KI-Gewinne in Quartalszahlen: Santander, Novartis und Standard Chartered liefern Belege
Erstmals berichten mehrere Konzerne konkrete finanzielle Beiträge ihrer KI-Initiativen – von Banken über Pharma bis zu Tech-Giganten.

Unternehmen wie Santander, Novartis und Standard Chartered geben an, dass künstliche Intelligenz (KI) zunehmend zu Umsatzsteigerungen, Kostensenkungen oder einer höheren Profitabilität beiträgt. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die Anleger seit Monaten einfordern: Das Interesse an der Technologie geht von der Hype-Phase zu messbaren Renditen über. Die laufende Berichtsperiode für das dritte Quartal liefert nun erste konkrete Zahlen.
Der spanische Bankenriese Santander gab am Mittwoch bekannt, dass KI-Initiativen in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 einen Geschäftswert in Höhe von 194 Millionen Euro (216 Millionen US-Dollar) generiert haben. José García Cantera, Chief Financial Officer (CFO) von Santander, sagte gegenüber CNBC, KI helfe der Bank, Aufgaben mit geringem Wert zu reduzieren, sodass sich die Mitarbeiter auf wertschöpfendere Arbeiten konzentrieren könnten. „Dies betrifft sowohl den Umsatz als auch die Kosten, sodass wir uns tatsächlich in dem Quartal befinden, in dem wir einen direkten positiven Beitrag zur KI nachweisen können“, sagte Cantera.
Der Manager räumte zugleich die Grenzen der Messbarkeit ein. „KI wird in all die Prozesse eingebettet, die wir in der Bank durchführen, daher ist es wirklich schwierig, genau zu sagen, wie viel davon auf KI zurückzuführen ist, aber klar ist, dass KI die Qualität unserer Dienstleistungen für Kunden verbessert“, so Cantera. Der Hintergrund dieser Berichte ist ein massiver Investitionsschub: Die Ausgaben der Unternehmen für KI beliefen sich 2025 auf 581,7 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 130 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Zahl stammt aus dem Stanford HAI AI Index Report 2026.
Santander beziffert den KI-Beitrag mit 194 Millionen Euro
Santander ist damit eines der ersten Institute, das den finanziellen Effekt von KI in einer konkreten Summe ausweist. Der Wert von 194 Millionen Euro bezieht sich ausdrücklich auf die ersten neun Monate des Jahres 2026 und umfasst nach Angaben des CFO sowohl Umsatz- als auch Kosteneffekte. Für Anleger ist dies insofern bemerkenswert, als Banken bislang vor allem über Produktivitätsversprechen sprachen, nicht über bezifferte Beiträge zur Gewinn- und Verlustrechnung.
Die Einordnung des Managements macht deutlich, wie schwer eine saubere Zuordnung bleibt. Da KI in nahezu alle Bankprozesse eingebettet ist, lässt sich der isolierte Effekt einzelner Anwendungen kaum trennen. Santander verweist deshalb auf die verbesserte Servicequalität als qualitativen Beleg und auf den Geschäftswert als quantitative Kennzahl.
Novartis und Standard Chartered sehen KI in ihren Ergebnissen
Der Schweizer Pharmariese Novartis gab an, dass KI beginne, zur Ergebnisverbesserung des Unternehmens beizutragen. CEO Vas Narasimhan sagte gegenüber CNBC, Novartis habe im dritten Quartal ein operatives Kernergebnis in Höhe von 6,04 Milliarden US-Dollar berichtet, was einem jährlichen Anstieg von 10 Prozent bei konstanten Währungen entspricht. Das Unternehmen quantifizierte nicht, welcher Anteil hiervon auf KI zurückzuführen ist.
Narasimhan betonte dennoch die Bedeutung des Quartals. „Ich denke, dies ist das erste Quartal, in dem ich wirklich gesehen habe, wie KI beginnt, unsere Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) auf greifbare Weise zu verbessern“, sagte er am Dienstag in der Sendung „Squawk Box Europe“. In der Forschung und Entwicklung (R&D) prüfe das Unternehmen, ob KI die Produktivität tatsächlich steigern könne. „Wir sehen bereits einige der Produktivitätssteigerungen, die sich in der Ergebnisperformance niederschlagen, was wir mit KI im Bereich Marketing & Sales (M&S) erreichen können“, so Narasimhan.
Auch Standard Chartered meldet Fortschritte. CFO Manus Costello sagte am Mittwoch in „Squawk Box Europe“, das Unternehmen sehe KI „überall im Geschäftsablauf auftauchen“. Die Bank berichtete über ein Wachstum des operativen Ergebnisses im dritten Quartal von 14 Prozent bei konstanten Währungen, abzüglich bemerkenswerter Einzelpositionen. „Ich denke, man sieht es im Top-Line-Wachstum, das wir erzielen, und man sieht es in dieser operativen Hebelwirkung, von der ich gesprochen habe“, sagte Costello und fügte hinzu, KI helfe Managern, bessere Beziehungen zu Kunden aufzubauen und mehr Einkommen zu generieren.
Costello beschrieb den Mechanismus genauer: „Wir beobachten auch diese starke operative Hebelwirkung, von der ich sprach, bei der das Einkommen deutlich schneller wächst als die Kosten, und ein Teil davon liegt daran, dass wir in der Lage waren, KI-Tools einzusetzen, um Kernprozesse zu verbessern und diese sehr effizient skalieren zu können.“ Damit liefert die Bank ein Beispiel dafür, wie KI nicht nur als Kostensenker, sondern als Wachstumstreiber wirken soll.
