Pflegekräfte zahlen 11.508 Dollar aus eigener Tasche – Anstieg um 60 Prozent
Eine AARP-Studie zeigt: Der durchschnittliche Eigenanteil pflegender Angehöriger in den USA liegt bei 11.508 Dollar pro Jahr.

Wer in den USA einen erwachsenen Angehörigen pflegt, gibt dafür im Durchschnitt 11.508 Dollar pro Jahr aus eigener Tasche aus. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen, großen Studie der AARP, über die MarketWatch berichtet. Der durchschnittliche Eigenanteil liegt damit bei mehr als 11.000 Dollar jährlich – eine Summe, die viele betroffene Familien kaum einplanen können.
Noch bemerkenswerter als die absolute Höhe ist die Entwicklung: Innerhalb von fünf Jahren ist dieser Eigenanteil um 60 Prozent gestiegen. Die finanzielle Last der Pflege wächst damit deutlich schneller, als es die meisten Betroffenen erwarten dürften. Für die Haushalte bedeutet das, dass ein wachsender Teil des verfügbaren Einkommens in die Versorgung von Eltern, Partnern oder anderen Angehörigen fließt.
Die Studie beschreibt, wie diese Belastung entsteht: selten als einzelner großer Posten, sondern schleichend. Zunächst steht ein großer Arzttermin an, für den man anreist. Nach der Erschöpfung aller Beteiligten greift man zur Lieferung von Fertiggerichten. Vielleicht fällt auf, dass die Vorräte an Lebensmitteln niedrig sind, und man bestellt eine Lieferung. Bevor man es bemerkt, ist man bereits tief in der Materie drin – und die Ausgaben summieren sich zu einem Betrag, der die eigene Finanzplanung sprengt.
Die finanzielle Betreuung beginnt schleichend und mündet in 11.508 Dollar Eigenanteil
Der Wert von 11.508 Dollar ist ein Durchschnitt über alle untersuchten Pflegenden hinweg. Er beschreibt also nicht den Einzelfall, sondern die typische Belastung einer Gruppe, die in den USA sehr groß ist. Die AARP ist eine gemeinnützige und überparteiliche Organisation, die sich für Menschen ab 50 Jahren einsetzt. Ihre Studien gelten in den USA als wichtige Referenz in der Debatte um Altersvorsorge und Pflege.
Der Beitrag von MarketWatch erschien am 31. Oktober 2026. Er ordnet die Zahl in eine Entwicklung ein, die seit Jahren in dieselbe Richtung zeigt: Die Kosten der Pflege werden zunehmend von den Familien selbst getragen. Auffällig ist vor allem die Geschwindigkeit des Anstiegs – 60 Prozent in fünf Jahren. Wer heute mit der Pflege eines Angehörigen beginnt, muss also damit rechnen, dass die eigene Belastung in den kommenden Jahren weiter zunimmt.
Bereits am 26.10.2026 berichtete aktien.news über die politische Dimension der Pflegekosten
Schon vor der aktuellen Studie war die finanzielle Belastung pflegender Angehöriger ein Thema, das aktien.news begleitet hat. Am 26.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Pflege erwachsener Angehöriger für Millionen von Familien in den USA längst nicht mehr nur eine persönliche Verantwortung ist, sondern zu einer Frage der Erschwinglichkeit geworden ist. Laut dem damals zitierten AARP-Bericht leisten rund 59 Millionen Amerikaner Pflegeleistungen für erwachsene Familienmitglieder, Nachbarn oder Freunde. Viele dieser Pflegenden sahen sich mit wachsenden finanziellen Belastungen konfrontiert, während sie die Kosten für die Unterstützung ihrer Lieben mit ihren eigenen Haushaltsausgaben in Einklang bringen mussten. Der Bericht ordnete das Thema zugleich als Wählerpotenzial bei den Midterm-Wahlen 2026 ein.
