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Microsoft kündigt Datencenter-Deal mit Nscale: Rückschlag für KI-Startup

Der US-Konzern zieht sich als Ankermieter aus dem geplanten KI-Supercomputer in Loughton, Essex, zurück.

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Microsoft kündigt Datencenter-Deal mit Nscale: Rückschlag für KI-Startup

Microsoft hat eine Vereinbarung zur Anmietung von Rechenkapazitäten beim britischen KI-Startup Nscale aufgekündigt. Wie die Financial Times und der Telegraph übereinstimmend berichten, betrifft der Rückzug des US-Konzerns den geplanten Datencenter-Standort in Loughton, Essex. Ursprünglich war vorgesehen, dass Microsoft als Ankermieter die gesamte Kapazität von 50 Megawatt des dort geplanten KI-Supercomputers nutzt. Dieser sollte mit rund 23.000 Nvidia GB300-Chips ausgestattet werden.

Der Deal war Teil einer umfassenden Investitionsoffensive Microsofts in Großbritannien. Premierminister Sir Keir Starmer hatte das Engagement als Meilenstein für die angestrebte KI-Führungsrolle des Landes gefeiert. Der nun bekannt gewordene Rückzug dürfte diese Ambitionen zumindest dämpfen und wirft ein Schlaglicht auf die Grenzen der britischen Infrastruktur.

Stromversorgung als Knackpunkt

Hauptgrund für das Scheitern des Projekts sind laut den Berichten massive Verzögerungen bei der Stromversorgung. Nscale wurde demnach mitgeteilt, dass der Standort in Loughton voraussichtlich erst nach 2030 an das Stromnetz angeschlossen werden kann. Für ein Projekt dieser Größenordnung bedeutet das eine kaum kalkulierbare Verschiebung – und stellt den wirtschaftlichen Nutzen des Standorts grundsätzlich infrage.

Das Problem ist kein Einzelfall. Die britische Regulierungsbehörde Ofgem warnt bereits seit längerem vor einem Engpass bei der Netzinfrastruktur. Aktuell stehen rund 315 Rechenzentren mit einem Energiebedarf von 73 Gigawatt auf der Warteliste für einen Netzanschluss. Zum Vergleich: Die nationale Spitzenlast liegt bei 45 Gigawatt. Die Nachfrage übersteigt das bestehende Angebot damit deutlich.

Ofgem plant daher, Betreiber künftig mit hohen Gebühren an den Netzausbaukosten zu beteiligen. Damit sollen Anreize geschaffen werden, Kapazitäten effizienter zu nutzen und den Ausbau des Stromnetzes zu beschleunigen. Für die Betreiber von KI-Rechenzentren bedeutet dies zusätzliche Kosten, die ihre ohnehin schon kapitalintensiven Projekte weiter verteuern.

Kritischer Zeitpunkt für Nscale

Für das von Nvidia unterstützte Unternehmen Nscale kommt der Rückzug zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Startup bereitet derzeit einen Börsengang in den USA vor. Dabei wird eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar angestrebt. Nscale ist hochkarätig besetzt: Zu den Vorstandsmitgliedern zählen unter anderem die ehemaligen Meta-Manager Sir Nick Clegg und Sheryl Sandberg.

Die Abhängigkeit von wenigen Großkunden ist erheblich. Microsoft und das KI-Unternehmen Anthropic machen laut IPO-Unterlagen etwa 85 Prozent der gesamten Vertragswerte von Nscale aus. Der Verlust des Ankermieters Microsoft erhöht damit den Druck auf das Unternehmen vor dem geplanten Gang an die Börse. Zudem drohen Nscale bei Nichteinhaltung von Lieferfristen für weitere Projekte empfindliche Vertragsstrafen – etwa am Standort in West Virginia.

Nscale betonte in einer Stellungnahme, man bleibe dem Standort Loughton und dem britischen Markt verpflichtet. Das Unternehmen prüfe alternative Energiequellen. Die Beziehung zu Microsoft sei weiterhin stark und langfristig angelegt. Der Vorfall habe keine Auswirkungen auf andere bestehende Verträge, etwa in Texas oder Norwegen.

Investoren werden vorsichtiger

Dennoch wächst bei Anlegern die Skepsis gegenüber der Branche. Die Aktienkurse von Wettbewerbern wie CoreWeave und Nebius gaben zuletzt deutlich nach. Darin spiegeln sich Sorgen über die hohe Verschuldung und die Finanzierungsrisiken bei der Expansion von KI-Infrastrukturen wider. Auch der australische Entwickler Firmus musste kürzlich seinen geplanten Börsengang aufgrund mangelnder Nachfrage absagen.

Nscale zufolge hat das Unternehmen seit seiner Gründung einen Vertragswert von über 103 Milliarden Dollar generiert. Die operative Umsetzung bleibt jedoch die zentrale Herausforderung – insbesondere die rechtzeitige Inbetriebnahme der Rechenzentren. Ob der angekündigte Börsengang angesichts des verlorenen Ankermieters und der regulatorischen Hürden im Zeitplan bleibt, ist offen. Für deutsche Anleger, die in den KI-Infrastruktursektor investieren, ist die Entwicklung ein warnendes Beispiel für die Risiken zwischen vollmundigen Ankündigungen und tatsächlicher Umsetzung.

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