China verweigert Softbank die Genehmigung für den 5,4-Milliarden-Kauf von ABB Robotics
Die chinesische Nationale Entwicklungs- und Reformkommission blockiert den 5,4 Milliarden US-Dollar schweren Zukauf der ABB-Robotiksparte durch den japanischen Technologiekonzern.

Chinesische Regulierungsbehörden haben der SoftBank Group Corp. (TYO: 9984) mitgeteilt, dass sie den 5,4 Milliarden US-Dollar schweren Kauf der Robotiksparte von ABB Ltd (SIX: ABBN) nicht genehmigen werden. Das berichtet die Financial Times am Donnerstag unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Nach Informationen des Blatts wurde das japanische Technologiekonglomerat darüber informiert, dass das Geschäft von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission Chinas blockiert wird.
Für Konzernchef Masayoshi Son ist das ein Dämpfer für seine Ambitionen im Bereich der physischen künstlichen Intelligenz. Son hatte die Robotik als einen zentralen Bestandteil des aggressiven Vorstoßes von Softbank in den KI-Bereich skizziert. Der Zukauf war damit kein Randgeschäft, sondern ein Baustein der strategischen Erzählung, mit der der Konzern Anleger für seine KI-Ausrichtung gewinnen will.
Softbank versuche nun zu klären, was schiefgelaufen sei und ob man erneut eine Genehmigung beantragen könne, heißt es in dem FT-Bericht weiter. Die Darstellung stützt sich ausschließlich auf nicht namentlich genannte Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Für den Konzern geht es dabei nicht nur um eine einzelne Beteiligung: China ist der größte Markt für die Robotiksparte von ABB.
Der Kursrutsch fällt deutlich stärker aus als der des Nikkei 225
An den Märkten kam die Nachricht unmittelbar an. Die Aktien von Softbank rutschten am Donnerstag um 5 Prozent ab und lagen damit hinter dem Rückgang des Nikkei-225-Index zurück, der zeitgleich um 0,5 Prozent nachgab. Der Abschlag des Konzerns war damit ein Vielfaches der Bewegung des breiten japanischen Leitindex – ein Signal dafür, dass Anleger die Blockade als unternehmensspezifisches Problem und nicht als allgemeine Marktbewegung einordneten.
Der Druck auf die Aktie kam allerdings nicht von einer Seite allein. Softbank stand laut dem Bericht zusätzlich unter Druck aufgrund eines nächtlichen Kursverlusts bei Arm Holdings (NASDAQ: ARM) – einem Kronjuwel im Portfolio des Unternehmens. Auslöser war die Guidance des britischen Chipdesigners für das laufende Quartal, die enttäuschte. Für Softbank fielen damit zwei belastende Nachrichten in ein und dieselbe Handelssitzung.
Hinzu kam ein breiter Ausverkauf bei Technologie- und KI-Aktien. Als Treiber nennt der Bericht den Wahlsieg der Demokraten bei den Midterm-Wahlen in den USA, mit dem die Partei Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses errungen habe. Die Demokraten haben deutlich gemacht, dass sie die Aufsicht über KI und Rechenzentren verschärfen wollen. Für Softbank ist das ein direktes Thema, weil der Konzern über seine massiven Investitionen in OpenAI stark vom Ausbau von Rechenzentren in den USA abhängt. Die politische Großwetterlage und die regulatorische Blockade in China treffen damit zwei Standbeine derselben Strategie.
Softbank hat in diesem Jahr bereits mehrere Kursrückschläge verarbeitet
Die aktuelle Entwicklung reiht sich in eine Folge ähnlicher Belastungen ein. Bereits am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Softbank-Aktie um bis zu 7 Prozent auf 3.909 Yen einbrach. Damals wirkten mehrere Faktoren zusammen: schwache Quartalsergebnisse der wichtigsten Beteiligung Arm, an der Softbank eine 87,1-Prozent-Beteiligung hält, sowie verschärfte Konkurrenz für das KI-Startup OpenAI durch Google. Arm enttäuschte seinerzeit mit den Lizenzumsätzen im Dezember-Quartal, die Arm-Aktie brach nachbörslich um 8 Prozent ein. Das Geschäftsmodell des Chipdesigners beruht auf der Lizenzierung seiner Technologie an Branchengrößen wie NVIDIA.
