US-Industrieaufträge übertreffen im September deutlich die Erwartungen der Ökonomen
US-Industrieaufträge legen im September um 1,8 Prozent zu und übertreffen die Erwartungen – getragen von Flugzeugbestellungen und breiter Nachfrage.

Die Auftragseingänge der US-Industrie sind im September stärker gestiegen als von Analysten erwartet. Wie das Census Bureau des US-Handelsministeriums am Dienstag in Washington mitteilte, legten die Auftragseingänge in den Fabriken um 1,8 Prozent zu. Damit fiel das Plus deutlich kräftiger aus als die von Reuters befragten Ökonomen prognostiziert hatten, die einen Anstieg von 1,2 Prozent erwartet hatten.
Für den Vormonat August meldete die Behörde einen nach oben korrigierten Anstieg von 0,3 Prozent. Zuvor war für August ein Zuwachs von lediglich 0,1 Prozent gemeldet worden. Auf Jahresbasis lagen die Auftragseingänge im September um 7,2 Prozent höher.
Der Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 3. November führt die Entwicklung auf den Ausbau der KI-Infrastruktur und die starken Konsumausgaben der privaten Haushalte zurück. Diese beiden Faktoren verankern nach Einschätzung der Agentur die Fertigungsindustrie, die etwa 9,4 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht. Ökonomen haben jedoch gewarnt, dass steigende Zinsen und ein sinkendes inflationsbereinigtes Haushaltseinkommen die Fertigungstätigkeit im kommenden Jahr dämpfen würden – insbesondere in den Segmenten, die nicht vom KI-Ausgabefieber profitieren.
Flugzeugbestellungen treiben die Auftragseingänge nach oben
Den größten Beitrag zum Gesamtergebnis lieferte das volatile Segment der zivilen Flugzeuge und Flugzeugteile. Dessen Buchungen sprangen um 28,3 Prozent. Auch andere Kategorien legten zu: Die Maschinenbestellungen kletterten um 1,5 Prozent, während die Auftragseingänge für Computer und elektronische Produkte um 0,8 Prozent stiegen und damit um 14,9 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen.
Die Auftragseingänge für Kraftfahrzeugkarosserien, -teile und Anhänger erhöhten sich leicht um 0,1 Prozent. Rückläufig entwickelte sich dagegen das Segment der elektrischen Ausrüstung, Haushaltsgeräte und Komponenten, das ein Minus von 0,3 Prozent verzeichnete.
Für die Investitionspläne der Unternehmen gilt ein separater Wert als besonders aussagekräftig: die Auftragseingänge für nicht-verteidigungspolitische Kapitalgüter ohne Flugzeuge. Diese sogenannten Kernkapitalgüter legten im September um 0,6 Prozent zu – statt wie im Vormonat berichtet um 0,5 Prozent. Die Ausfuhren dieser Kernkapitalgüter stiegen nach der initialen Schätzung um 1,2 Prozent.
Bereits im Frühjahr 2026 hatten die Kernkapitalgüter die Erwartungen übertroffen
Der Blick auf die vergangenen Monate zeigt, wie schwankungsanfällig der Indikator ist. Bereits am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Auftragseingänge für wichtige US-amerikanische Investitionsgüter im März deutlich stärker gestiegen waren als von Analysten erwartet. Die Kernaufträge für Investitionsgüter – also Aufträge außerhalb des Verteidigungssektors und ohne Flugzeuge – legten um 3,3 Prozent zu. Dieser Wert übertraf die Prognosen der von Reuters befragten Ökonomen, die lediglich ein Plus von 0,5 Prozent erwartet hatten, bei weitem. Für den Februar wurde der Zuwachs nach einer Aufwärtsrevision auf 1,6 Prozent korrigiert, nachdem zunächst nur 0,7 Prozent gemeldet worden waren.
Auch am 18.02.2026 meldete aktien.news einen Anstieg der Kernkapitalgüter-Aufträge um 0,6 Prozent für den Dezember. Damals hatten die Ökonomen lediglich ein Plus von 0,4 Prozent prognostiziert. Die Auslieferungen von Kerninvestitionsgütern sprangen sogar um 0,9 Prozent nach oben, nachdem sie im November nur um 0,2 Prozent zugelegt hatten.
Am 26.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Aufträge für Investitionsgüter außerhalb der Verteidigung und ohne Flugzeuge im November um 0,7 Prozent gestiegen waren, während Analysten nur 0,3 Prozent erwartet hatten. Die Oktoberaufträge wurden allerdings nach unten korrigiert: Statt der ursprünglich gemeldeten 0,5 Prozent betrug der Zuwachs nur 0,3 Prozent. Die Lieferungen von Kerninvestitionsgütern legten im November um 0,4 Prozent zu, nach einem Anstieg von 0,8 Prozent im Vormonat.
Ein Gegenbild lieferte der Bericht vom 13.03.2026. Damals stagnierten die Auftragseingänge für zivile Kernkapitalgüter im Januar bei 0,0 Prozent, während die von Reuters befragten Ökonomen ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert hatten. Im Dezember war noch ein Anstieg von 0,8 Prozent verzeichnet worden. Auch die Auslieferungen enttäuschten und sanken im Januar um 0,1 Prozent, nachdem sie im Dezember um 1,0 Prozent gestiegen waren.
Der ISM-Index zeigt boomende Produktion bei gedämpfter Stimmung
Obwohl eine Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) am Montag zeigte, dass die Produktion in den Fabriken im Oktober boomte, verschlechterte sich die Stimmung unter den Herstellern weiter. Als Hauptbelastungsfaktoren nannten die Unternehmen Preisschwankungen, längere Lieferzeiten, Zölle sowie den Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran.
Für das kommende Jahr rechnen Ökonomen mit einer Dämpfung der Fertigungstätigkeit
Für deutsche Privatanleger ist die Kennzahl der US-Industrieaufträge vor allem als Frühindikator von Interesse, weil sie Hinweise auf die künftige Produktion und damit auf die Geschäftsentwicklung exportorientierter Unternehmen gibt. Der breite Anstieg im September – getragen von Flugzeugen, Maschinen sowie Computern und Elektronik – deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach langlebigen Gütern in den USA weiterhin intakt ist. Zugleich bleibt die Entwicklung ungleich verteilt: Während das Segment der elektrischen Ausrüstung und Haushaltsgeräte schrumpfte, profitieren vor allem Bereiche, die vom Ausbau der KI-Infrastruktur erfasst werden.
Genau hier liegt die Unsicherheit. Ökonomen erwarten, dass steigende Zinsen und ein sinkendes inflationsbereinigtes Haushaltseinkommen die Fertigungstätigkeit im kommenden Jahr bremsen. Besonders betroffen wären laut Reuters jene Segmente, die nicht vom KI-Ausgabefieber profitieren. Anleger sollten die Kennzahl daher im Zusammenhang mit der Stimmungslage der Hersteller und den genannten Belastungsfaktoren lesen, statt aus einem einzelnen Monatswert einen dauerhaften Trend abzuleiten.
Diese Fachbegriffe sollten Anleger kennen
- Auftragseingänge: Sie erfassen den Wert neuer Bestellungen, die Fabriken im Berichtszeitraum erhalten haben.
- Kernkapitalgüter: Gemeint sind Auftragseingänge für nicht-verteidigungspolitische Kapitalgüter ohne Flugzeuge, die als Maßstab für die Investitionspläne der Unternehmen in die Ausrüstung gelten.
- ISM-Umfrage: Eine Erhebung des Institute for Supply Management, die Aktivität und Stimmung in der US-Industrie abbildet.
