Roboterpuppen, Chipknappheit und Apple: Was die Tech-Woche in Asien prägte
UBTech startet Roboter-Verkauf, China fehlen KI-Chips und Apple kürzt iPhone-Bestellungen – die wichtigsten Entwicklungen der Tech-Woche.

Auf einer vom Hong Kong Trade Development Council organisierten Elektronikmesse sorgte in dieser Woche ein Begleiter-Humanoidroboter von UBTech für Aufsehen. Die lebensgroße weibliche Figur mit langen, lockigen Haaren, zartem Make-up, einem Chanel-ähnlichen Rockanzug und perlmuttfarbenen, glitzernden High Heels saß auf einem Sofa und war auf den ersten Blick kaum von einem echten Menschen zu unterscheiden. Die Journalistin Cissy Zhou beschrieb sie als Puppe mit Chatbot, die nicht einmal tanzen könne wie andere Roboter. Erst die Haut an Armen und Beinen verriet das Wesen aus Silikon – von Nahem wirkt das Gesicht vor allem dank des Make-ups menschlich.
Der Markt scheint das Produkt dennoch zu akzeptieren. Die globale Vertriebsleiterin von UBTech sagte, der Verkauf in China habe bereits begonnen, wobei die männliche Version die weibliche an Verkaufszahlen übertrifft und sich die Kundenbasis stark auf junge Frauen konzentriert. Kunden zahlen demnach 20.000 US-Dollar für das Wesen, um es zur emotionalen Unterstützung zu nutzen. Ein Flaggschiffmodell mit autonomer Navigation und höherer Rechenleistung kostet 130.000 US-Dollar.
Dieselbe Vertriebsleiterin erklärte zudem, das Unternehmen glaube, Japan könnte wegen der enormen potenziellen Nachfrage zum größten Markt werden. UBTech arbeite noch daran, die notwendigen Zertifizierungen zu erhalten, um die Roboter dort verkaufen zu dürfen. Damit reiht sich der Hersteller in eine breitere Bewegung ein, in der KI-Anbieter aus China und den USA den japanischen Markt ins Visier nehmen.
Die Details: Rechenzentren, Chipknappheit und Apple
Nicht nur chinesische Roboterhersteller richten ihren Blick auf Japan. Auch US-Frontier-KI-Labore suchen dort Expansion: Anthropic plant laut Berichten von Nikkei Asia sein erstes dediziertes Rechenzentrum im Land. Gebaut wird es von Japans NTT Data Group, dem drittgrößten Betreiber von Rechenzentren weltweit nach Marktanteil. Die Anlage in der Präfektur Osaka wird eines der größten Japans sein, mit potenziellen Kosten von 1 Billion Yen (6,3 Milliarden US-Dollar) – oder 7 Billionen Yen, sollten später die fortschrittlichen KI-Server hinzukommen. Die Sicherung der Stromversorgung gilt als Herausforderung, weshalb das Projekt zunächst Alternativen prüfen soll, darunter die Stromerzeugung vor Ort und Brennstoffzellen.
In China ist die KI-Entwicklung zur nationalen strategischen Priorität erklärt worden. Die Produktion inländischer KI-Chips hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt, angeführt von Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Baidu und Cambricon. Das reicht jedoch nicht, um die steigende Nachfrage der größten Tech-Konzerne des Landes zu decken. Allein Alibaba, ByteDance und Tencent werden ihre Kapitalausgaben in diesem Jahr voraussichtlich mehr als verdoppeln – auf rund 700 Milliarden Renminbi (104 Milliarden US-Dollar), so mit den Plänen vertraute Personen.
Die inländische Versorgung mit KI-Chips dürfte in diesem Jahr bis zu 3,5 Millionen Einheiten erreichen, darunter rund 1 Million im Ausland produzierte. Die Gesamtnachfrage übersteigt nach Einschätzung von Branchenkennern jedoch schätzungsweise 5 Millionen Einheiten. Das Ungleichgewicht dürfte sich im nächsten Jahr noch deutlicher zeigen: Die inländische Produktion wächst voraussichtlich wieder, doch die Nachfrage könnte sich mehr als verdoppeln, die Marke von 10 Millionen Einheiten überschreiten und ein erhebliches Defizit hinterlassen.
Um die Lücke zu schließen, greifen chinesische Technologiekonzerne auf Nvidias Gaming- und Workstation-Prozessoren zurück, die den US-Exportkontrollen entsprechen, aber für einige KI-Arbeitslasten umgewidmet werden können. Chinesische Tech-Unternehmen haben in diesem Jahr mehr als 1 Million solcher Nvidia-Chips gekauft, so mehrere Branchenkenner. Die wachsende Kluft zwischen Nachfrage und inländischer Versorgung ist demnach nicht nur eine Herausforderung für die chinesischen Tech-Gruppen, die zu den US-Rivalen aufschließen wollen, sondern auch für Peking beim Aufbau einer selbstversorgenden KI-Branche.
Auch SoftBank weitet sein Engagement aus und baut über Tech-Investitionen hinaus physische Infrastruktur für den KI-Betrieb auf. Im Zentrum steht ein vorgeschlagener 33 Milliarden US-Dollar schwerer, erdgasbetriebener Energiekomplex samt Rechenzentrums-Campus in Ohio, der den Bedarf von OpenAI decken soll. Einer der Entwickler ist SB Energy, ein Unternehmen für erneuerbare Energien, das inzwischen zentral für Masayoshi Sons Pläne ist, in KI-Infrastruktur zu expandieren. SB Energy reichte im September einen Börsengang an der Nasdaq ein und suchte eine geschätzte Bewertung von 50 Milliarden US-Dollar; das Angebot wurde jedoch wegen der Volatilität KI-verknüpfter Aktien verzögert. Der Großteil der Umsätze stammt weiterhin aus Strom- und Erneuerbare-Energien-Geschäften, da das Unternehmen noch keine operativen Rechenzentren betreibt. Im ersten Halbjahr verzeichnete es einen Nettoverlust von rund 3,2 Milliarden US-Dollar. Analysten bewerten das Vorhaben als Kraftakt mit hohem Risiko und hoher möglicher Belohnung. Die engen Verbindungen zu OpenAI und Nvidia könnten zudem Investoren beunruhigen: Beide sollen wichtige Aktionäre werden, OpenAI als Ankerkunde der meisten geplanten Rechenzentren, Nvidia als Chiphersteller und Unterstützer von Finanzierungsvereinbarungen für einige Projekte.
