Ferrari-Chef Vigna lobt Tesla Roadster als mutige Innovation
Benedetto Vigna bewertet Teslas Roadster-Präsentation mit 10 von 10 Punkten und fordert mehr Risikobereitschaft in der Autobranche.

Der Ferrari-Chef Benedetto Vigna hat die Präsentation des neuesten Roadster-Sportwagens von Tesla ausdrücklich gelobt. Das Redesign zeige, dass die Automobilindustrie auch in einem ausgereiften Markt Raum für mutige Innovationen habe, sagte Vigna am Dienstag. Der Manager äußerte sich damit zu einer Premiere, die Tesla in der vergangenen Woche mit spektakulären Stunts inszeniert hatte.
Tesla hatte den Roadster mit Triebwerken vorgestellt, die auf Technologie des Raumfahrtunternehmens SpaceX basieren. Zu den Vorführungen gehörten auch Flugmanöver. Tesla-Chef Elon Musk erklärte, die Produktion des Fahrzeugs werde 2028 beginnen.
Die Reaktion der Finanzmärkte fiel gemischt aus. Die Tesla-Aktie stieg zunächst an, doch Finanzanalysten gaben zu bedenken, dass die Auslieferung noch einige Jahre in der Zukunft liege. In den vergangenen Jahren war es bei Tesla bereits zu mehreren Fehlschlägen gekommen.
Die Details
Vigna bewertete die Tesla-Premiere in einem Interview auf einer Automesse, die vom italienischen Magazin Quattroruote organisiert wurde. Dabei vergab er sowohl für die Technologie als auch für die Präsentation jeweils 10 von 10 Punkten. „Das zeigt sicherlich, dass es auch in der Automobilwelt noch viel zu tun gibt. Wir müssen weiter träumen“, sagte Vigna.
Der Ferrari-Chef stellte die Tesla-Show in einen größeren Zusammenhang. „Als Europäer danke ich Ihnen dafür, dass Sie uns gezeigt haben, wie man selbst in einer alten Welt noch innovativ sein und Risiken eingehen kann“, sagte er. Vigna sprach am Dienstag per Videokonferenz aus Indien, wo Ferrari eine Kundenveranstaltung veranstaltete. Das Interesse an der italienischen Marke sei groß, betonte er.
Vigna argumentierte grundsätzlich, dass Risikobereitschaft in der Branche notwendig sei. Bei Ferraris eigenem Elektromodell Luce seien externe Einflüsse entscheidend gewesen. „Hätten wir allein daran gearbeitet, hätten wir nicht das erreicht, was wir erreicht haben. Mit anderen Worten: Wir haben eine ganze Reihe von Fragen angegangen und Antworten gefunden, die durch Personen angeregt wurden, die uns von außen beobachtet haben“, sagte er.
Ferrari versucht mit dieser Argumentation, Skeptiker auf seine Seite zu ziehen. Die Aktien des Luxus-Sportwagenherstellers waren im Mai in Mailand gefallen, als das Unternehmen die Luce vorstellte – das erste vollständig elektrische Fahrzeug der Marke. Das Modell wurde in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Apple-Designchef Jony Ive und dem Team seines Studios LoveFrom entwickelt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass Tesla den lang verzögerten neuen Roadster-Sportwagen präsentiert und damit ein Modell wiederbelebt hat, das der Elektrofahrzeughersteller vor mehr als einem Jahrzehnt aus der Produktion genommen hatte. Die Präsentation in Texas umfasste nach Angaben von Bloomberg Europe eine Flugvorführung. Tesla hofft demnach, dass diese Luftakrobatik seinem bodengebundenen Automobilgeschäft einen Schub verleihen kann. Der Roadster ist ein Hochpreismodell und soll dem Unternehmen ein weiteres Angebot in einer reduzierten Produktpalette bieten, die sich hauptsächlich um zwei mittelpreisige Verbrauchermodelle dreht.