Am 27.03.2026 berichtete aktien.news über eine AARP-Studie, nach der rund 59 Millionen Amerikaner im Jahr 2024 ein erwachsenes Familienmitglied, einen Nachbarn oder einen Freund ohne Bezahlung gepflegt haben. Die geleisteten Pflegestunden summierten sich auf insgesamt 49,5 Milliarden Stunden. Der wirtschaftliche Gesamtwert dieser unbezahlten Arbeit beläuft sich laut den Berechnungen des Berichts auf 1,01 Billionen US-Dollar pro Jahr. Damit überschritt der Wert informeller Pflegeleistungen erstmals die Billionen-Dollar-Grenze.
Am 16.06.2026 berichtete aktien.news über einen MarketWatch-Bericht, wonach sich rund 23 Millionen Menschen in den USA um einen älteren Erwachsenen kümmern – und das sie physisch, psychisch und finanziell auszehrt. Als Beispiel nannte der Bericht Wendy McDonnel aus Sioux Falls, South Dakota. Die 54-Jährige koordiniert die Pflege ihrer beiden betagten Eltern: Ihr Vater ist 84, ihre Mutter 82 Jahre alt. Beide leben in einer Einrichtung.
Am 19.05.2026 berichtete aktien.news über die lebenslangen Kosten der Alzheimer-Pflege. Laut der Alzheimer's Association belaufen sich die gesamten lebenslangen Pflegekosten für einen Alzheimer-Patienten auf rund 417.000 Dollar. Dieser Betrag umfasst private Zuzahlungen sowie Leistungen von Medicare und Medicaid und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie die geschätzten lebenslangen Pflegekosten für Menschen ohne diese Erkrankung. Wer Pflege in einem Heim benötigt, muss mit Kosten von mehr als 100.000 Dollar pro Jahr rechnen.
Für deutsche Privatanleger liefert die Studie vor allem Kontext zum US-Konsum
Die Zahlen betreffen unmittelbar US-amerikanische Haushalte, nicht deutsche. Sie sind dennoch relevant, weil sie zeigen, wie stark die Ausgaben privater Haushalte in den USA durch Pflegeverpflichtungen gebunden werden. Ein wachsender Eigenanteil von durchschnittlich 11.508 Dollar pro Jahr reduziert den Spielraum für andere Konsumausgaben der betroffenen Familien. Für Anleger, die den US-Konsum als Konjunkturindikator verfolgen, ist das ein Puzzleteil unter vielen – ein direkter Investmenthinweis lässt sich daraus nicht ableiten.
Bemerkenswert ist zudem die Größenordnung der unbezahlten Arbeit: 49,5 Milliarden Stunden und ein wirtschaftlicher Wert von 1,01 Billionen US-Dollar pro Jahr. Diese Leistung taucht in keiner offiziellen Wirtschaftsstatistik als bezahlte Dienstleistung auf. Sie erklärt aber, warum die Pflege in den USA politisch an Gewicht gewinnt.
Die Midterm-Wahlen 2026 rücken die Pflegekosten in den Mittelpunkt
Der Archivbericht vom 26.10.2026 ordnete das Thema ausdrücklich als Wählerpotenzial bei den Midterm-Wahlen 2026 ein. Ein konkreter Termin für neue politische Entscheidungen oder weitere Studien wird im Quelltext nicht genannt. Klar ist nur: Die AARP-Studie mit dem Durchschnittswert von 11.508 Dollar und dem Anstieg um 60 Prozent innerhalb von fünf Jahren liefert der Debatte neuen Zahlenstoff. Ob und wann daraus politische Konsequenzen folgen, bleibt offen.
Drei zentrale Begriffe helfen beim Verständnis der Zahlen
- AARP: Eine gemeinnützige und überparteiliche US-Organisation, die sich für die Interessen von Menschen ab 50 Jahren einsetzt und regelmäßig Studien zur Pflege veröffentlicht.
- Eigenanteil: Der Teil der Pflegekosten, den Betroffene oder ihre Familien selbst tragen, weil er nicht von Versicherungen oder staatlichen Programmen übernommen wird.
- Informelle Pflege: Unbezahlte Pflegeleistungen, die Angehörige, Nachbarn oder Freunde für erwachsene Personen erbringen.
