Manipulierte Hardware-Wallets: Hacker stehlen 90 Millionen Dollar aus Ledger-Geräten
Kriminelle präparierten echte Ledger-Geräte mit versteckten Passwortlesern und erbeuteten so rund 90 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen.

Kriminelle haben in der vergangenen Woche digitale Vermögenswerte im Wert von rund 90 Millionen US-Dollar aus Kryptowährungs-Wallets gestohlen. Der Trick: Sie versteckten passwortlesende Komponenten in kleinen, USB-ähnlichen Geräten, die eigentlich als sicherste Methode gelten, um den Zugriff auf Token zu speichern. Betroffen sind Wallets von Kunden des französischen Unternehmens Ledger.
Ledger verkauft kleine Geräte, die USB-Sticks ähneln. Auf ihnen können Anleger das Passwort zum Zugriff auf ihre digitalen Token sicher speichern – ohne Internetverbindung, um sich vor Hacks ihrer Passwörter und Vermögenswerte zu schützen. Genau diese Geräte wurden nun zum Einfallstor.
Das Unternehmen bezeichnet den Vorfall als „einen der ausgefeiltesten Angriffe", den die Kryptoindustrie je gesehen hat. Der Fall zeigt, mit welchem Aufwand organisierte Kriminelle inzwischen vorgehen, um digitale Token zu erbeuten – und hat in der Branche Alarm ausgelöst.
Die Details
Nach Angaben von Ledger kauften die Täter über mehrere Monate hinweg „echte Ledger-Geräte, öffneten diese, bauten maßgeschneiderte verborgene Komponenten ein, die darauf abzielen, die Wiederherstellungsphrase während der Einrichtung zu erfassen, und gaben sie anschließend über Wiederverkäufer in Südostasien wieder in den Vertrieb". Die manipulierten Geräte gelangten also nicht direkt über Ledger selbst, sondern über den Zwischenhandel zu den Anlegern.
„Sie bauten ihre eigene Logistik- und Technologieinfrastruktur mit [Passwort]-Sammlerservern, Abfluss- und Geldwäscheinfrastrukturen auf", erklärte das Unternehmen. Weiter heißt es: „Sie waren geduldig, gaben Millionen aus und schlugen in einer koordinierten Operation zu, wobei sie Wallets leerten." Die Angaben machte Ledger am Donnerstag.
Alle betroffenen Geräte wurden von CryptoBilis verkauft, einem Wiederverkäufer mit Sitz in Malaysia. „Wir haben alle Verkäufe und Lieferungen von Ledger-Geräten pausiert, während Ledger ermittelt, und wir kooperieren mit der Untersuchung von Ledger", sagte CryptoBilis. Der Angriff traf nach Darstellung von Ledger ausdrücklich nicht die eigenen Systeme des Unternehmens. „Dies war ein Angriff auf den Vertriebskanal, nachdem die Geräte unsere Kontrolle verlassen hatten", so das Unternehmen.
Ledger erklärte, die Überwachung seines Vertriebsnetzes verschärft zu haben. Partner seien darüber informiert worden, dass die Geräte „niemals in irgendeiner Form weiterverkauft werden dürfen, selbst wenn sie neu und ungeöffnet aussehen".
Hintergrund: Was bisher geschah
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsproblemen ein, über die aktien.news in den vergangenen Monaten berichtet hat. Bereits am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass ein Datenleck beim Hardware-Wallet-Anbieter Trezor die persönlichen Daten von fast 14.000 Kryptowährungsbesitzern offengelegt hat. Betroffen waren ausgerechnet Nutzer von sogenannten Cold Wallets – Geräten, die als sicherste Methode zur Aufbewahrung digitaler Vermögenswerte gelten. Ursache war ein Datenleck bei einem Versanddienstleister. Konkret wurden Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von 11.742 Käufern der Sicherheitsgeräte offengelegt; zusätzlich wurden Namen, Wohnorte und E-Mail-Adressen von weiteren 1.947 Kunden veröffentlicht.
