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Thyssenkrupp streicht Jobs und senkt Löhne

Stahlkonzern plant tiefgreifenden Umbau und erwartet Zustimmung der IG Metall sowie Finanzierungssicherheit

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Thyssenkrupp streicht Jobs und senkt Löhne

Mehr als 11.000 Stellen fallen weg, die Löhne sinken um durchschnittlich acht Prozent – und dennoch sprechen Thyssenkrupp und die IG Metall von einem gemeinsamen Schritt in die Zukunft. Nach tagelangen, intensiven Verhandlungen einigten sich beide Seiten auf einen sogenannten „Sanierungstarifvertrag“, der unter dem Titel „Neuaufstellung Stahl“ firmiert. Die Einigung wurde am frühen Samstagmorgen erzielt und soll den Umbau der Stahlsparte bis zum Jahr 2030 regeln.

Konkret ist geplant, die Produktionskapazität des Konzerns von derzeit 11,5 Millionen Tonnen Rohstahl jährlich auf maximal neun Millionen Tonnen zu senken. Dazu wird bereits im Oktober dieses Jahres der Hochofen 9 in Duisburg stillgelegt, ein zweiter Hochofen soll folgen, sobald eine neue Direktreduktionsanlage in Betrieb geht. Zwei Werke in Bochum werden in den kommenden Jahren geschlossen, ein drittes Werk in Kreuztal könnte möglicherweise erhalten bleiben. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen insgesamt 11.300 Arbeitsplätze abgebaut oder ausgelagert werden.

Auch bei der Bezahlung gibt es spürbare Einschnitte. Die Wochenarbeitszeit wird kollektiv um 1,5 Stunden reduziert, Urlaubsgeld und tarifliche Sonderzahlungen fallen weg, das Weihnachtsgeld wird gekürzt. Für die verbleibenden Beschäftigten bedeutet dies Einkommensverluste von durchschnittlich acht Prozent. Dennoch betonten sowohl Vorstand als auch Gewerkschaft, dass die Einigung schmerzhafte, aber notwendige Kompromisse beinhalte.

Die Vereinbarung regelt auch Details wie Sozialpläne, Interessenausgleiche und Abfindungsformeln. Für die Belegschaft bedeutet das zumindest ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Doch der Tarifvertrag steht unter zwei Vorbehalten: Die IG-Metall-Mitglieder müssen ihm noch zustimmen, und die Finanzierung des Restrukturierungsprogramms muss gesichert sein. Dafür soll ein IDW-S6-Gutachten erstellt werden, das die tatsächlichen Kosten des Umbaus beziffert. Von einem Bedarf von bis zu vier Milliarden Euro war bereits zuvor die Rede.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die Frage, wie viel Kapital die Konzernmutter bereitstellt. Auch der tschechische Großinvestor Daniel Křetínský, der inzwischen 20 Prozent an der Stahlsparte hält, spielt dabei eine Rolle. Ob sein Interesse über eine reine Kapitalbeteiligung hinausgeht, ist offen. Klar ist, dass die kommenden Monate entscheidend sein werden, ob die ambitionierten Umbaupläne des Stahlbereichs tragfähig sind – wirtschaftlich wie strukturell.

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