Temu einigt sich mit Texas auf Datenschutzauflagen und Millionenvergleich
Der chinesische Online-Händler beendet Datenschutzklagen in Texas, speichert Nutzerdaten künftig auf US-Servern und zahlt 3 Millionen US-Dollar.

Der chinesische Online-Händler Temu hat sich mit dem US-Bundesstaat Texas auf einen Vergleich in Datenschutzklagen geeinigt. Wie am Freitag veröffentlichte Dokumente zeigen, verpflichtet sich das Unternehmen, den Umgang mit persönlichen Daten von Käufern in Texas deutlich einzuschränken. Texas ist damit der erste Bundesstaat, der solche Ansprüche gegen Temu beigelegt hat.
Nach Angaben von Beamten des Bundesstaates ist es zudem das erste Mal, dass sich Temu verpflichtet, persönliche Daten auf US-Servern zu speichern und einzuschränken, wann diese nach China übermittelt werden dürfen. Der Bericht stammt von den Reuters-Journalisten Jody Godoy und David Shepardson aus Washington und datiert auf den 16. Oktober.
Der Vergleich umfasst neben den Datenschutzauflagen auch umfangreiche Vorgaben zur Produktsicherheit. Temu hat dabei keine Schuld eingeräumt. Das Unternehmen erklärte in einer Stellungnahme, es „sei zu einer Einigung gekommen, um diesen Fall beizulegen, während wir weiterhin darauf fokussiert sind, Verbraucher zu bedienen und Unternehmen in ganz Texas zu unterstützen.“
Die Details
Kern der Einigung ist die Verlagerung von Datenverarbeitung: Temu muss personenbezogene Daten von Käufern aus Texas auf Servern in den Vereinigten Staaten speichern. Zudem verpflichtet sich das Unternehmen, den Zugang zu US-Daten, die für die Abwicklung einer Transaktion erforderlich sind – etwa Lieferadressen – nach China zu beschränken. Texas wirft Temu vor, Code verwendet zu haben, der ein unangemessenes Maß an Zugriff auf Geräte der Nutzer ermöglicht. Temu hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.
Im Bereich Produktsicherheit sieht der Vergleich jährliche unabhängige Produktsicherheitstests vor. Ziel ist es, Produkte zu identifizieren, die gefährliche Chemikalien und Materialien enthalten. Wird ein Produkt als gefährlich eingestuft, muss Temu es entfernen, den Verkäufer sowie dessen verbundene Shops sperren, betroffene Verbraucher in Texas informieren und volle Rückerstattungen aussprechen.
Der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, sagte, der Vergleich verpflichte Temu „zu rigorosen neuen Produktprüfungen und Sicherheitsstandards, um Verbraucher vor gefährlichen Materialien in Produkten, einschließlich Kleidung und Kinderartikeln, zu schützen.“ Er fügte hinzu, dies werde Temu daran hindern, Daten von Amerikanern zu sammeln und zu nutzen.
Finanziell zahlt Temu 3 Millionen US-Dollar an den Bundesstaat. Texas erklärte zudem, dass ein Verstoß gegen verschiedene datenschutzrechtliche Bestimmungen jährlich eine potenzielle Strafe in Höhe von 8 Millionen US-Dollar nach sich ziehen würde, solange der Verstoß andauert. Laut dem Büro von Paxton hatte Temu bis September 2023 mehr als 82,4 Millionen aktive Nutzer in den Vereinigten Staaten.
Temu sieht sich mehreren Klagen aus US-Bundesstaaten gegenüber. Hintergrund ist die Befürchtung, das Unternehmen sammle US-Nutzerdaten unrechtmäßig und der chinesische Staat könne darauf zugreifen. Mehrere Bundesstaaten haben Temu im Anschluss an Berichte verklagt, wonach Temu und die Muttergesellschaft PDD Holdings invasive Mechanismen in ihren Apps eingesetzt hätten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass der texanische Gouverneur Greg Abbott ein umfassendes Verbot für die Nutzung chinesischer Technologieprodukte durch Staatsbedienstete verhängt hat. Die Verbotsliste umfasst die Online-Handelsplattformen Shein, Temu und Alibaba sowie den Batteriehersteller CATL, den Drohnenproduzenten Autel und das KI-Unternehmen iFlyTek. Das Verbot erstreckt sich auf physische Hardware, Künstliche Intelligenz und Software dieser Unternehmen.