Am 07.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Impuls für Ferraris erstes vollständig elektrisches Modell aus unerwarteter Quelle kam: einem Spaziergang mit Amazon-Gründer Jeff Bezos. Das berichtete Ferrari-Vorsitzender John Elkann am Mittwoch auf der Wave-Technologiekonferenz in Turin. Das Gespräch im Juli 2016 habe ihn davon überzeugt, dass der Luxusautohersteller Elektrofahrzeuge ernsthaft in Betracht ziehen müsse. Bezos habe ihm damals gesagt: „Ich weiß nichts über Autos, aber ich weiß wirklich viel über Innovation. Und ich denke, Sie müssen wirklich intensiv darüber nachdenken, ein Elektrofahrzeug zu bauen.“
Ebenfalls am 28.05.2026 berichtete aktien.news, dass Ferrari-Chef Vigna den Preis von 550.000 Euro (rund 640.000 US-Dollar) für den neuen Luce verteidigt hatte. Bei einem Rundtischgespräch im italienischen Modena erklärte er am Donnerstag, die Kosten seien ein angemessener Preis für Innovation. Das Modell war am Montag enthüllt worden und stellt Ferraris erstes vollelektrisches Fahrzeug dar. Der Luce ist zugleich der erste Fünfsitzer in der Geschichte des Traditionsunternehmens. Das Fahrzeug beschleunigt in etwa 2,5 Sekunden auf 60 mph und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 192 mph. Alle Komponenten wurden laut Ferrari im eigenen Haus in Maranello entwickelt und gefertigt, während das Design der Agentur LoveFrom anvertraut wurde.
Am selben Tag, dem 28.05.2026, meldete aktien.news zudem, dass die Ferrari-Aktie unter erheblichen Druck geriet, nachdem der italienische Luxusautomobilhersteller das Außendesign seines ersten vollelektrischen Modells präsentiert hatte. Der neue Ferrari Luce stieß in den Medien auf heftige Kritik, da sein Erscheinungsbild stark von der klassischen Ferrari-Ästhetik abweicht. In den anderthalb Tagen nach der Markteinführung blieben die Ferrari-Aktien um 9% hinter dem SXAP-Index zurück. Barclays-Analyst Henning Cosman riet Anlegern jedoch zur Besonnenheit. Er bezeichnet den Ausverkauf als überzogen und wertet das Design-Wagnis als bewussten und strategisch sinnvollen Schritt. „Wir betrachten dies als eine überzogene Reaktion“, schrieb Barclays in seiner Einschätzung.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Vorgang zwei unterschiedliche Umgänge mit Innovationsrisiken. Auf der einen Seite steht Tesla, dessen Roadster laut Musk erst 2028 in Produktion gehen soll – ein Zeitrahmen, der die Bewertung des Unternehmens über Jahre hinweg von Erwartungen abhängig macht. Analysten verwiesen ausdrücklich darauf, dass die Auslieferung noch in weiter Ferne liegt und es in der Vergangenheit bereits mehrere Fehlschläge gab.
Auf der anderen Seite steht Ferrari, das mit der Luce einen Traditionsbruch vollzogen hat. Der Markt reagierte im Mai mit einem deutlichen Kursrückstand gegenüber dem SXAP-Index, während Barclays den Schritt als strategisch sinnvoll einordnete. Vignas jüngste Äußerungen ordnen sich in diese Linie ein: Der Ferrari-Chef verteidigt das eingegangene Risiko und verweist auf den Nutzen externer Impulse durch Jony Ive und LoveFrom. Anleger sollten beachten, dass sowohl bei Tesla als auch bei Ferrari die Bewertung stark von der Frage abhängt, ob die angekündigten Produkte tatsächlich zum genannten Zeitpunkt auf den Markt kommen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Tesla plant nach den Worten von CEO Elon Musk, die Produktion des neuen Roadster im Jahr 2028 zu beginnen. Ferrari hat mit der Luce sein erstes vollelektrisches Fahrzeug vorgestellt und verteidigt sowohl den Preis von 550.000 Euro als auch das Designkonzept. Vigna will die Risikobereitschaft, die er an der Tesla-Präsentation lobte, offenbar auch für die eigene Marke nutzen. Weitere konkrete Termine oder Absatzziele nannte er in dem Interview nicht.
Kurz erklärt
- Roadster: Sportwagenmodell von Tesla, das der Hersteller nach mehr als einem Jahrzehnt wiederbelebt hat.
- Triebwerk: Antriebsaggregat, das bei Teslas neuem Roadster auf Technologie des Raumfahrtunternehmens SpaceX basiert.
- SXAP-Index: europäischer Aktienindex, an dem sich die Kursentwicklung der Ferrari-Aktie messen lassen muss.
