Wall Street im Schock: Nasdaq bricht um 5,5 Prozent ein
Der Nasdaq rutscht 5,5 Prozent ins Minus und damit in die Korrektur, nachdem Prognosen großer Handelshäuser gescheitert sind.

Die Wall Street hat am Donnerstag einen massiven Kurseinbruch erlebt, der die Erwartungen führender Finanzinstitute grundlegend enttäuschte. Der technologielastige Nasdaq-Index verlor 5,5 Prozent und rutschte damit offiziell in eine Korrekturphase. Der S&P 500 gab 4,3 Prozent nach, der Dow Jones Industrial Average 3,4 Prozent. Für beide Indizes war dies der schlechteste Intraday-Verlauf seit dem 4. April 2025.
Der Einbruch kam für viele Marktteilnehmer überraschend. Große Handelshäuser wie JPMorgan Chase & Co., Citadel Securities und UBS Securities hatten im Vorfeld der Wahlen prognostiziert, dass die Marktunsicherheit nach dem Urnengang abnehmen und eine Rallye einsetzen würde. Am Donnerstag kehrte sich die Stimmung jedoch abrupt ins Gegenteil um. Der Abverkauf traf die Märkte damit unmittelbar nach den Wahlen, deren Ausgang viele Häuser als Auslöser einer Rallye erwartet hatten.
Goldman Sachs sprach von einer „spektakulären“ Umkehr. Noch am Mittwoch hatten die Handelsabteilungen einen der geschäftigsten Tage des Jahres erlebt. Der Kontrast zwischen der Zuversicht vom Mittwoch und dem Abverkauf am Donnerstag prägte den Handelstag.
Goldman Sachs erklärt die Dynamik hinter dem Abverkauf
Die Analyse von Goldman Sachs verdeutlicht die Dynamik hinter dem Abverkauf. Viele „Long-Only“-Manager hatten ihr Risiko vor den Wahlen aggressiv reduziert, wurden dann jedoch von der Erholung am Mittwoch überrascht und stiegen überhastet wieder in den Markt ein. Hedgefonds, die am Mittwoch Aktien zurückgekauft hatten, stießen diese am Donnerstag ebenso schnell wieder ab, insbesondere im Bereich der Hyperscaler.
Der Ausverkauf war laut Goldman Sachs etwa fünfmal so stark wie in den Optionsmärkten eingepreist. Das traf viele Marktteilnehmer völlig unvorbereitet. Als Hauptursache identifizierten die Analysten den Verkauf von Makro-Produkten – nicht etwa die Liquidation einzelner Aktien.
Der KI-Sektor erlebt einen fundamentalen Wandel in der Bewertung
Zudem findet ein fundamentaler Wandel in der Bewertung des KI-Sektors statt. Der Fokus verschiebt sich von der langfristigen Nachfrage nach Rechenleistung hin zu den Kosten und dem Tempo der Implementierung. Steigende Finanzierungskosten, politischer Druck auf Rechenzentren und regulatorische Bedenken nach den Wahlen belasten die Stimmung zusätzlich.
Während die Handelsströme am Morgen von Panik geprägt waren, stabilisierte sich die Lage im Tagesverlauf. Volatilitätsfonds begannen, die Marktverzerrungen zu nutzen.
Bereits im Februar 2026 berichtete aktien.news über KI-Ängste an der Wall Street
Der aktuelle Einbruch ist Teil einer längeren Entwicklung, die aktien.news mehrfach begleitet hat. Bereits am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass KI-Ängste die Wall Street erschüttern und der Nasdaq 2 Prozent verliert. Ausgelöst wurde der damalige Kursrutsch durch wachsende Bedenken über die disruptiven Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf etablierte Unternehmen. Der technologielastige Nasdaq Composite führte die Verluste mit einem Minus von 2 Prozent an, während der S&P 500 um 1,6 Prozent nachgab und der Dow Jones Industrial Average 670 Punkte oder 1,3 Prozent verlor.
Schon am 14.02.2026 hatte aktien.news über einen breiten Ausverkauf an der Wall Street berichtet. Damals fiel der S&P 500 um 1,6 Prozent, der Dow Jones verlor 670 Punkte oder 1,3 Prozent, und der Nasdaq führte die Verluste mit einem Minus von 2 Prozent an. Der Ausverkauf erfasste eine ungewöhnlich breite Palette von Branchen – von Technologiekonzernen über Finanzdienstleister bis hin zu Logistikunternehmen. Die Intensität und Breite der Kursbewegungen überraschte selbst erfahrene Investoren.
Am 24.07.2026 meldete aktien.news, dass die Technologiegiganten der „Magnificent Seven“ einen massiven Kurssturz erlitten. Ein Index der Gruppe brach um 4,8 Prozent ein und vernichtete rund 797 Milliarden US-Dollar an Marktwert – der schwerste Tagesverlust seit dem „Zolltumult“ im April 2025. Der S&P 500 gab infolge des Tech-Einbruchs um 1,2 Prozent nach, der Nasdaq 100 sackte um 1,9 Prozent ab.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news über einen Tech-Verkauf vor der Wahl und die Frage, wie ein Demokraten-Sweep zum Crash werden könnte. Damals schienen Anleger den jüngsten „Tech-Crash“ bereits abgehakt zu haben, und viele stark betroffene Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz verzeichneten einen kräftigen intraday-Aufschwung. Zu den Titeln im Fokus zählte CoreWeave (Ticker CRWV), die in der Wochenmitte unter starkem Verkaufsdruck gestanden hatte, am Donnerstag aber wieder zulegen konnte.
Technologielastige Portfolios reagieren besonders empfindlich auf Stimmungsumschwünge
Für deutsche Anleger zeigt die Entwicklung, wie schnell sich die Stimmung an den US-Märkten drehen kann. Die Prognosen großer Handelshäuser erwiesen sich als unzuverlässig, und die Korrektur im Nasdaq macht deutlich, dass technologielastige Portfolios besonders anfällig für Stimmungsumschwünge sind. Die Experten von Goldman Sachs betonen, dass Aktien in diesem Umfeld zeitweise deutlich unter ihrem fundamentalen Wert gehandelt werden könnten.
Das kann bei einer Entspannung des Drucks zu heftigen Gegenbewegungen führen. Anleger sollten daher sowohl die Abwärts- als auch die Aufwärtsrisiken im Blick behalten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Goldman Sachs warnt vor schwer kalkulierbarem Ende des Verkaufsdrucks
Was die Zukunft betrifft, warnt Goldman Sachs, dass es schwierig sei, den Zeitpunkt des Endes des Verkaufsdrucks zu bestimmen. Dennoch zeichnen sich erste Anzeichen für „Dip-Buying“ ab. Investoren zeigten gegen Ende der Sitzung wieder Interesse an Titeln wie Nvidia, TSMC, Microsoft und CoreWeave.
Drei Fachbegriffe ordnen den Abverkauf an der Wall Street ein
- Korrekturphase: Eine Korrekturphase bezeichnet einen länger anhaltenden Kursrückgang eines Index nach einem vorangegangenen Höchststand.
- Long-Only-Manager: Long-Only-Manager sind Fondsverwalter, die im Wesentlichen nur auf steigende Kurse setzen und keine Leerverkäufe eingehen.
- Dip-Buying: Dip-Buying bezeichnet den gezielten Kauf von Aktien nach einem Kursrückgang in der Erwartung einer späteren Erholung.