Am 14.05.2026 zeigte sich ein anderes Muster: Trotz eines Rekordgewinns gab die Aktie nach. Sie fiel um knapp 4 Prozent auf 5.725,0 Yen, nachdem sie zu Handelsbeginn noch zugelegt hatte. Der Mischkonzern erzielte im vierten Quartal, das am 31. März endete, einen zurechenbaren Nettogewinn von 1,829 Billionen Yen (umgerechnet rund 11,61 Milliarden US-Dollar). Das übertraf die Bloomberg-Konsensschätzungen von 295,2 Milliarden Yen deutlich und entsprach mehr als einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Der Markt honorierte das nicht dauerhaft, weil die Risiken rund um OpenAI in den Vordergrund rückten.
Auch im weiteren Jahresverlauf blieb die Aktie anfällig. Am 14.09.2026 verzeichnete das Papier laut aktien.news einen Rückgang von 11,4 bis 13,2 Prozent. Auslöser war eine Reihe von Ankündigungen aus der KI-Branche und eine allgemeine Abkühlung der Stimmung gegenüber dem Sektor. Hauptauslöser des Ausverkaufs war die Bestätigung von OpenAI-CEO Sam Altman, dass das Unternehmen im Jahr 2026 keinen Börsengang anstrebe. Am 13.10.2026 brach die Aktie um 8,0 Prozent auf 5.337 Yen ein, getrieben von einem breiten Ausverkauf im asiatischen Technologiesektor nach schwachen US-Halbleiterwerten; der Nikkei 225 verlor zeitweise über 1.900 Punkte. Das Muster wiederholt sich: Softbank reagiert strukturell stark auf das Sentiment im KI- und Technologiesektor.
Der blockierte Deal lenkt den Blick auf Arm und OpenAI
Für Privatanleger in Deutschland ist die Nachricht aus mehreren Gründen relevant. Erstens zeigt sich, dass regulatorische Risiken in der chinesischen Genehmigungspraxis ein eigenständiger Bewertungsfaktor sind – ein Zukauf kann am Veto einer Behörde scheitern, unabhängig vom strategischen Nutzen. Zweitens wird deutlich, wie eng die Softbank-Story inzwischen an wenigen Beteiligungen hängt: Arm als Chipdesigner und OpenAI als KI-Investment prägen die Wahrnehmung stärker als das breite Beteiligungsportfolio. Der geplante Robotikzukauf sollte diese Abhängigkeit eigentlich verbreitern.
Drittens ist die politische Komponente zu beachten. Wenn in den USA eine verschärfte Aufsicht über KI und Rechenzentren droht, betrifft das die Bewertung von KI-Infrastruktur insgesamt – und damit auch die Erwartungen an Softbanks Engagements. Der Kursrückgang von 5 Prozent am Donnerstag ist vor diesem Hintergrund keine isolierte Reaktion auf ein chinesisches Nein, sondern das Ergebnis mehrerer gleichgerichteter Belastungen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; festhalten lässt sich jedoch, dass die Aktie auf Nachrichtenlagen aus mehreren Rechtsräumen gleichzeitig reagiert.
Softbank will klären, ob ein neuer Antrag in China möglich ist
Der weitere Verlauf hängt an wenigen, im Quelltext genannten Punkten. Softbank prüft nach Angaben der Financial Times, was zu der Blockade geführt hat und ob ein erneuter Genehmigungsantrag bei der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission Chinas Aussicht auf Erfolg hätte. Einen Zeitplan dafür nennt der Bericht nicht. Offen bleibt auch, wie der Konzern mit der ABB-Robotiksparte verfährt, sollte eine zweite Antragsrunde scheitern – dazu enthält die Quelle keine Angaben.
Beobachten sollten Anleger außerdem die beiden anderen Baustellen: die Entwicklung bei Arm nach der enttäuschenden Quartalsprognose und die politische Debatte in den USA über die Aufsicht von KI und Rechenzentren nach den Midterm-Wahlen. Beide Themen haben die Aktie in der Vergangenheit wiederholt bewegt. Neue belastende Nachrichten aus einem dieser Bereiche dürften die Kursreaktion vom Donnerstag verstärken, entlastende Nachrichten sie abmildern. Konkrete Termine für eine Entscheidung über einen neuen chinesischen Antrag nennt die Quelle nicht.
Drei Fachbegriffe helfen bei der Einordnung der Meldung
- Nationale Entwicklungs- und Reformkommission: zentrale chinesische Planungsbehörde, die unter anderem über die Genehmigung von Auslandsinvestitionen entscheidet.
- Physische KI: KI-Anwendungen, die in Maschinen und Robotern wirken und in der realen Welt agieren, statt nur Daten zu verarbeiten.
- Guidance: die von einem Unternehmen selbst veröffentlichte Prognose für Umsatz oder Gewinn im kommenden Quartal oder Geschäftsjahr.