Am 18.02.2026 berichtete aktien.news über eine Klage des Bundesstaates Texas gegen den Netzwerkgeräte-Hersteller TP-Link Systems. Generalstaatsanwalt Ken Paxton warf dem Unternehmen vor, seine Produkte irreführend vermarktet und der chinesischen Regierung Zugriff auf Geräte amerikanischer Verbraucher ermöglicht zu haben. Texas verfolgt damit gegenüber chinesischen Anbietern eine Linie, die sich nun auch in der Einigung mit Temu zeigt.
Am 28.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Europäische Union gegen Temu eine Geldbuße in Höhe von 200 Millionen Euro verhängt hat. Grund war der Verkauf illegaler und gefährlicher Produkte auf der Plattform, darunter gefährliches Babyspielzeug und defekte Ladegeräte. Die Europäische Kommission erklärte, das Unternehmen habe es versäumt, „die systemischen Risiken“ der Produkte und den Schaden, den sie Verbrauchern zufügen könnten, „sorgfältig zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten“. Temu steht bereits seit Oktober 2024 unter Untersuchung, unter anderem mit Blick auf seine Verpflichtungen als ausgewiesene „Very Large Online Platform“.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news über einen Vergleich zwischen TikTok und dem US-Bundesstaat Alabama in Höhe von mindestens 100 Millionen US-Dollar. Auch dort ging es um strengere Sicherheitsvorkehrungen, in diesem Fall für jugendliche Nutzer. Der Fall zeigt, dass US-Bundesstaaten zunehmend auf Vergleiche mit großen Plattformbetreibern setzen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Anleger ist relevant, dass Temu nicht als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen auftritt, sondern zur Muttergesellschaft PDD Holdings gehört. Regulatorische Risiken bei Temu wirken damit unmittelbar auf die Bewertung von PDD Holdings. Der Vergleich in Texas beseitigt einen Teil dieser Unsicherheit, ersetzt aber keine abschließende Klärung: Klagen weiterer Bundesstaaten bleiben bestehen.
Hinzu kommt die finanzielle Dimension. Die Zahlung von 3 Millionen US-Dollar ist gemessen an der Größe des Unternehmens überschaubar. Deutlich schwerer wiegen die laufenden Verpflichtungen: jährliche unabhängige Produktsicherheitstests, die Entfernung gefährlicher Produkte samt Sperrung der Verkäufer und die Informations- und Rückerstattungspflichten gegenüber Verbrauchern in Texas. Diese Aufgaben verursachen dauerhafte Kosten und binden Personal.
Ein weiterer Punkt ist die angedrohte Strafhöhe. Verstößt Temu gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen, drohen laut Texas jährlich bis zu 8 Millionen US-Dollar Strafe, solange der Verstoß andauert. Zusammen mit der EU-Geldbuße von 200 Millionen Euro und dem texanischen Nutzungsverbot für Staatsbedienstete ergibt sich ein Muster: Der Druck auf chinesische Plattformen in den USA und Europa nimmt zu. Anleger sollten regulatorische Meldungen zu Temu und PDD Holdings daher eng verfolgen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Vergleich nur mittelbar: Die unabhängigen Produktsicherheitstests müssen jährlich wiederholt werden. Die Datenschutzauflagen gelten dauerhaft, und Texas hat ausdrücklich festgehalten, dass Verstöße jährlich eine potenzielle Strafe von 8 Millionen US-Dollar nach sich ziehen, solange sie andauern. Temu muss Produkte mit gefährlichen Materialien künftig entfernen und betroffene Verbraucher in Texas informieren.
Offen bleibt die Entwicklung der Verfahren in anderen US-Bundesstaaten. Temu sieht sich dort weiterhin mehreren Klagen gegenüber, die sich auf die Sammlung und Nutzung von US-Nutzerdaten beziehen. Texas ist bislang der einzige Bundesstaat, der solche Ansprüche beigelegt hat. Ob weitere Staaten folgen, ist im Quelltext nicht angelegt.
Kurz erklärt
- Vergleich: Eine außergerichtliche oder gerichtliche Einigung, mit der ein Rechtsstreit beendet wird, ohne dass ein Urteil ergeht.
- Generalstaatsanwalt: Der oberste Jurist eines US-Bundesstaates, der dort unter anderem Zivilklagen im Namen der Allgemeinheit führt.
- Produktsicherheitstest: Eine unabhängige Prüfung, mit der festgestellt wird, ob ein Produkt gefährliche Stoffe oder Materialien enthält.
