Thyssenkrupp verhandelt über Stellenabbau und Umbau
Zukunftskonzept sieht Jobstreichungen vor, IG Metall warnt vor drastischen Einschnitten für Beschäftigte

Die Verhandlungen um die Zukunft der Stahlsparte bei Thyssenkrupp Steel Europe gehen in ihre entscheidende Phase. Noch in dieser Woche will der Stahlvorstand eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielen. Der Zeitdruck ist groß, denn der letzte mögliche Termin für eine Vereinbarung fällt mit dem Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen zusammen. Innerhalb des Konzerns herrscht eine angespannte Atmosphäre, während in Duisburg gleichzeitig neue Anlagen feierlich eröffnet wurden.
Am vergangenen Freitag wurde in Duisburg-Bruckhausen eine hochmoderne Stranggießanlage in Betrieb genommen, begleitet von NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und dem Duisburger Oberbürgermeister Sören Link. Mit einer Investition von 800 Millionen Euro hat Thyssenkrupp dort Infrastruktur modernisiert und seine Produktionskapazitäten erweitert. Trotz dieser technologischen Fortschritte steht das Unternehmen vor massiven Einschnitten: Ein Zukunftskonzept sieht vor, rund 11.000 Stellen von derzeit 27.000 abzubauen oder auszulagern und die Rohstahlproduktion von elf auf neun Millionen Tonnen jährlich zu reduzieren.
Die IG Metall kritisiert die Pläne scharf. Ein von ihr veröffentlichtes Flugblatt spricht von einer „Giftliste“ des Vorstands, die unter anderem Nullrunden bei Tarifsteigerungen und den Wegfall von Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld beinhalten soll. Rund 200 Millionen Euro jährlich sollen auf Kosten der Belegschaft eingespart werden, so der Vorwurf. Der nordrhein-westfälische Bezirkschef der IG Metall, Knut Giesler, sprach in diesem Zusammenhang offen von einem Sanierungsfall.
Stahl-CEO Dennis Grimm äußerte sich indes zuversichtlich. Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite liefen seit Wochen intensiv, betonte er. Details des industriellen Konzepts sollen in dieser Woche weiter konkretisiert und verhandelt werden. Parallel dazu steht eine weit größere Entscheidung an: die Verselbstständigung der Stahlsparte und die damit verbundene Finanzierung. Hier wird ein Gutachten klären, wie hoch die notwendigen Mittel sind. Besonders aufmerksam beobachtet wird dieser Prozess vom tschechischen Investor Daniel Křetínský, der bereits 20 Prozent an TKSE hält und auf ein Joint Venture mit 50 Prozent Anteil zielt.
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Zur AktienanalysePolitisch ist das Projekt ebenfalls hoch brisant. Bund und Land investieren zwei Milliarden Euro in eine Direktreduktionsanlage für klimaneutralen Stahl. Doch Unsicherheiten bei der Wasserstoffversorgung zwingen Thyssenkrupp, übergangsweise auf Erdgas zu setzen – ein Schritt, der in enger Abstimmung mit Berlin und Brüssel erfolgen muss. Grimm forderte zudem klare Quoten für in Europa produzierten Stahl, um die heimische Industrie zu stärken.


