Sieg der Demokraten könnte Volatilität in den KI-Handel bringen
UBS erwartet nach den US-Zwischenwahlen mehr Schwankungen bei Technologiewerten, sieht den KI-Investitionszyklus aber nicht gefährdet.

Der deutliche Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat den europäischen Aktienmärkten am Mittwoch klare Gewinne beschert und zugleich neue Diskussionen über die Zukunft des KI-Handels ausgelöst. In einer Notiz der Großbank UBS heißt es, die starke Leistung der Demokraten werde zu erneuter Volatilität an den Technologiebörsen führen, den KI-Investitionszyklus jedoch nicht zwangsläufig zum Erliegen bringen. Der paneuropäische Stoxx Europe 600 stieg im Handelsverlauf um 1,1 Prozent.
Bereits zum Handelsstart in Europa hatten die Indizes zugelegt, nachdem der Wahlausgang den Märkten Klarheit gebracht hatte. Banken und tarifexponierte Werte rallyten, der kontinentweite Stoxx 600 lag zunächst um 0,5 Prozent im Plus. Der Londoner FTSE 100 notierte um 0,2 Prozent höher.
UBS zufolge leiten die Ergebnisse eine Ära politischer Blockade in den USA ein. Entscheidend für Rechenzentrumsprojekte könnte dabei weniger der Wechsel der Mehrheitsverhältnisse im Kongress sein als die Zusammensetzung der Regierungen auf Bundesstaatenebene – einschließlich des Ergebnisses in Texas, so die Bank.
Die europäischen Leitindizes legen nach dem Wahlausgang geschlossen zu
In London führten Bergbauunternehmen den Index an, allen voran Fresnillo mit einem Zuschlag von 3,6 Prozent; auch Banken gewannen an Boden. Der deutsche DAX legte um 0,55 Prozent zu und wurde von einem Sprung um 7,3 Prozent bei Heidelberg Materials angeführt.
In Paris stieg der CAC 40 um 0,4 Prozent, gestützt durch Gewinne bei Banken – Societe Generale legte um 3,3 Prozent zu –, obwohl Rüstungsaktien nach unten zogen. Italiens FTSE MIB gewann 1,1 Prozent, während der spanische IBEX 35 um 1,4 Prozent zulegte. Der niederländische AEX stieg um 0,3 Prozent.
Steigende Goldpreise treiben die Londoner Bergbauwerte an
Ein zweiter Schub kam vom Edelmetallmarkt. Die Londoner Bergbauunternehmen eröffneten höher, nachdem die Goldpreise aufgrund eines weicheren Dollars und fallender Renditen für US-Staatsanleihen gestiegen waren. Der Anstieg folgte den Ergebnissen der US-Zwischenwahlen, die die Nachfrage nach sicheren Häfen angekurbelt hatten.
Im frühen europäischen Handel stiegen die Gold-Futures in New York um 2,6 Prozent auf 4.041,50 Dollar pro Feinunze, nachdem sie in der Vorwoche unter 4.000 Dollar gefallen waren. Silber-Futures gewannen 4,15 Prozent auf 51,82 Dollar pro Unze. Unter den Einzelwerten legten Hochschild Mining um 4,2 Prozent zu, während die Kollegen Fresnillo und Endeavour beide um rund 3,5 Prozent stiegen. Anglo American war 2,7 Prozent höher, während das Kupferbergbauunternehmen Antofagasta um 2,6 Prozent zulegte.
Lombard Odier erwartet Unterstützung für US-Aktien und den Dollar
Auch die US-Märkte stehen im Fokus. US-Aktien und der Dollar sollten durch relative US-Stärke und höhere Zinsdifferenziale nach den Zwischenwahlen gestützt werden, sagt Michael Strobaek von Lombard Odier in einer Kommentierung. „Ein demokratischer Sweep sollte die Unabhängigkeit der Fed verstärken, da die Zustimmung des Senats zu neuen Vorstandsmitgliedschaften eine institutionelle Kontrolle bieten würde, was den Dollar stützt“, sagt der globale Chief Investment Officer.
Strobaek fügt hinzu, dass US-Aktien nach Zwischenwahlen tendenziell steigen. Bewertungen preisen bereits viele Unsicherheiten ein, während das Gewinnwachstum unter den Industrieländern am stärksten bleibt, so der CIO. Die Bank bleibt übergewichtet in US-Aktien.
UBS sieht keinen Grund für einen sofortigen strategischen Shift
Die UBS dämpft trotz der erwarteten Schwankungen die Erwartung einer grundlegenden Neubewertung. „Wir sind jedoch der Ansicht, dass das Ergebnis die mittelfristige fundamentale Perspektive nicht ausreichend verändert, um einen sofortigen strategischen Shift in den Portfolios zu rechtfertigen“, zitiert die Notiz die Bank. Die Volatilität im Technologiesektor und in anderen Bereichen, die stärkerer regulatorischer Prüfung unterliegen, könnte zunehmen.
