KI-Investoren sichern sich gegen einen möglichen Abschwung des Technologie-Marktes ab
Wachsende Zweifel an der Nachhaltigkeit von Billionen-Investitionen in Künstliche Intelligenz treiben die Nachfrage nach Absicherungsinstrumenten.

Anleger und Technologievorstände suchen zunehmend nach Absicherungen gegen einen möglichen Einbruch des Marktes für Künstliche Intelligenz. Auslöser sind wachsende Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Billionen Dollar an KI-bezogenen Investitionen, wie die „Wall Street Journal“ am Samstag berichtete. Die Nachfrage nach entsprechenden Hedging-Instrumenten hat sich demnach deutlich beschleunigt.
Zu den gefragten Instrumenten zählen Put-Optionen und Credit-Default-Swaps. Der Anstieg der Nachfrage folgt auf starke Kursverluste bei Technologiewerten und wachsende Sorgen über die mit den Ausgaben für KI-Infrastruktur verbundenen Finanzrisiken. Der Nasdaq Composite fiel am Freitag um 2,9 Prozent und verzeichnete damit seine schlechteste Monatsperformance seit März 2025.
Im Zuge dieser Entwicklung bewerten Anleger die Bewertungen im Technologiesektor neu. Die Absicherungswelle erfasst dabei nicht mehr nur den Aktienmarkt, sondern greift zunehmend auf die Kreditmärkte über. Handelsfirmen reagieren mit neuen Finanzprodukten auf die veränderten Risikobedürfnisse ihrer Kunden.
CoreWeave zieht Rekordvolumen bei Put-Optionen an
Besonders starke Nachfrage nach Absicherung gegen fallende Kurse verzeichnet der KI-Infrastrukturanbieter CoreWeave. Die Handelsvolumina für Put-Optionen, die auf das Unternehmen abgestellt sind, erreichten im Oktober Rekordniveaus, wie Daten von Cboe Global Markets zeigen. Zu den beliebten Kontrakten gehören Optionen mit Ablauf im Jahr 2028, die profitieren würden, wenn die Aktienkurse von CoreWeave auf 35 US-Dollar fallen. Zum Vergleich: Derzeit notiert die Aktie bei etwa 55 US-Dollar. Solche Positionen dienen Anlegern als Versicherung gegen einen weiteren Kursverfall des stark vom KI-Ausbau abhängigen Unternehmens.
Die Absicherungskosten für Tech-Anleihen steigen auf den höchsten Stand seit 2021
Die Bedenken haben sich auch auf die Märkte für Unternehmensanleihen ausgeweitet. Die Kosten für die Absicherung gegen Ausfälle bei Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle sind nach Angaben des Anleihedatenanbieters Solve kürzlich auf ihr höchstes Niveau seit 2021 gestiegen. Oracle erlebte eine besonders scharfe Verschlechterung: Die Credit-Default-Swap-Spreads des Konzerns erweiterten sich um mehr als einen Prozentpunkt. Damit wird der Preis für den Schutz vor einem Zahlungsausfall des Datenbank- und Cloud-Anbieters deutlich teurer – ein Signal dafür, dass der Markt die Kreditqualität von Unternehmen mit hohen KI-Investitionen kritischer beurteilt.
Jump Trading bietet Derivate auf Chip-Mietpreise an
Handelsfirmen entwickeln neue Finanzprodukte, um Risiken im Zusammenhang mit der KI-Recheninfrastruktur zu adressieren. Jump Trading hat eine Handelsabteilung für Rechenleistung gestartet, die Derivate anbietet, die darauf ausgelegt sind, Rechenzentrumsbetreiber vor fallenden Chip-Vermietungspreisen zu schützen. Hintergrund ist die starke Verteuerung von Rechenkapazität: Die Mietpreise für Nvidia-B300-Chips sind in diesem Jahr um etwa 56 Prozent auf 7,56 US-Dollar pro Stunde gestiegen, wie Silicon Data ermittelte. Diese Kontrakte könnten Betreiber vor einem künftigen Rückgang der Mietpreise schützen, während die Rechenkapazität weiter ausgebaut wird.
Susquehanna verzeichnet Interesse an halbleiterspezifischen Absicherungen
Auch die Susquehanna International Group verzeichnet Interesse von Rechenzentren und privaten KI-Infrastruktur-Anbietern, die sich gegen halbleiterspezifische Risiken absichern möchten. Einige vorgeschlagene Kontrakte sollen Rechenleistungsindizes abbilden. Solche Instrumente könnten Betreibern potenziell helfen, Finanzierungsmittel zu sichern, indem sie die Exposition gegenüber fallenden Vermietungseinnahmen begrenzen. Der Ansatz zielt damit nicht nur auf Spekulation, sondern auch auf die Finanzierbarkeit von Rechenzentrumsprojekten, deren Erträge stark von der Entwicklung der Mietpreise abhängen.
Die Nachfrage nach Absicherung bleibt relativ gering
Trotz der zunehmenden Hedging-Aktivitäten bleibt die Nachfrage nach Absicherungen im Vergleich zum breiteren KI-Investitionsboom relativ gering. Das Volumen der neuen Schutzinstrumente fällt also bislang deutlich kleiner aus als die Summen, die in den Ausbau der KI-Infrastruktur fließen. Die Absicherungswelle ist damit eher ein Frühindikator für die Verunsicherung der Marktteilnehmer als ein bereits breit etablierter Trend.
