Kenmare Resources: Ilmenitmarkt bleibt herausfordernd, Zirkonpreise steigen weiter
Titanmineralien-Produzent Kenmare meldet leichten Ilmenitpreisanstieg, gesenkte Produktionsprognose und einen sich verknappenden Zirkonmarkt.

Die Marktbedingungen für Titaneinsatzstoffe blieben im dritten Quartal herausfordernd, während sich der Zirkonmarkt weiter verknappte. Der in London notierte Titanmineralien-Produzent Kenmare Resources meldete dennoch einen leichten Anstieg des durchschnittlichen Ilmenitpreises gegenüber dem zweiten Quartal. Der Anstieg sei auf eine günstigere Produktmischung beim Verkauf zurückzuführen, so das Unternehmen in seinem Produktionsbericht für das dritte Quartal.
Die Preise für Zirkon stiegen erneut, da sich die Zirkonindustrie weiter verknappte. Gleichzeitig blieb das Angebot an Titaneinsatzstoffen in China hoch, gestützt durch eine steigende Ilmenitproduktion aus importierten Konzentraten und inländischen Minen. Dieses zusätzliche Angebot verdrängte nach Angaben von Kenmare die Nachfrage nach importiertem Ilmenit und hielt die Ilmenitpreise niedrig.
Die Nachfrage aus dem Sektor der Titandioxid-Pigmente war weiterhin gemischt, wobei die kurzfristigen Nachfrageaussichten in den westlichen Märkten gedämpft blieben. In China unterstützte jedoch das anhaltende Wachstum der Chloridpigmentproduktion den Verbrauch von für die Aufbereitung geeignetem Ilmenit, wie er von Kenmare angeboten wird. Die hohen Schwefelsäurekosten belasteten die Margen der Sulfatpigmenthersteller, obwohl die Säurepreise kürzlich etwas nachgelassen haben. Die Nachfrage nach Einsatzstoffen aus dem Titancmetallsektor blieb ebenfalls robust.
Die Details
Kenmare weist darauf hin, dass es laufende Gespräche mit dem vorgeschlagenen Käufer der malaysischen Betriebsanlagen eines Kunden führt, die derzeit umstrukturiert werden, um Wert aus einer im dritten Quartal 2025 erfolgten Ilmenitlieferung zu realisieren. Das Unternehmen erwartet, dass die entsprechenden Volumina in seinen Lagerbeständen an Fertigprodukten widergespiegelt werden, und geht davon aus, den Verkauf zeitnah abzuschließen.
Auf der Produktionsseite meldet Kenmare für das dritte Quartal eine Produktion von Schwermineralkonzentrat (HMC) von 334.100 t, ein Anstieg von 12 % im Jahresvergleich. Dieser Zuwachs resultierte aus einem Anstieg der abgebauten Erzvolumina um 22 %, der teilweise durch einen erwarteten Rückgang der abgebauten Erzgehalte um 12 % ausgeglichen wurde. Grund für den geringeren Gehalt ist, dass die Nasskonzentrationsanlage (WCP) A am Ende ihrer Abbaufläche in Namalope angelangt ist.
Die Ilmenitproduktion belief sich auf 233.600 t, ein Plus von 12 % im Jahresvergleich, hauptsächlich aufgrund einer Steigerung der verarbeiteten HMC-Menge um 19 %. Die Primärzirkonproduktion lag bei 13.000 t, ein Anstieg von 6 % im Jahresvergleich, und die Rutilproduktion bei 2.200 t, ein Anstieg von 22 % im Jahresvergleich, ebenfalls bedingt durch die erhöhte verarbeitete HMC-Menge. Die Konzentratproduktion erreichte 44.500 t, ein Anstieg von 109 % im Jahresvergleich, hauptsächlich bedingt durch die gestiegene Produktion von Zirkonium/Titan (ZrTi), die nun als kommerzielles Produkt anerkannt ist.
Kenmare merkt an, dass das dritte Quartal von der Nachverarbeitung von Zwischenlagerbeständen profitierte, wodurch die deutlich geringere verarbeitete HMC-Menge maskiert wurde. Die Gesamtversandmengen an Fertigprodukten betrugen 242.900 t, ein Anstieg von 7 % im Jahresvergleich. Dies sei eine konsistente Leistung während eines typischerweise herausfordernden Quartals für das Wetter gewesen, ohne Auswirkungen durch Trockendock-Aufenthalte. Die Versandmengen im dritten Quartal umfassten 196.300 t Ilmenit und 46.400 t Konzentrate, hauptsächlich bestehend aus ZrTi, zusätzlich zu einer Anpassung von 200 t Primärzirkon.
Der Schlussbestand an HMC am Ende des dritten Quartals betrug 35.100 t, verglichen mit 37.800 t am Ende des zweiten Quartals, da der HMC-Verbrauch die HMC-Produktion leicht übertraf. Der Schlussbestand an Fertigprodukten lag bei 284.200 t, verglichen mit 233.500 t am Ende des zweiten Quartals, da die Produktion die Versandmengen übertraf.
Kenmare-Geschäftsführer Tom Hickey kommentierte: „Die Ilmenitproduktion hat sich im dritten Quartal erheblich verbessert und stieg gegenüber dem zweiten Quartal um fast 60 %, bedingt durch erhöhte abgebaute Erzvolumina an allen drei WCPs."
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.10.2026 berichtete aktien.news, dass die in Abu Dhabi ansässige International Resources Holdings (IRH) ein unverbindliches Übernahmeangebot für Kenmare Resources unterbreitet hat. Das an der Londoner Börse notierte Unternehmen informierte seine Aktionäre über den möglichen Barkauf des gesamten ausgegebenen und noch auszugebenden Aktienkapitals. Die konkreten Konditionen wurden bislang nicht veröffentlicht, und Kenmare teilte mit, dass die Gespräche mit IRH noch andauern. Gemäß den irischen Übernahmerichtlinien hat IRH bis zum 17. November Zeit, eine feste Absicht zur Abgabe eines Angebots zu erklären.
