphabet abbilden: Wer in Alphabet-Aktien investiert, sichert sich damit nach Einschätzung aus früheren Berichten von aktien.news auch einen Anteil an SpaceX.
Für die Bewertung von Alphabet spielt die SpaceX-Beteiligung eine erhebliche Rolle. Sie war im zweiten Quartal laut Ergebnisbericht 94,1 Milliarden Dollar wert, während der Anteilswert zum Schluss am Freitag bei 74 Milliarden Dollar lag. Diese Schwankungen sollte ein Anleger bei der Einschätzung des Engagements berücksichtigen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Rechenkapazitätsvertrag zwischen Google und SpaceX läuft bis Juni 2029
Der Mietvertrag über Rechenkapazität läuft von Oktober 2026 bis Juni 2029 und sichert SpaceX über Jahre hinweg planbare Einnahmen. Google hat erklärt, die Partnerschaft fortsetzen zu wollen, auch wenn Harrison den Aufsichtsrat verlässt. Der Vertrag sieht nach früheren Berichten monatliche Zahlungen von 920 Millionen US-Dollar vor, wobei über die gesamte Laufzeit ein Volumen von rund 30 Milliarden US-Dollar zusammenkommt.
Wie sich das Kontrollgremium von SpaceX nach dem Ausscheiden Harrisons zusammensetzt und ob ein Nachfolger benannt wird, geht aus der Einreichung nicht hervor. Auch zur genauen Dauer des Vorgangs macht das Unternehmen keine Angaben.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der Meldung
- Aufsichtsrat: das Kontrollgremium eines Unternehmens, das die Geschäftsführung überwacht und zentrale Entscheidungen mitverantwortet.
- Institutioneller Anleger: eine große Organisation wie ein Fonds, eine Versicherung oder ein Konzern, die mit erheblichen Summen in Unternehmen investiert.
- Börsengang: der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an einer Börse, durch den es Kapital von öffentlichen Anlegern aufnimmt.