Carlsberg sieht noch keine KI-Vorteile im großen Maßstab
Nicht alle Unternehmen berichten bereits von durchschlagenden Effekten. Jacob Aarup-Andersen, CEO von Carlsberg, sagte in dieser Woche in „Squawk Box Europe“, das Unternehmen sehe keine KI-Vorteile im großen Maßstab. Die Technologie beeinflusse jedoch interne Prozesse, die Kosteneffizienz, kommerzielle und Preisfindungsprozesse, das Marketing sowie die Lieferkette. Der Umsatz des Unternehmens stieg im dritten Quartal um 4,9 Prozent.
Meta und Alphabet melden KI-getriebenes Wachstum
Auch Technologieunternehmen verweisen auf Gewinne. Meta sagte in seiner Ergebnismitteilung vom 21. Oktober, dass seine KI-Investitionen „substanzielle zusätzliche Werbeeinnahmen“ generierten, während der Gesamtumsatz im zum 30. September endenden Quartal um 26 Prozent sprang. Bei Alphabet hat das Wachstum der Google-Search-Einnahmen angesichts der Bedenken bezüglich des KI-Wettbewerbs nachgelassen; Google Cloud meldete für das dritte Quartal jedoch Einnahmen auf mehr als das Doppelte, fast 31 Milliarden US-Dollar, wie am Mittwoch berichtet wurde.
Frühere Berichte zeigten bereits die Richtung des Trends
Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Wall Street ihre Aufmerksamkeit auf die Quartalszahlen der Tech-Giganten richtete und Anleger erstmals detaillierte Einblicke in die KI-Ausgabenpläne der Unternehmen für 2026 erhalten sollten. Am 11.07.2026 meldete aktien.news, dass eine Analyse von Morgan Stanley mit mehr als 17.000 Gewinnmitteilungen und Konferenzpräsentationen zeige, wie KI zunehmend konkrete Ergebnisse liefere: 40 Prozent der als KI-Anwender klassifizierten Unternehmen nannten im zweiten Quartal mindestens einen messbaren Vorteil, nach 37 Prozent im Vorquartal und lediglich 21 Prozent ein Jahr zuvor.
Am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass das zweite Quartal 2026 eine Zäsur markiere und die spekulative Goldgräberstimmung einem „Show-Me“-Markt weiche, in dem Investoren handfeste Belege für Rentabilität und einen messbaren Return on Investment verlangen. Damals nannten Analysten von Morgan Stanley für Microsoft ein Kursziel von 600 US-Dollar und ein Aufwärtspotenzial von 57 Prozent. Ebenfalls am 29.07.2026 berichtete aktien.news, dass Standard Chartered im zweiten Quartal 2026 einen Aktienrückkauf im Wert von 1 Milliarde US-Dollar angekündigt habe, nachdem der Vorsteuergewinn um 2 Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar und die betrieblichen Erträge um 3 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar gestiegen waren.
Der Bewertungsmaßstab für KI-Investitionen verschiebt sich
Für Anleger verschiebt sich der Bewertungsmaßstab. Während 2025 vor allem die Höhe der KI-Investitionen zählte, rücken nun Belege für deren Rückfluss in den Fokus. Die berichteten Zahlen sind allerdings unterschiedlich belastbar: Santander nennt einen konkreten Geschäftswert, Novartis und Standard Chartered beschreiben den KI-Beitrag qualitativ, ohne ihn zu beziffern, und Carlsberg verweist ausdrücklich darauf, dass große Effekte noch ausstehen. Anleger sollten daher genau prüfen, ob ein Unternehmen einen messbaren Wert nennt oder lediglich einen Zusammenhang beschreibt.
Hinzu kommt die Frage der Vergleichbarkeit. Da KI in viele Prozesse eingebettet ist, bleibt die isolierte Zuordnung schwierig – das räumt Santander selbst ein. Die Kombination aus steigenden Investitionen und wachsender Rechenschaftspflicht erklärt, warum die Berichtsperiode des dritten Quartals von den Märkten besonders aufmerksam verfolgt wird.
Hyperscaler planen kombinierte Infrastrukturausgaben von 700 Milliarden US-Dollar
Erwartet wird, dass Hyperscaler wie Microsoft, Amazon, Google und Meta in diesem Jahr kombinierte Ausgaben in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar für ihre Infrastruktur tätigen. Die Berichtsperiode für die Quartalszahlen des dritten Quartals läuft weiter, sodass in den kommenden Tagen und Wochen zusätzliche Unternehmen Zahlen vorlegen dürften. Ob weitere Konzerne den KI-Beitrag so konkret beziffern wie Santander, bleibt offen.
Drei Fachbegriffe ordnen die KI-Berichterstattung ein
- Operative Hebelwirkung: Sie beschreibt die Situation, in der Erträge schneller wachsen als die Kosten, sodass die Marge steigt.
- Konstante Währungen: Eine Rechengröße, bei der Wechselkurseffekte herausgerechnet werden, um das zugrunde liegende Wachstum zu zeigen.
- Geschäftswert: Ein von einem Unternehmen selbst definierter Wertbeitrag, der Umsatz- und Kosteneffekte zusammenfassen kann.
