KI-Aktien: Deutsche Bank stuft Tech-Sektor wieder auf Übergewichten hoch
Nach einem Kursrückgang von 11 Prozent in drei Wochen sieht die Deutsche Bank den Technologiesektor wieder positiv und nennt historische Durchschnittsgewinne von 32 Prozent.

Der Oktober hat dem Technologiesektor an der Wall Street einen Realitätscheck beschert. Die Quartalszahlen der großen KI-Konzerne Alphabet, Microsoft und Meta trafen auf hohe Erwartungen an KI-Investitionen von über 200 Milliarden US-Dollar – und lösten eine deutliche Korrektur bei den Mega-Caps aus. Investoren agierten angesichts schrumpfender Margen vorsichtiger, wie aus dem Bericht von Investing.com vom 31. Oktober hervorgeht.
Institutionelles Kapital suchte daraufhin andere Branchen: Gesundheitswesen, Einzelhandel und fortschrittliche Fertigung profitierten von der Umschichtung. Mittlerweile zeichnet sich eine differenziertere Einschätzung des Technologiesektors ab. Die Deutsche Bank bewertet den Bereich nach dem jüngsten Ausverkauf wieder positiver und hat ihn auf „Übergewichten“ hochgestuft.
Die Deutsche Bank hält die Sorgen um die KI-Nachfrage für weitgehend eingepreist
Analysten der Deutschen Bank unter der Leitung von Parag Thatte und Binky Chadha argumentieren, dass die Sorgen um die KI-Nachfrage bereits weitgehend in den Bewertungen stecken. Tech-Aktien hatten in drei Wochen um 11 Prozent nachgegeben und damit deutlich schlechter abgeschnitten als der restliche S&P 500.
Dadurch habe sich das Risiko-Ertrags-Profil signifikant verbessert. Die Positionierung der Anleger sei auf ein neutrales Niveau zurückgekehrt, was im Einklang mit einem erwarteten Gewinnwachstum von etwa 10 Prozent stehe. Historisch betrachtet führten ähnliche Rotationen zurück in den Technologiesektor zu durchschnittlichen Gewinnen von 32 Prozent.
Die ProPicks-AI-Strategie erzielt seit November 2023 eine Rendite von 193,86 Prozent
Parallel zu den institutionellen Analysen unterstreicht Investing.com die Effektivität datengestützter Auswahlprozesse. Die Strategie „ProPicks AI“ erzielte seit ihrem Start im November 2023 eine Rendite von 193,86 Prozent und übertraf den S&P 500 damit um 111,56 Prozentpunkte. Das Modell nutzt über 15 Jahre Finanzdaten und mehr als 150 quantitative Modelle, um monatlich Aktien mit hohem Potenzial zu identifizieren und schwache Werte auszusortieren.
Ein Beispiel für diese Methodik ist Bausch Health: Der Wert wurde aufgrund einer Kombination aus Wachstumsbeschleunigung und attraktiver Bewertung in die Strategie „Healthcare Heroes“ aufgenommen und stieg im Oktober um über 55 Prozent. Auch Cracker Barrel wurde vor einem Kursanstieg von über 40 Prozent im Oktober identifiziert, nachdem die KI einen operativen Turnaround erkannt hatte.
Dass der Prozess auch Risikomanagement beinhaltet, zeigt der Fall Ameresco: Die KI stieg nach einem Gewinn von 136,55 Prozent aus, bevor die Aktie in den Folgemonaten deutlich an Wert verlor. Solche Verkaufsentscheidungen sind für Privatanleger oft schwer zu treffen, weil sie dem Impuls widersprechen, an einem Gewinner festzuhalten.
Frühere Berichte von aktien.news zeigen eine Sektorrotation, die bereits im Sommer lief
Bereits am 08.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich Anleger abrupt von Technologiewerten trennten und ihr Kapital in andere Branchen umschichteten. Zu den neuen Favoriten zählten laut MarketWatch Krankenversicherungen, Banken und der Einzelhandel. Hintergrund sei eine Entwicklung aus den vergangenen zwei Jahren gewesen: Investoren hatten verstärkt auf Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz gesetzt, um sich gegen eine wirtschaftliche Abkühlung abzusichern – diese Abschwächung trat jedoch nie in vollem Umfang ein.
