Mexiko: Analysten heben Inflations- und Wachstumsprognosen leicht an
Die von der mexikanischen Zentralbank befragten Analysten erwarten für 2026 und 2027 etwas höhere Teuerung und ein etwas stärkeres Wirtschaftswachstum.

Mexiko-Stadt, 3. November (Reuters) – Die von der mexikanischen Zentralbank befragten Analysten des privaten Sektors haben ihre Erwartungen für die Gesamtinflation in diesem Jahr und 2027 leicht nach oben korrigiert. Ebenso hoben sie ihre Schätzungen zum Wirtschaftswachstum für beide Jahre an. Das teilte die Bank am Dienstag mit.
Konkret erwarten die befragten Experten die Gesamtinflation für dieses Jahr nun bei 3,88 Prozent, nach zuvor 3,87 Prozent. Für Ende 2027 rechnen sie mit einem Wert von 3,85 Prozent, verglichen mit einer vorherigen Prognose von 3,82 Prozent. Die Korrekturen fallen damit ausgesprochen klein aus und bewegen sich im Bereich weniger Hundertstel Prozentpunkte.
Auch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) geht die Tendenz leicht nach oben. Für 2026 erwarten die Analysten nun ein Wachstum von 1,50 Prozent, nach einer früheren Schätzung von 1,40 Prozent. Für 2027 lautet die Prognose 1,83 Prozent, zuvor 1,80 Prozent. Mexiko würde damit nach Einschätzung der Befragten in beiden Jahren moderat wachsen.
Die Umfrage stützt sich auf die Medianwerte von 40 Analysten
Die Erhebung der mexikanischen Zentralbank umfasste 40 Analysten und wurde zwischen dem 19. und 29. Oktober durchgeführt. Bei den veröffentlichten Werten handelt es sich um Mediane, also um den mittleren Wert der abgegebenen Schätzungen. Der Median ist weniger anfällig für einzelne Extremwerte als ein einfacher Durchschnitt, weshalb Zentralbanken ihn in solchen Umfragen häufig verwenden.
Bemerkenswert ist der Blick der Analysten auf die Geldpolitik. Sie erwarten nicht, dass die Zentralbank bis Ende 2027 weitere Änderungen an ihrem Leitzins vornehmen wird. Der Leitzins liegt derzeit bei 6,50 Prozent. Aus Sicht der Befragten bleibt dieser Satz damit über einen längeren Zeitraum unverändert.
Bereits am 4. August 2026 meldete aktien.news eine gesenkte Inflationsprognose
Die aktuellen Zahlen sind Teil einer längeren Reihe von Prognoseanpassungen. Bereits am 4. August 2026 berichtete aktien.news, dass Analysten des Privatsektors in Mexiko ihre Inflationserwartungen für 2026 nach unten korrigiert und gleichzeitig ihre Wachstumsprognosen leicht angehoben hatten. Für die Gesamtinflation zum Jahresende 2026 prognostizierten die befragten Experten damals einen Wert von 4,0 Prozent, nach 4,2 Prozent im Vormonat. Auch die Kerninflation wurde mit 4,0 Prozent erwartet, nach zuvor 4,18 Prozent.
Am 6. Juni 2026 berichtete aktien.news über die zweiwöchentliche Citi-Umfrage unter Ökonomen, die ihre Inflationserwartungen für die kommenden Jahre leicht anhoben. Damals erwarteten die Befragten für 2026 einen Anstieg des mexikanischen Verbraucherpreisindex um 4,35 Prozent im Jahresvergleich, nach 4,30 Prozent in der vorangegangenen Umfrage vom 20. Mai. Der Ausblick für 2027 wurde von 3,80 auf 3,90 Prozent angehoben.
Nur gut zwei Wochen später, am 23. Juni 2026, meldete aktien.news einen gegenläufigen Trend: Von Citi befragte Ökonomen senkten ihre Inflationserwartungen für Mexiko für die Jahre 2026 und 2027. Die Prognose für 2026 sank von 4,35 auf 4,23 Prozent, der Ausblick für 2027 von 3,90 auf 3,80 Prozent. Die Kerninflation blieb für 2026 unverändert bei 4,20 Prozent und für 2027 stabil bei 3,85 Prozent.
Am 9. September 2026 berichtete aktien.news, dass die jährliche Inflationsrate in Mexiko im August erstmals seit fünf Monaten gestiegen war. Sie erreichte 3,26 Prozent, nachdem sie im Juli noch bei 3,12 Prozent gelegen hatte. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 0,20 Prozent, nach einem Anstieg von 0,03 Prozent im Vormonat. Die mexikanische Notenbank Banxico verfolgt ein Inflationsziel von 3 Prozent.
Für Anleger sind die kleinen Korrekturen vor allem ein Stimmungssignal
Für deutsche Privatanleger sind die Anpassungen im Hundertstelbereich weniger als präzise Prognose denn als Stimmungssignal zu lesen. Die Richtung – leicht höhere Inflation bei gleichzeitig leicht höherem Wachstum – spricht für eine stabilere Einschätzung der mexikanischen Wirtschaft. Zugleich liegen die Inflationserwartungen der Analysten mit 3,88 Prozent für dieses Jahr und 3,85 Prozent für Ende 2027 nur moderat über dem Inflationsziel der Notenbank von 3 Prozent, das im Archivbericht vom 9. September 2026 genannt wurde.
Besonders relevant ist der Hinweis auf den Leitzins. Wenn die Analysten bis Ende 2027 keine Änderungen erwarten, preisen sie eine Phase unveränderter Geldpolitik ein. Der aktuelle Leitzins von 6,50 Prozent bleibt damit aus Sicht der Befragten der maßgebliche Referenzwert für die Finanzierungskosten im Land. Wer sich mit mexikanischen Staatsanleihen oder dem Peso beschäftigt, findet darin einen wichtigen Orientierungspunkt.
Zu beachten ist, dass es sich um Medianwerte einer Umfrage handelt und nicht um offizielle Prognosen der Zentralbank. Die Werte können sich mit jeder neuen Erhebung ändern. Der Vergleich mit den früheren Berichten zeigt, wie stark die Erwartungen schwankten: Zwischen Juni und August 2026 lagen die Inflationsprognosen für 2026 in den zitierten Umfragen zwischen 4,0 und 4,35 Prozent.
Bis Ende 2027 erwarten die Analysten keine Zinsänderung
Der Ausblick der befragten Experten ist klar umrissen. Bis Ende 2027 rechnen sie nicht mit weiteren Änderungen am Leitzins, der derzeit bei 6,50 Prozent liegt. Die Inflationserwartung für dieses Jahr beträgt 3,88 Prozent, für Ende 2027 werden 3,85 Prozent erwartet. Beim Wirtschaftswachstum stehen 1,50 Prozent für 2026 und 1,83 Prozent für 2027 in den Medianwerten.
Die Umfrage wurde zwischen dem 19. und 29. Oktober durchgeführt und umfasste 40 Analysten. Neue offizielle Daten zur mexikanischen Inflation oder zum Bruttoinlandsprodukt nennt der Bericht nicht. Wie sich die tatsächlichen Werte im Vergleich zu den Prognosen entwickeln, bleibt daher offen.
Diese Fachbegriffe helfen beim Einordnen der Zahlen
- Gesamtinflation: Sie misst die durchschnittliche Teuerung aller Waren und Dienstleistungen eines repräsentativen Warenkorbs.
- Kerninflation: Sie misst die Teuerung ohne die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise.
- Leitzins: Er ist der zentrale Zinssatz, über den eine Zentralbank ihre Geldpolitik steuert.