Bereits im Juni beflügelte ein Chipausblick die europäischen Technologiewerte
Der Blick in die jüngere Berichterstattung zeigt, wie stark der Technologiesektor die europäischen Indizes zuletzt bewegt hat. Bereits am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass kräftige Prognosen des Chipherstellers STMicroelectronics den gesamten Technologiesektor beflügelten. Der paneuropäische STOXX 600 stieg damals bis 07:15 Uhr GMT um 0,7 Prozent auf 625,20 Punkte, Technologiewerte führten die Sektorgewinne mit einem Plus von 2,4 Prozent an. Die Aktie von STMicroelectronics kletterte um 9,8 Prozent auf 65,10 Euro und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2000.
Am 18.09.2026 meldete aktien.news eine Erholung der europäischen Aktienmärkte, getragen von Banken- und KI-bezogenen Werten. Der europaweite Stoxx 600 legte damals um 0,4 Prozent zu, der FTSE 100 um 0,35 Prozent; das Hausbauunternehmen Barratt Redrow stieg nach Gewinnzahlen um 6,15 Prozent. Am 01.10.2026 eröffneten die europäischen Indizes ebenfalls im Plus, angeführt von Versorgungsunternehmen und Bergbauaktien: Der Stoxx 600 gewann 0,6 Prozent, der FTSE 100 0,7 Prozent, SSE 2,3 Prozent und Rio Tinto 2,2 Prozent. Der CAC 40 stieg um 0,3 Prozent, Accor um 1,65 Prozent und Airbus um 1,5 Prozent.
Schließlich berichtete aktien.news am 07.10.2026, dass die UBS trotz steigender Zinsen und Energiepreise ihre optimistische Sicht auf die europäischen Aktienmärkte beibehält. Matthew Gilman, Leiter der europäischen Aktienstrategie im Chief Investment Office von UBS Global Wealth Management, erklärte damals, dass Umsätze neben der „bereits gut etablierten Kostenkontrolle“ zu einem wichtigeren Gewinntreiber werden.
Der Wahlausgang verändert die kurzfristige Lage, nicht die langfristige Logik
Für deutsche Anleger ist die Botschaft zweigeteilt. Einerseits sorgt der klare Wahlausgang kurzfristig für Klarheit und beflügelt zyklische Sektoren wie Banken und Bergbau, die in den europäischen Indizes deutlich zulegten. Andererseits mahnt die UBS zur Vorsicht bei Technologie- und KI-Werten, die stärkerer regulatorischer Prüfung unterliegen und deren Kurse empfindlicher auf politische Nachrichten reagieren könnten.
Wer in europäische Indizes investiert ist, konnte am Handelstag von der breiten Erholung profitieren: Vom DAX über den CAC 40 bis zum IBEX 35 lagen alle genannten Leitindizes im Plus. Die Bergbauwerte wiederum profitierten gleich doppelt – von der Nachfrage nach sicheren Häfen und von den gefallenen Renditen für US-Staatsanleihen. Die UBS betont jedoch, dass die mittelfristige fundamentale Perspektive durch das Wahlergebnis nicht ausreichend verändert werde, um einen sofortigen strategischen Shift in den Portfolios zu rechtfertigen.
UBS und Lombard Odier erwarten kurzfristig mehr Schwankungen als einen Richtungswechsel
Die Einschätzungen der beiden Banken richten sich auf die kommenden Handelswochen. UBS rechnet mit zunehmender Volatilität im Technologiesektor und in anderen Bereichen, die stärkerer regulatorischer Prüfung unterliegen, hält aber an der Einschätzung fest, dass der KI-Investitionszyklus nicht zwangsläufig zum Erliegen kommt. Lombard Odier erwartet, dass US-Aktien und der Dollar durch relative US-Stärke und höhere Zinsdifferenziale gestützt bleiben, und bleibt in US-Aktien übergewichtet. Beide Häuser verweisen darauf, dass US-Aktien nach Zwischenwahlen tendenziell steigen und dass Bewertungen bereits viele Unsicherheiten einpreisen.
Diese drei Begriffe sollten Anleger einordnen können
- Volatilität: Maß für die Schwankungsintensität von Kursen innerhalb eines bestimmten Zeitraums.
- Zinsdifferenzial: Unterschied zwischen den Zinssätzen zweier Währungsräume, der Kapitalströme und Wechselkurse beeinflusst.
- Sichere Häfen: Anlageklassen, die in Phasen politischer Unsicherheit bevorzugt nachgefragt werden.