Am 01.10.2026 meldete aktien.news, dass die alte Warnung vom September als schlechtestem Börsenmonat nach Angaben von Investing.com endgültig widerlegt wurde. Getrieben wurde diese profitable Phase von rekordverdächtigen Gewinnen im gesamten Technologie-Ökosystem und von beispiellosen Aufwertungen der Unternehmensausgaben für KI-Infrastruktur (Capex).
Auch die Deutsche Bank hat ihre Haltung in diesem Jahr mehrfach angepasst. Am 09.08.2026 beendete sie ihre direktionale „Overweight“-Empfehlung für europäische Softwareaktien nach einer Rally von 13 Prozent und riet zu einer neutralen Positionierung in den Technologie-Subsektoren. Als Begründung nannte ein Strategieteam unter Leitung von Maximilian Uleer und Johannes Schaller in der Research-Note „Semi convinced II“ KI-Disruptionen und Kapazitätsbeschränkungen bei Rechenzentren. Am 26.10.2026 berichtete aktien.news zudem, dass die Federal Reserve ihren Zielbereich im September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent anhob und Futures laut Reuters auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für eine weitere Zinsbewegung im Dezember hindeuteten.
Für Anleger verschiebt sich der Fokus von der Indexebene auf die Auswahl einzelner Werte
Für deutsche Privatanleger hat die Entwicklung mehrere Konsequenzen. Erstens zeigt der Oktober, dass die Schlagzeilen zur KI-Investitionswelle nicht automatisch für alle Technologiewerte gelten: Während die Mega-Caps korrigierten, profitierten Gesundheitswesen, Einzelhandel und fortschrittliche Fertigung von der Umschichtung. Wer breit über Indizes investiert ist, spürt vor allem die Gewichtung der größten Werte.
Zweitens gewinnt die Bewertungsfrage an Bedeutung. Die Deutsche Bank begründet ihre Hochstufung ausdrücklich damit, dass die Nachfragesorgen bereits in den Kursen stecken und die Positionierung der Anleger wieder neutral ist. Gleichzeitig nennt sie weiterhin Risiken – etwa mögliche Regulierungen und geopolitische Spannungen. Eine Garantie für die historisch beobachteten durchschnittlichen Gewinne von 32 Prozent gibt es nicht; die Zahl beschreibt einen Rückblick, keine Prognose.
Drittens macht der Blick auf Bausch Health, Cracker Barrel und Ameresco deutlich, dass Ergebnisse datengestützter Strategien stark auf einzelne Werte und Zeitfenster bezogen sind. Die genannten 193,86 Prozent seit November 2023 sind eine Rendite der Vergangenheit und lassen sich nicht auf andere Zeiträume übertragen.
Die Deutsche Bank verweist auf ein Median-Wachstum von 14,4 Prozent außerhalb des Tech-Sektors
Während die Bank den Technologiesektor wieder auf „Übergewichten“ setzt, verweist sie zugleich auf die breitere Erholung der Unternehmensgewinne außerhalb des Tech-Sektors. Dort liegt das Median-Wachstum mit 14,4 Prozent nahe einem Zweijahreshoch. Für den Markt insgesamt bedeutet das eine breitere Basis als in den Monaten, in denen allein die KI-Giganten die Indexentwicklung trugen.
Investing.com bereitet sich unterdessen auf das nächste monatliche Rebalancing vor. Am 1. November wird eine neue Liste von KI-ausgewählten Aktien veröffentlicht, die Anlegern helfen soll, sich in einem volatilen Marktumfeld zu positionieren. Sowohl die institutionelle Analyse als auch die KI-gestützten Modelle deuten darauf hin, dass nach der jüngsten Korrektur attraktive Einstiegspunkte entstanden sind.
Drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der aktuellen Marktbewegung
- Übergewichten: Eine Einstufung von Analysten, die erwarten lässt, dass ein Sektor oder eine Aktie sich besser entwickelt als der Gesamtmarkt.
- Sektorrotation: Die Umschichtung von Kapital aus einer Branche in eine andere.
- Rebalancing: Die regelmäßige Anpassung der Zusammensetzung einer Strategie oder eines Portfolios.
