UBS: Continental und Pirelli sind die besten Reifenaktien
Die Schweizer Großbank setzt auf Premium-Hersteller, die den Inflationsdruck besser wegstecken als der Wettbewerb.

Die Schweizer Großbank UBS sieht Premium-Reifenhersteller gut aufgestellt, um den aktuellen Inflationsdruck zu bewältigen. In einer aktuellen Branchenanalyse hebt das Institut Continental als seinen bevorzugten Wert im Reifensektor hervor. Hintergrund ist ein gemischtes Nachfrageumfeld, das sich in den Septemberdaten sowohl bei Personenkraftwagen als auch bei Lastkraftwagen zeigt.
Die Analysten der UBS schätzen, dass die globalen PKW-Märkte im dritten Quartal 1% im Jahresvergleich zurückgingen, während die Lkw-Märkte weitgehend flach blieben. Der September, der als Schlüsselmonat für den Verkauf von Winterreifen in Europa gilt, zeigte eine Schwäche von negativ 4% im Jahresvergleich. Die Bank führt diese Entwicklung jedoch primär auf niedrigere Importe aus China zurück und nicht auf eine schwache grundlegende Nachfrage.
Neben Continental nennt UBS auch den italienischen Hersteller Pirelli als aussichtsreichen Titel. Beide Aktien werden mit einem "Kaufen"-Rating geführt. Der Anstieg der Ölpreise auf rund $100 pro Barrel hat zuletzt auf Reifenaktien belastet, obwohl dieses Niveau nach Einschätzung der Analysten bereits in den Annahmen mehrerer Unternehmen für das Geschäftsjahr 2026 eingepreist ist.
Die Details
Im Mittelpunkt der Analyse steht Continental, den UBS als am meisten bevorzugten Namen im Reifenbereich bezeichnet. Das Kursziel der Bank liegt bei €90. Kurzfristig sieht UBS Aufwärtsrisiken für die Guidance des fiscal year 2026. Als mittelfristige Treiber nennt das Institut weitere Margenausweitungen, die durch die Wende in Amerika und die Optimierung anderer Geschäftsbereiche getrieben werden sollen. Zusätzlich merkt UBS an, dass Continental bis zum ersten Halbjahr 2027 mehr als 20% seiner Marktkapitalisierung ausschütten sollte und zu einem ungerechtfertigten Bewertungsabschlag gegenüber den Peers handelt.
Für Pirelli nennt UBS ein Kursziel von €7.1 und ebenfalls die Einstufung "Kaufen". Der italienische Reifenhersteller habe solide Ergebnisse geliefert und sollte in der Lage sein, eine attraktivere Kapitalallokationsstrategie einzuführen. Dies gelte insbesondere nach jüngsten Änderungen in seiner Aktionärsstruktur, so die Analysten.
Auf der Nachfrageseite zeigen die Branchenchecks der UBS hohe Händlerbestände in Europa, die sich hauptsächlich im Budget-Reifensegment konzentrieren. Gut kapitalisierte Distributoren scheinen bereit, Lagerbestände länger zu halten, in Erwartung höherer zukünftiger Verkaufspreise. Dieser Effekt verzögert die Normalisierung der Bestände. Im Lkw-Segment meldete Michelin weiterhin schwache Absatzzahlen beim Ersatzreifengeschäft in Nordamerika. Als Gründe nennt UBS niedrigere Importe und eine verlangsamte Wirtschaftstätigkeit. Gestützt blieben die Trends bei Lastkraftwagen dagegen durch die Erholung der nordamerikanischen Originalausrüstung (OEM).
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Einschätzung der UBS reiht sich in eine Serie früherer Berichte von aktien.news ein. Bereits am 01.04.2026 berichtete aktien.news, dass UBS vor zunehmendem Gegenwind für den europäischen Automobilsektor warnt. Der anhaltende Nahostkonflikt treibe Energie- und Vorleistungskosten in die Höhe, belaste Lieferketten und trübe die Nachfrageaussichten. Seit Beginn des Konflikts habe der Sektor bereits 10 bis 15 Prozent verloren. Trotz des schwierigen Umfelds identifizierte UBS damals Stellantis und Continental als bevorzugte Werte mit unternehmensspezifischen Katalysatoren und Turnaround-Potenzial.
