USD/KRW: Goldman Sachs sieht koreanischen Won weiter stärken
Goldman Sachs hat seine Bewertung des südkoreanischen Won nach oben korrigiert und rechnet mittelfristig mit weiteren Gewinnen unter der 1300er-Marke.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Einschätzung für den südkoreanischen Won nach oben korrigiert. Nach Angaben der Bank wird die Währung gegenüber dem US-Dollar mittelfristig voraussichtlich weiter stärken und dabei unterhalb der Marke von 1300 Won je Dollar bleiben. Als Begründung verweist Goldman Sachs auf den hohen Handelsbilanzüberschuss Südkoreas sowie auf starke Rückführungen von Kapital ins Inland. Beide Faktoren dürften das USD/KRW-Wechselkurs-Gefälle belasten, also den Dollar gegenüber dem Won schwächen.
Für den Devisenmarkt ist das insofern relevant, als die südkoreanische Währung damit an eine psychologisch bedeutsame Schwelle heranrückt. Die 1300er-Marke gilt Händlern traditionell als Orientierungspunkt. Das Thema betrifft auch deutsche Privatanleger, die in asiatische Aktien oder Anleihen investiert sind, weil Wechselkursbewegungen die Rendite solcher Engagements spürbar beeinflussen können.
Im Zentrum der Neubewertung steht die Frage, wie die südkoreanischen Behörden auf eine weitere Aufwertung des Won reagieren. Goldman Sachs erwartet, dass die Bank of Korea (BoK) bei der Marke von 1300 Devisenreserven aufbauen könnte. Ein solches Vorgehen würde weitere Gewinne des Won begrenzen, da die Zentralbank für den Aufbau von Reserven US-Dollar kaufen müsste.
Die Details
Die jüngsten Äußerungen des Gouverneurs der Bank of Korea, Shin, deuten nach Einschätzung von Goldman Sachs darauf hin, dass die Behörden eine Aufwertung unterhalb der 1300er-Marke durchaus akzeptieren könnten. Shin erklärte in dieser Woche, dass ein Kursniveau des Won bei 1330 im historischen Vergleich weiterhin als schwach einzustufen sei. Er fügte hinzu, dass eine weitere Aufwertung des Won wünschenswert wäre, da sie die Kaufkraft der privaten Haushalte steigern würde.
Aus Sicht von Goldman Sachs sind diese Aussagen ein wichtiges Signal: Sie deuteten darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger möglicherweise keine Obergrenze nahe den aktuellen Niveaus festlegen. Anders ausgedrückt: Die Behörden scheinen einer weiteren Stärke des Won nicht grundsätzlich entgegenzustehen, solange die Bewegung geordnet verläuft.
Einen Hinweis auf die bisherige Strategie liefern frühere Maßnahmen rund um den National Pension Service (NPS). Diese erlaubten es dem staatlichen Pensionsfonds, Absicherungspositionen abzubauen. Nach Einschätzung von Goldman Sachs dienten diese Schritte vermutlich primär der Kontrolle der Geschwindigkeit der Won-Aufwertung – also nicht dem Ziel, die Aufwertung zu verhindern, sondern sie zu verlangsamen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.10.2026 berichtete aktien.news, dass Goldman Sachs vor möglichen Devisenmarktinterventionen der südkoreanischen Behörden warnt, sollte der USD/KRW-Wechselkurs schnell unter das Niveau von 1250 bis 1300 fallen. In diesem Szenario könnten die Währungshüter am Spotmarkt aktiv werden und US-Dollar kaufen, um eine zu rasche Aufwertung des Won zu bremsen. Die Währungsreserven der Bank of Korea gingen dem Bericht zufolge im September geringfügig zurück, was Goldman Sachs teilweise auf Investitionen der südkoreanischen Regierung in den USA zurückführte.