Unterdessen kürzt Apple die Bestellungen für Komponenten seiner neu gestarteten iPhone 18 Pro und iPhone 18 Pro Max und reduziert sie im Oktober im Vergleich zur ursprünglichen Anfrage um mindestens 15 Prozent. Steigende Speicherchip-Kosten erzwangen Preiserhöhungen, die die Konsumentennachfrage gedämpft haben, so mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine weitere Quelle sagte, die Volumennachfrage von Ende August bis Oktober sei schwächer gewesen als in früheren Jahren, was jedoch mit Apples geändertem Startplan für iPhone-Modelle zusammenhängen könnte. Der Rückgang der Versandvolumina würde sich nicht sofort in niedrigeren Einnahmen für Apple niederschlagen, da alle Modelle mindestens 10 Prozent teurer geworden sind als im vergangenen Jahr.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.05.2026 berichtete aktien.news, dass China möglicherweise den nächsten großen Exportschock vorbereitet – diesmal nicht mit Solarpanelen oder Elektroautos, sondern mit humanoiden Robotern. Peking fördere gezielt die Entwicklung zweibeiniger Maschinen, die Fabrikarbeiten übernehmen sollen, mit dem Ziel, Produktionskosten zu senken und den globalen Wettbewerbsvorteil der chinesischen Industrie weiter auszubauen. Vor diesem Hintergrund ordnet sich der Vorstoß von UBTech mit seinem Begleitroboter in eine staatlich geförderte Strategie ein.
Am 13.02.2026 berichtete aktien.news von einer ereignisreichen Börsenwoche: Während japanische Aktien nach dem Erdrutschsieg von Premierministerin Sanae Takaichi auf Rekordhöhen kletterten, mussten US-Technologiewerte deutliche Verluste hinnehmen. Der Nasdaq Composite gab am Donnerstag um 2 Prozent nach, nachdem Cisco Systems enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatte. Apple verzeichnete damals mit einem Minus von 5 Prozent den stärksten Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Zollankündigung im April 2025. Die nun gemeldeten Kürzungen bei den iPhone-Bestellungen setzen die Reihe schwächerer Signale für den Konzern fort.
Was das für Anleger bedeutet
Die Nachrichten aus dieser Woche zeigen mehrere Spannungsfelder. Auf der einen Seite steht der wachsende Kapitalbedarf der KI-Infrastruktur – von Anthropics geplantem Rechenzentrum in Osaka bis zu SoftBanks vorgeschlagenem Energiekomplex in Ohio. Auf der anderen Seite tritt die Knappheit bei den zentralen Komponenten offen zutage: China verdoppelt seine Chip-Produktion, kommt aber weiterhin nicht an die eigene Nachfrage heran und weicht auf Nvidia-Chips aus, die eigentlich nicht für KI gebaut sind.
Für Anleger relevant ist, dass diese Knappheit nicht nur die chinesischen Tech-Konzerne trifft, sondern über die Speicherchip-Kosten auch Apple erreicht – mit konkreten Folgen für Bestellvolumen und Preise. Gleichzeitig bleibt das KI-Infrastrukturgeschäft kapitalintensiv und risikobehaftet, wie das Beispiel SB Energy mit seinem Nettoverlust von rund 3,2 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr zeigt. Die enge Verflechtung zwischen Energieanbietern, Chipherstellern und KI-Modellanbietern macht die Einschätzung einzelner Titel anspruchsvoller. Dieser Artikel ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
UBTech will die notwendigen Zertifizierungen für den Verkauf seiner Roboter in Japan erlangen; das Land könnte zum größten Markt des Unternehmens werden. Ob das gelingt, ist offen. Bei den KI-Chips wird das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage laut Branchenkennern im nächsten Jahr noch ausgeprägter ausfallen: Die Nachfrage könnte auf über 10 Millionen Einheiten steigen. Ob SB Energys Börsengang an der Nasdaq wie geplant weiterverfolgt wird, bleibt nach der Verzögerung wegen der Volatilität KI-verknüpfter Aktien abzuwarten. Und bei Apple wird sich zeigen, ob sich die gedämpfte Nachfrage der Monate August bis Oktober in den kommenden Quartalen fortsetzt oder ob sie mit dem geänderten Startplan für iPhone-Modelle zusammenhängt.
Kurz erklärt
- Humanoidroboter: Maschine in menschlicher Gestalt, die für Arbeiten oder Interaktion mit Menschen entwickelt wird.
- Rechenzentrum: Gebäudekomplex mit vielen Servern, in dem große Datenmengen verarbeitet und gespeichert werden.
- Kapitalausgaben: Investitionen eines Unternehmens in langlebige Anlagen wie Gebäude, Maschinen oder Server.
- KI-Chip: Spezialisierter Prozessor, der die rechenintensiven Aufgaben von KI-Modellen beschleunigt.
- Ankerkunde: Erster großer Abnehmer, der einem neuen Projekt Auslastung und Planungssicherheit verschafft.