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news von Rekordniveaus bei Kreditabsicherungen
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer länger anhaltenden Bewegung. Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Kosten für Absicherungen gegen das Risiko eines Ausfalls von US-Technologiekonzernen Rekordniveaus erreicht hatten. Damals wurde dies als weiteres Anzeichen für zunehmende Kreditspannungen im sogenannten „AI-Handel“ gewertet, insbesondere bei Rechenzentren, die auf zukünftige Einnahmen angewiesen sind. Zwar zählten die Aktien der Unternehmen, die den KI-Boom vorantreiben, weiterhin zu den stärksten Gewinnern an den globalen Aktienmärkten des Jahres, doch viele waren in den Wochen zuvor deutlich eingebrochen. Anleger bewerteten die Kapitalkosten vor dem Hintergrund steigender Zinsen und Inflation neu.
Am 20.10.2026 stand der Handel mit Kreditdefaultswaps im Fokus
Am 20.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger zunehmend zu Kreditdefaultswaps greifen, um ihre Portfolios gegen einen möglichen Zusammenbruch des KI-Booms abzusichern. Der dadurch ausgelöste Anstieg der Handelsvolumina betraf ein Instrument, das während der globalen Finanzkrise an Bedeutung gewann. Auslöser war die Welle der Kreditaufnahme, mit der Milliarden-US-Dollar-Ausgaben für KI-Infrastruktur finanziert werden. Diese versicherungsähnlichen Derivate zahlen aus, wenn das Unternehmen, an das sie gebunden sind, seine Schulden nicht mehr bedient. Im September wurden durchschnittlich pro Woche mehr als 9 Milliarden US-Dollar an Kreditdefaultswaps gehandelt, die unter anderem an Oracle, SpaceX und Alphabet gebunden waren.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news über den Ausverkauf im KI-Sektor
Am 16.10.2026 meldete aktien.news, dass die Kreditbelastung bei CoreWeave, wachsende Bedenken hinsichtlich der Unternehmensausgaben für Künstliche Intelligenz sowie ein erneut heißer Inflationsbericht in dieser Woche mehr als eine Billion Dollar vom Wert von zwanzig der weltweit größten KI- und Halbleiteraktien abgezogen hatten. Im Zentrum des Ausverkaufs stand CoreWeave, das mit spiralförmig steigenden Kreditproblemen konfrontiert war. Bereits am 15.10.2026 hatte aktien.news zudem berichtet, dass die globalen Aktienmärkte unter erheblichem Verkaufsdruck standen, weil die Begeisterung für den KI-Sektor auf die Realität steigender Kapitalkosten traf. Besonders betroffen waren Unternehmen, die massiv in KI-Infrastruktur und Rechenzentren investiert haben. Die jüngsten US-Inflationsdaten lagen über den Erwartungen und formten die Erwartungen an die Zinspolitik der US-Notenbank Fed neu.
Deutsche Privatanleger können die Absicherungsinstrumente nur eingeschränkt nutzen
Für deutsche Privatanleger sind die beschriebenen Instrumente nur eingeschränkt zugänglich. Credit-Default-Swaps sind versicherungsähnliche Derivate, die auszahlen, wenn der zugrunde liegende Schuldner seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedient, und werden überwiegend zwischen institutionellen Marktteilnehmern gehandelt. Put-Optionen auf Einzelaktien wie CoreWeave sind zwar grundsätzlich handelbar, bergen aber erhebliche Risiken, weil sie teuer werden können und im Zeitwert verfallen. Die berichteten Rekordvolumina und die Ausweitung der CDS-Spreads bei Oracle sind vor allem als Stimmungsindikator zu lesen: Der Markt bepreist derzeit ein höheres Ausfall- und Bewertungsrisiko für Unternehmen mit hohen KI-Investitionen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Quelltext nennt als konkreten Termin nur den Ablauf der CoreWeave-Optionen im Jahr 2028
Konkrete Termine nennt die Quelle nur an einer Stelle: Bei den beliebten CoreWeave-Kontrakten handelt es sich um Optionen mit Ablauf im Jahr 2028. Darüber hinaus beschreibt der Bericht laufende Produktentwicklungen. Jump Trading hat eine Handelsabteilung für Rechenleistung gestartet, die Derivate zum Schutz vor fallenden Chip-Vermietungspreisen anbietet. Die Susquehanna International Group verzeichnet Interesse an halbleiterspezifischen Absicherungen, wobei einige vorgeschlagene Kontrakte Rechenleistungsindizes abbilden sollen. Ob und wann sich diese Instrumente breit durchsetzen, geht aus dem Quelltext nicht hervor.
Drei Fachbegriffe erklären die Instrumente hinter der Absicherungswelle
- Put-Option: Ein Kontrakt, der dem Käufer das Recht gibt, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen, und der daher bei fallenden Kursen an Wert gewinnt.
- Credit-Default-Swap: Ein versicherungsähnliches Derivat, das auszahlt, wenn der zugrunde liegende Schuldner seine Schulden nicht mehr bedient.
- Hedging: Das gezielte Absichern von Positionen gegen Kurs- oder Ausfallrisiken mithilfe gegenläufiger Finanzgeschäfte.
