Steigende Tierarztkosten treiben US-Halter zur Haustierversicherung
Immer mehr Amerikaner versichern ihre Haustiere, weil Behandlungen wie Krebs- und Strahlentherapien Tausende Dollar kosten.

Steigende Kosten für die tierärztliche Versorgung veranlassen immer mehr Amerikaner, eine Haustierversicherung abzuschließen. Fortschritte in der Tiermedizin eröffnen Tierbesitzern Behandlungen, die vor einem Jahrzehnt noch unüblich oder überhaupt nicht verfügbar waren. Damit wächst ein Markt, der bislang als Nische galt, rasant – und die Prämien steigen kräftig mit.
Ein Beispiel aus Ohio zeigt, was das für einzelne Halter bedeutet. Bei Tasha, dem Hund von Amanda Moore (45) aus Norwalk, wurde Brustkrebs diagnostiziert. Operationen, Chemotherapien und Strahlentherapien kosteten bislang rund 20.500 US-Dollar. Embrace Pet Insurance erstattete Moore nach eigenen Angaben mehr als 14.300 US-Dollar. Die Policen des Versicherers werden von der American Modern Insurance Group rückversichert.
Die Strahlentherapie sei mit etwa 3.000 bis 10.000 US-Dollar veranschlagt worden, sagte Moore. Tasha wurden anfangs nur etwa sechs Monate Lebenserwartung bescheinigt – mehr als ein Jahr nach den Behandlungen geht es ihr gut. „Ohne eine Haustierversicherung hätte ich mir einen Großteil dieser Maßnahmen selbst nicht leisten können“, sagte Moore gegenüber Reuters. „Es hat mich in die Lage versetzt, Entscheidungen basierend auf dem medizinisch Besten für Tasha zu treffen, anstatt darauf, was ich mir leisten konnte.“
Rund sieben Millionen Haustiere sind in den USA inzwischen versichert
Laut der North American Pet Health Insurance Association waren im Jahr 2025 etwa 7 Millionen Haustiere durch Versicherungspolicen abgedeckt – das sind mehr als 4 Prozent aller Haustiere in den USA. Das entspricht einem Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 76 Prozent im Vergleich zum Stand vor fünf Jahren. Der Bereich entwickelt sich damit zur am schnellsten wachsenden Sparte der Sachversicherung.
Die Prämien sollen im Jahr 2026 um 17 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar steigen. Das erwartet Tim Zawacki, Leiter der Finanzinstitutforschung bei S&P Global Market Intelligence. Hintergrund ist ein deutlicher Anstieg der Behandlungskosten: Die jährlichen veterinärmedizinischen Ausgaben betrugen im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa 560 US-Dollar, so die American Veterinary Medical Association. Für spezialisierte Krebsbehandlungen, Operationen, fortschrittliche Diagnostik und das Management chronischer Erkrankungen können jedoch leicht Tausende von US-Dollar zusammenkommen. Der Versicherer Trupanion gab an, dass sein höchster individueller Schadensfall 150.000 US-Dollar überschritten habe.
Die Preise für veterinärmedizinische Dienstleistungen lagen im September um 4,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie Daten des Bureau of Labor Statistics zeigen.
Tierärzte nennen höhere Vorräte, Versand und Personalkosten als Preistreiber
Karen Hauer, eine Tierärztin mit mehr als zwei Jahrzehnten Berufserfahrung, sagte, Vorräte, Versand, Krankenversorgung der Mitarbeiter und Arbeitskräfte seien allesamt teurer geworden. „Verzögern oder verweigern einige Besitzer aufgrund der Kosten eine Behandlung? Absolut“, sagte sie. Das expandierende Angebot an Versorgungsleistungen und Spezialisten – darunter Onkologen, Kardiologen und Dermatologen – habe die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben.
„Diese Sophistikation verbessert die Ergebnisse und hilft Haustieren, länger zu leben, aber sie erhöht auch die Kosten“, sagte Dr. Jen Quammen, Präsidentin der American Veterinary Medical Association. Richard Goldstein, globaler Chief Medical Officer des Tiergesundheitsunternehmens Zoetis, sagte, Haustiere lebten heute etwa 1,5- bis 1,7-mal länger als noch vor vier Jahrzehnten. Das erhöhe die Nachfrage nach Behandlungen chronischer Erkrankungen und anderer altersbedingter Krankheiten.
Neue Medikamente und Diagnostik erweitern das Behandlungsangebot
Behandlungen wie Apoquel und Cytopoint von Zoetis haben die Optionen für Umweltallergien erweitert, von denen bis zu 15 Prozent der Hunde betroffen sind, sagte Goldstein. Zoetis brachte Cytopoint zur Behandlung allergischer Hautkrankheiten im Jahr 2016 auf den Markt und erhielt später US-Zulassungen für die Osteoarthritis-Behandlung Solensia für Katzen im Jahr 2022 sowie Librela für Hunde im Jahr 2023.
Cytopoint-Injektionen kosten pro Behandlung etwa 50 bis 200 US-Dollar, monatliche Librela-Injektionen je nach Hunderasse und -größe geschätzt etwa 65 bis 250 US-Dollar. Diese Angaben stammen aus Preisführern, die von Vety, MarketWatch und SpectrumCare veröffentlicht wurden. Zoetis selbst gab keine Kostenspannen für Behandlungen an. Die tatsächlichen Kosten können je nach Tierarztpraxis, Größe des Haustiers, Dosierungsanforderungen und geografischer Lage erheblich variieren.