Auch die physische Sicherheit von Krypto-Besitzern rückte bereits in den Fokus. Am 22.05.2026 berichtete aktien.news, dass ein Bitcoin-Miner 860.000 US-Dollar für die Panzerung von Fahrzeugen seiner Führungskräfte ausgegeben hat. Der Bericht verwies darauf, dass Personen mit bedeutenden digitalen Vermögenswerten einzigartigen physischen Risiken ausgesetzt sind, weil öffentliche Blockchain-Netzwerke sofortige und anonyme Übertragungen von Token ermöglichen.
Dass die Branche insgesamt rauer geworden ist, zeigen weitere Berichte: Am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass Präsident Donald Trump mit seinen Krypto-Projekten im vergangenen Jahr ein Vermögen machte, während viele seiner Anhänger Verluste erlitten. Bereits am 09.02.2026 berichtete aktien.news, dass seit der Wiederwahl des Präsidenten mindestens 1,4 Milliarden Dollar an die Trump-Familie aus dem Krypto-Unternehmen World Liberty Financial flossen.
Was das für Anleger bedeutet
Der Fall trifft einen besonders sensiblen Punkt: Hardware-Wallets gelten gemeinhin als sicherste Aufbewahrungsmethode für Kryptowährungen, weil die Schlüssel offline liegen. Der Angriff zielte jedoch nicht auf die Verschlüsselung, sondern auf die Lieferkette – also auf die Frage, auf welchem Weg ein Gerät zum Besitzer gelangt.
Trezor, ein Konkurrent, der ebenfalls Hardwaregeräte verkauft, hat angesichts des Angriffs eine ähnliche Maßnahme ergriffen. Das Unternehmen reduzierte die Anzahl der Wiederverkäufer, mit denen es zusammenarbeitet, als Vorsichtsmaßnahme, um „jeden Partner sorgfältig zu prüfen und zu überprüfen". „Ein Hardware-Wallet ist nur so sicher wie der Weg, den es zurücklegt, bis es seinen Besitzer erreicht", sagte Danny Sanders, Chief Commercial Officer bei Trezor. Das Unternehmen verstärke die Überwachung dafür, wie seine Geräte „beschafft, gelagert und gehandhabt" werden.
Für Käufer bedeutet das vor allem: Beim Erwerb kommt es auf die Bezugsquelle an. Wer ein Gerät über einen Wiederverkäufer oder aus zweiter Hand bezieht, sollte besondere Sorgfalt walten lassen. Der Vorfall zeigt zudem, dass auch die Selbstverwahrung von Token nicht vor Angriffen schützt, wenn die Hardware selbst manipuliert wurde.
Der Branchendruck wächst: In den letzten Monaten wurden mehrere Self-Custody-Plattformen gehackt. Im August wurden etwa 116 Millionen US-Dollar aus Coldcard-Wallets gestohlen, nachdem Hacker eine Schwachstelle im System ausgenutzt hatten. Die Blockchain-Nachverfolgungsfirma Chainalysis stellte in einem Bericht Anfang dieses Jahres fest: „In den vergangenen Jahren hat sich die Krypto-Kriminalitätslandschaft zunehmend professionalisiert." Krypto bleibe „ein kritisches Element moderner krimineller Operationen".
Ausblick
Ledger hat angekündigt, sein Vertriebsnetz künftig strenger zu überwachen und Partnern den Weiterverkauf von Geräten zu untersagen. CryptoBilis hat alle Verkäufe und Lieferungen von Ledger-Geräten pausiert, während Ledger ermittelt, und kooperiert mit der Untersuchung. Trezor will die Zahl seiner Wiederverkäufer weiter prüfen und die Überwachung der Beschaffung, Lagerung und Handhabung seiner Geräte verstärken. Weitere konkrete Termine oder Ergebnisse der laufenden Untersuchungen nennt die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Hardware-Wallet: Ein physisches Gerät, das die Zugangsschlüssel zu Kryptowährungen offline speichert und so vor Hacks schützen soll.
- Wiederherstellungsphrase: Eine Wortfolge, mit der sich der Zugriff auf ein Krypto-Wallet wiederherstellen lässt.
- Self-Custody: Die eigenständige Verwahrung von Kryptowährungen durch den Anleger statt durch eine Börse oder einen Dienstleister.