Am 13.04.2026 meldete aktien.news, dass UBS im Vorfeld der Ergebnisse für das erste Quartal ihre Top-Picks im europäischen Automobilsektor bestätigte. Die Bank identifizierte ausgewählte Gelegenheiten, bei denen operative Umsetzung, Bewertung und strategische Positionierung zu einer Outperformance führen könnten – auch dann, wenn die allgemeinen Branchenbedingungen uneinheitlich bleiben. Im Fokus standen erneut Stellantis und Continental.
Ebenfalls relevant ist der Blick auf die Unternehmensprognose: Am 04.03.2026 berichtete aktien.news, dass Continental für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz im Reifengeschäft zwischen 13,2 Milliarden und 14,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hat. Im Jahr 2025 erzielte die Kernsparte einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro. Der Mittelpunkt der Prognose liegt damit leicht unter der durchschnittlichen Analystenerwartung von 14,0 Milliarden Euro. Bei der bereinigten operativen Gewinnmarge rechnet Continental mit einem Wert zwischen 13,0 und 14,5 Prozent, nach 13,6 Prozent im Vorjahr und einer Analystenerwartung von 14,0 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert die UBS-Analyse mehrere Anhaltspunkte. Erstens unterscheidet die Bank klar zwischen Premium- und Budget-Segment: Die hohen Händlerbestände in Europa betreffen vor allem das Budget-Reifensegment, während Premium-Hersteller wie Continental und Pirelli als robuster gegenüber dem Inflationsdruck gelten. Zweitens spielt der Rohstoffpreis eine zentrale Rolle. Der Ölpreis von rund $100 pro Barrel belastet die Aktien, ist aber laut UBS bereits in den Annahmen für das Geschäftsjahr 2026 mehrerer Unternehmen eingepreist. Eine spürbare Auswirkung höherer Rohstoffkosten ist nach Einschätzung der Bank erst Anfang 2027 zu erwarten.
Drittens nennt UBS konkrete Bewertungsargumente. Bei Continental verweist das Institut auf einen ungerechtfertigten Bewertungsabschlag gegenüber den Peers sowie auf eine mögliche Ausschüttung von mehr als 20% der Marktkapitalisierung bis zum ersten Halbjahr 2027. Bei Pirelli steht die Kapitalallokationsstrategie im Fokus, die sich nach den jüngsten Änderungen in der Aktionärsstruktur verbessern könnte. Anleger sollten beachten, dass es sich um Einschätzungen einer einzelnen Bank handelt und nicht um eine allgemeingültige Empfehlung.
Ausblick
UBS erwartet, dass die Unternehmen in der kommenden Gewinnmeldungsperiode beginnen werden, über das Ausmaß des Rohstoff-Kopfwinds für 2027 zu sprechen. Diese Kommunikation dürfte für die weitere Einschätzung der Margenentwicklung entscheidend sein. Kurzfristig sieht die Bank bei Continental Aufwärtsrisiken für die Guidance des fiscal year 2026. Mittelfristig sollen die Wende in Amerika und die Optimierung anderer Geschäftsbereiche zusätzliche Margenausweitungen ermöglichen. Bei Pirelli richtet sich der Blick auf die angekündigte Kapitalallokationsstrategie nach der veränderten Aktionärsstruktur. Beide Titel führt UBS mit einem Kursziel von €90 (Continental) beziehungsweise €7.1 (Pirelli) und der Einstufung "Kaufen".
Kurz erklärt
- OEM: Original Equipment Manufacturer bezeichnet Hersteller, die Bauteile oder Fahrzeuge direkt für die Erstausrüstung produzieren.
- Ersatzreifengeschäft: Der Verkauf von Reifen als Ersatz für bereits genutzte Reifen, im Gegensatz zur Erstausrüstung neuer Fahrzeuge.
- Marktkapitalisierung: Der Gesamtwert aller ausstehenden Aktien eines Unternehmens an der Börse.
