Westliche Schmelzen stehen vor dem Aus
Chinas Überkapazitäten und Subventionen drücken globale Metallverarbeitung in die Verlustzone

Die Metallverarbeitung in westlichen Industriestaaten steht vor einer existenziellen Krise. Während Chinas Dominanz im Bereich seltener Erden längst wirtschaftliche und geopolitische Spannungen erzeugt, gerät nun auch der gesamte Bereich der Metallverhüttung unter Druck – mit potenziell weitreichenden Folgen für die Versorgung mit kritischen Rohstoffen.
Ein zentrales Problem ist der rapide Ausbau der chinesischen Schmelzkapazitäten, der die Gewinnspannen für westliche Produzenten zunehmend schrumpfen lässt. So mussten kürzlich Kupferschmelzen in Namibia und auf den Philippinen ihren Betrieb einstellen, da die Verarbeitungsgebühren unter null gefallen sind. Auch Glencore bezeichnet seine Kupferhütte in Mount Isa, Australien, als finanziell nicht mehr tragfähig. Parallel dazu schlagen Branchenvertreter Alarm und fordern staatliche Unterstützung für andere Anlagen, darunter Zink- und Bleischmelzen von Nyrstar sowie die Aluminiumhütte Tomago von Rio Tinto.
Besonders deutlich zeigt sich die Marktverzerrung am Beispiel der jüngsten Liefervereinbarung zwischen chinesischen Schmelzen und dem chilenischen Kupferproduzenten Antofagasta. Die vereinbarte Umwandlungsgebühr beträgt exakt null – ein Novum. Auf dem Spotmarkt zahlen Schmelzen inzwischen sogar Geld, um an Rohmaterial zu gelangen. Das ist eine komplette Umkehr der bisherigen Preisstruktur, bei der die Verarbeitung von Konzentraten die Haupteinnahmequelle darstellte.
Auch im Zinkmarkt verschärft sich die Lage. Nachdem die Spotgebühren im vergangenen Jahr ins Negative rutschten, haben sie sich zwar etwas erholt, liegen aber noch deutlich unter dem ohnehin historischen Tiefstwert der Jahresbenchmark. Gleichzeitig wächst die weltweite Zinkminenproduktion weiter – und Chinas Importe von Zinkkonzentrat haben sich im bisherigen Jahresverlauf mehr als verdoppelt.
Diese Entwicklungen zeigen: Die aktuellen Schwierigkeiten resultieren weniger aus einem Mangel an Erzvorkommen als vielmehr aus einem globalen Ungleichgewicht. Der chinesische Ausbau übersteigt bei Weitem die Produktionskapazitäten der Minen. Die Folge sind ein Einbruch der Verarbeitungsgebühren und eine rapide sinkende Rentabilität westlicher Schmelzen.
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Zur AktienanalyseChinas Anteil an der weltweiten Zinkverhüttung ist seit 2007 von 33 auf fast 50 Prozent gestiegen. Bei Aluminium liegt der Anteil inzwischen bei rund 60 Prozent. Überschüsse gelangen zunehmend als Halbzeuge in den Export, dessen Volumen sich seit 2010 verdreifacht hat. Gleichzeitig entstehen neue Kapazitäten außerhalb Chinas – finanziert durch chinesisches Kapital, etwa in Indonesien, das inzwischen rund die Hälfte der weltweiten Nickelproduktion stellt.