Auch andere Banken hatten sich in den vergangenen Monaten optimistisch zum Won geäußert. Am 11.05.2026 berichtete aktien.news, dass UBS den Won weiterhin optimistisch beurteilt und den USD/KRW-Wechselkurs auf dem Weg unter die psychologisch wichtige Marke von 1400 sieht. Als Haupttreiber nannte die Schweizer Großbank attraktive Bewertungen sowie starke Zahlungsbilanzströme. Konkret bezifferte UBS die Unterbewertung des Won im Verhältnis zum Exportanteil auf mehr als 5 Prozent.
Auf politischer Ebene hatte sich am 21.01.2026 auch Südkoreas Präsident Lee Jae Myung zu Wort gemeldet. Er prognostizierte eine Aufwertung des Won und sah weiteres Potenzial für den bereits stark gestiegenen Aktienindex. Die südkoreanischen Behörden rechneten damals damit, dass sich der Won in den kommenden ein bis zwei Monaten auf etwa 1.400 Won pro Dollar erholen würde. Nach Lees Äußerungen legte die Währung zu und notierte bei 1.472,5 Won pro Dollar, nachdem sie zuvor mit 1.481,4 den schwächsten Stand seit Ende Dezember erreicht hatte.
Schon am 15.01.2026 hatte die Bank of America (BofA) für Ende 2026 einen Wechselkurs von 1.395 Won pro US-Dollar prognostiziert – trotz erheblichen Abwärtsdrucks durch massive Kapitalabflüsse. Als Hauptgrund für die damalige Schwäche des Won nannte der Bericht erhebliche Portfolioabflüsse koreanischer Privatanleger, die verstärkt in ausländische Wertpapiere, insbesondere in US-Technologieaktien, investierten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Einschätzung von Goldman Sachs vor allem ein Signal zur Einordnung von Währungsrisiken. Wer in südkoreanische Aktien oder Fonds investiert ist, profitiert von einem stärkeren Won, weil die Erträge bei der Umrechnung in Euro an Wert gewinnen können. Umgekehrt belastet ein schwächerer Won die Rendite. Die Aussicht auf einen USD/KRW-Kurs unterhalb der 1300er-Marke ist daher für Euro-Anleger, die in Korea engagiert sind, grundsätzlich eher günstig.
Zugleich zeigen die Archivberichte, wie bewegt die Entwicklung in diesem Jahr war. Zwischen dem Niveau von rund 1.472 Won pro Dollar im Januar und der aktuellen Diskussion um Kurse unter 1300 liegen deutliche Bewegungen. Anleger sollten daher einplanen, dass die Behörden – etwa über den Aufbau von Devisenreserven oder über Maßnahmen beim National Pension Service – die Geschwindigkeit der Aufwertung beeinflussen können. Das begrenzt das Tempo möglicher Kursgewinne, ändert aber nach Einschätzung von Goldman Sachs nichts an der grundsätzlichen Richtung.
Ausblick
Goldman Sachs erwartet mittelfristig eine Fortsetzung der Won-Stärke unterhalb der 1300er-Marke. Entscheidend dafür sind der hohe Handelsbilanzüberschuss Südkoreas und die Rückführungen von Kapital ins Inland. Als mögliche Bremse gilt der Aufbau von Devisenreserven durch die Bank of Korea bei der Marke von 1300. Ob und wann die Behörden tatsächlich eingreifen, hängt vom Tempo der Aufwertung ab. Hinweise auf die weitere Strategie könnten künftige Äußerungen von Gouverneur Shin liefern, der zuletzt ein Niveau von 1330 als historisch weiterhin schwach bezeichnet und eine weitere Aufwertung als wünschenswert beschrieben hatte.
Kurz erklärt
- USD/KRW: Wechselkurs, der angibt, wie viele südkoreanische Won ein US-Dollar kostet.
- Handelsbilanzüberschuss: Überschuss, der entsteht, wenn ein Land mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als importiert.
- Devisenreserven: Währungsbestände einer Zentralbank, die sie zur Steuerung des Wechselkurses einsetzen kann.