Ebenfalls relevant für die Finanzlage: Am 25.06.2026 meldete aktien.news, dass Kenmare seine revolvierende Kreditfazilität (RCF) um 30 Millionen US-Dollar auf insgesamt 230 Millionen US-Dollar erhöht hat. Gleichzeitig wurden zentrale Finanzkennzahl-Covenants für das Jahr 2026 ausgesetzt, konkret das Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA sowie der Zinsdeckungsgrad. Kenmare begründete die Maßnahme mit den aktuell schwachen Marktbedingungen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Bericht ein Unternehmen, das operativ Fortschritte macht, aber mit einem schwierigen Marktumfeld kämpft. Positiv fallen die gestiegenen Produktionszahlen bei allen Endprodukten und die weiter steigenden Zirkonpreise auf. Belastend wirken dagegen die gesenkte Ilmenit-Jahresprognose, die schwache Preisentwicklung bei Titaneinsatzstoffen und die anhaltenden Inbetriebnahmeprobleme bei WCP A.
Die Kombination aus einem laufenden Übernahmeangebot durch IRH und der operativen Entwicklung macht die Aktie zu einem Sonderfall. Anleger sollten beachten, dass Kenmare selbst betont, es bestehe keine Gewissheit darüber, ob ein verbindliches Angebot unterbreitet werde oder zu welchen Bedingungen dies geschehen könnte. Der Produktionsbericht liefert damit vor allem ein Bild der operativen Realität, unabhängig von der Übernahmefrage.
Ausblick
Für das vierte Quartal erwartet Kenmare schwache Marktbedingungen für Titaneinsatzstoffe. Das Unternehmen geht davon aus, dass der erzielte durchschnittliche Ilmenitpreis quartalsweise sinken wird, was auf weiche Marktbedingungen und eine erwartete geringere Wertschöpfung bei der Produktmischung zurückzuführen ist. Im Gegenzug erwartet Kenmare eine weitere Verbesserung der Zirkonpreise, wobei das begrenzte Angebot den Markt weiterhin stützen soll.
Die Ilmenitproduktion für das Gesamtjahr wird nun zwischen 710.000 t und 750.000 t erwartet, verglichen mit den zuvor prognostizierten etwa 800.000 t. Grund sind andauernde Probleme bei der Inbetriebnahme der WCP A in der Mine Moma im Norden Mosambiks. Die Jahresprognose für die Primärproduktion von Zirkon und Rutil bleibt unverändert, und die Prognose für die Konzentratproduktion im ersten Halbjahr wurde übertroffen. Die gesamten Cash-Betriebskosten tendieren gegen das obere Ende des Prognosebereichs von 215 Millionen bis 225 Millionen US-Dollar.
Die Versandmengen, zentrale Kennzahl für die Jahresprognose, werden in diesem Jahr bei etwa 1,05 Millionen Tonnen erwartet. Kenmare gibt an, dass Verzögerungen an anderen Häfen im dritten Quartal dazu führten, dass Kundenschiffe verspätet in Moma eintrafen und die Ladezeit begrenzt war. Zudem schränken operative Protokolle zur Sicherstellung der Produktqualität das gleichzeitige Laden verschiedener Produkte ein. Das Unternehmen ist überzeugt, dass ohne diese Einschränkungen mehr als 1,1 Millionen Tonnen Versandmengen für das Gesamtjahr erreicht worden wären.
Parallel schloss Kenmare eine Vorstudie (PFS) ab, um das Potenzial zur Realisierung eines höheren Werts aus den seltenen Erden innerhalb der Moma-Lagerstätte zu untersuchen. Die PFS zeigte eine Möglichkeit auf, bis zu 4.000 t/a Monazit bei geringen Kapitalkosten zu produzieren. Hickey zufolge beginnt das Unternehmen nun eine definitive Machbarkeitsstudie (DFS) in Verbindung mit laufenden kommerziellen Diskussionen mit potenziellen Abnehmern. Die DFS soll voraussichtlich bis zu einem Jahr dauern, wobei die erste Produktion etwa zwei Jahre nach dem Beschluss zum Fortfahren erwartet wird.
Bei WCP A machte Kenmare im dritten Quartal weiter Fortschritte bei der Erreichung der Nennkapazität. Die Hauptherausforderung im ersten Halbjahr waren die Bagger. Der Lieferant implementierte eine wirksame interimistische Softwarelösung für die Windebremsen, eine dauerhafte Lösung wird bis Ende des Jahres am ersten Bagger erwartet. WCP A operierte mit einer Rate von 3.100 t/h bei einer Auslastungsrate von 49 % während des Quartals, verglichen mit etwa 2.760 t/h und einer Auslastungsrate von 42 % im ersten Halbjahr. Die Nennkapazität soll nun konsistent im ersten Halbjahr 2027 erreicht werden.
Kurz erklärt
- Ilmenit: Ein Titan-Eisenerz, das als Rohstoff für die Herstellung von Titandioxid-Pigmenten und Titanmetall dient.
- Zirkon: Ein Mineral, das vor allem in der Keramikindustrie sowie in Gießereien und der Chemie Verwendung findet.
- Schwermineralkonzentrat (HMC): Ein angereichertes Zwischenprodukt aus dem Erzabbau, aus dem die einzelnen Mineralien weiter aufgetrennt werden.
- Monazit: Ein Mineral, das Seltene Erden enthält und damit für Zukunftstechnologien interessant ist.