Das Unternehmen für veterinärmedizinische Diagnostik IDEXX Laboratories hat Testtools eingeführt, darunter sein Cancer-Dx-Screening-Panel und die inVue-Dx-Zytologieplattform, die Tierärzten helfen, Krebs und andere Erkrankungen schneller und genauer zu diagnostizieren. Auch Chemotherapie, 3D-gedruckte Prothesen, minimalinvasive Chirurgie, tragbare Gesundheitsmonitore und portable Diagnosegeräte treiben die Ausgaben.
Versicherer melden steigende Schadensummen und mehr Neukunden
Die Versicherer geben an, dass die Prämien aufgrund der gestiegenen veterinärmedizinischen Kosten steigen. „Die Veterinärmedizin kann mehr denn je, was bedeutet, dass es mehr Pflege gibt, die sich finanziert lohnt“, sagte Katie Seawell, Chief Marketing Officer bei Trupanion. Trupanion teilte mit, dass die Netto-Neuzugänge von versicherten Haustieren im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent stiegen.
Embrace Pet Insurance berichtete, dass seine durchschnittliche Schadenhöhe im zweiten Quartal um 6,9 Prozent auf 432 US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr zulegte. Im Laufe des Quartals erstattete das Unternehmen seinen Versicherungsnehmern 62,9 Millionen US-Dollar. Maribeth Roufus aus Arizona erlebte einen Schock, als sie die Rechnung für die Bandscheibenhernie ihres Hundes Pepita erhielt: etwa 10.000 US-Dollar. Die Versicherung erstattete 7.791,02 US-Dollar von Pepitas 10.038,77 US-Dollar teurer veterinärmedizinischer Rechnung, sodass Roufus etwa 2.247,75 US-Dollar aus eigener Tasche zahlen musste. „Da ich wusste, dass eine Operation dieses Ausmaßes von meiner Police gedeckt wäre, sagte ich einfach: Rettet mein süßes Mädchen“, sagte sie.
Bereits am 23.07.2026 berichtete aktien.news von sinkenden Patientenzahlen bei steigenden Preisen
Der wachsende Versicherungsmarkt steht in einem Spannungsfeld, das aktien.news bereits früher beschrieben hat. Am 23.07.2026 berichtete aktien.news über eine Umfrage der US-Investmentbank Morgan Stanley unter 75 Tierärzten: Im zweiten Quartal gingen die Patientenbesuche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozent zurück, nach einem Minus von 1,8 Prozent im ersten Quartal. Trotz sinkender Besuchszahlen legten die Umsätze der Praxen im gleichen Zeitraum zu.
Am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass Katzenbesitzer vermehrt Geld für ihre Tiere ausgeben, während der Absatz von Hundefutterprodukten schwächelt. Die American Pet Products Association verzeichnete für 2025 einen Zuwachs von 5 Prozent bei der Katzenhaltung; schätzungsweise 53 Millionen Haushalte in den USA halten Katzen. Bereits am 30.01.2026 hatte aktien.news über eine KFF-Umfrage berichtet, wonach die Gesundheitskosten für 66 Prozent der US-Bürger die größte finanzielle Sorge sind – mehr als Miete, Lebensmittel oder Benzinkosten.
Für Anleger rückt die Haustierversicherung als Wachstumsnische der Sachversicherung in den Blick
Für deutsche Privatanleger ist der US-Haustiermarkt vor allem über die Versicherungs- und Tiergesundheitsbranche greifbar. Die Zahlen aus dem Quelltext zeigen zwei gegenläufige Bewegungen: Während die Zahl der Praxisbesuche laut der Morgan-Stanley-Umfrage zurückgeht, steigen Preise, Schadensummen und Prämienvolumen. Die Haustierversicherung wächst laut North American Pet Health Insurance Association schneller als jede andere Sparte der Sachversicherung, und S&P Global Market Intelligence erwartet für 2026 ein Prämienvolumen von 6,4 Milliarden US-Dollar.
Zugleich bleibt die Durchdringung gering: Nur etwas mehr als 4 Prozent aller US-Haustiere sind versichert. Das erklärt, warum Versicherer wie Trupanion und Embrace deutliche Zuwächse bei Neukunden und Schadensummen melden. Anleger sollten beachten, dass steigende Behandlungskosten für die Versicherer ein zweischneidiges Schwert sind: Sie treiben die Nachfrage nach Policen, erhöhen aber auch die Erstattungsbeträge. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
S&P Global erwartet für 2026 ein Prämienvolumen von 6,4 Milliarden US-Dollar
Für das Jahr 2026 rechnet S&P Global Market Intelligence mit einem Anstieg der Prämien um 17 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar. Treiber bleiben nach Einschätzung der im Quelltext genannten Fachleute die gestiegenen veterinärmedizinischen Kosten sowie die zunehmende Verfügbarkeit fortgeschrittener Tests und Behandlungen. Tierärzte und Versicherer erwarten, dass diese Entwicklung mehr Besitzer dazu bewegt, eine Haustierversicherung abzuschließen.
Die folgenden Begriffe helfen beim Verständnis des Artikels
- Sachversicherung: Sammelbegriff für Versicherungen, die Sachwerte und damit verbundene Risiken absichern, etwa Hausrat, Gebäude oder Fahrzeuge.
- Rückversicherung: Form der Absicherung, bei der ein Versicherer Teile seiner übernommenen Risiken an einen anderen Versicherer weitergibt.
- Prämie: Der regelmäßig zu zahlende Beitrag, den Versicherungsnehmer für ihren Versicherungsschutz entrichten.
