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Rheinmetall erwartet Auftragsboom

100 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr

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Rheinmetall erwartet Auftragsboom

Der größte deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall will mit Militärfahrzeugen und Munition für die Bundeswehr schon in diesem Jahr kräftig Kasse machen. Mit Blick auf die Folgen des Ukraine-Krieges sagte Firmenchef Armin Papperger am Donnerstag in Düsseldorf, 2022 werde der Umsatz mit Rüstungsgütern im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 20 Prozent steigen. Vor Beginn des Krieges hatte er nur mit 10 Prozent gerechnet.

Die Rheinmetall-Aktie reagierte am Donnerstag positiv auf die jüngsten Zahlen. Nach einem verhaltenen Start erreichte die Aktie am Nachmittag ein neues Rekordhoch von 165 Euro.

Die deutsche Rüstungsindustrie bereitet sich derzeit auf Großaufträge vor: Die Bundesregierung will 100 Milliarden Euro als Investitionspaket bereitstellen und den laufenden Verteidigungshaushalt aufstocken.

Anfang März hat sich Rheinmetall positioniert und der Bundesregierung ein langfristiges Produktpaket im Wert von 42 Milliarden Euro angeboten, das neben Munition und Lastwagen auch Panzer, Flaktürme und Hightech für die Infanterie enthält.

Es gebe bereits "erhebliche Anfragen" aus Deutschland, sagte der Manager, ohne ins Detail zu gehen. Die Rüstungsgüter seien aber nicht auf Knopfdruck zu bekommen: Bei Munition etwa dauere es rund sechs Monate, bis die ersten Chargen geliefert werden könnten, bei anderen Produkten noch länger.

Papperger machte deutlich, dass der Ukraine-Krieg auch ihn überrascht habe: "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es einen solchen Konflikt noch gibt." Er wies darauf hin, dass der Krieg in Osteuropa Defizite in der Bundeswehr offenbart habe.

Im Ernstfall habe die Bundeswehr derzeit nur Munition für einige Tage oder wenige Wochen, je nach Waffentyp. Als Rüstungsindustrie sei man bereit - man kämpfe "Schulter an Schulter mit der Bundeswehr, damit sie richtig ausgerüstet ist", sagte der Manager.

Rheinmetall will so bald wie möglich einige Produkte in die Ukraine exportieren. Papperger berichtete, dass zum Beispiel Helme, Schutzplatten für Schutzwesten und ein Feldlazarett angeboten würden.

Der Rüstungskonzern hat starke Wachstumsjahre hinter sich, bei denen das Auslandsgeschäft der Motor war. Als Beispiele für die Bedeutung des Auslandsgeschäfts berichtete Papperger von einem bevorstehenden Munitionsauftrag mit Ungarn, der 800 Millionen Euro einbringen soll, und von einem 120 Millionen Euro teuren gepanzerten Mannschaftstransportwagenauftrag aus Großbritannien.

In den kommenden Tagen werde auch Australien eine Bestellung für den Schützenpanzer Lynx bekannt geben, sagte der Manager und schätzte das Geschäftspotenzial auf vier Milliarden Euro. "Wir haben ein beschleunigtes Wachstum und das werden wir jetzt relativ schnell sehen."

Die Beispiele verdeutlichen, dass das Geschäft von Rheinmetall dank der Auslandsnachfrage ohnehin boomt - nun kommt der Ukraine-Effekt als zusätzlicher Schub hinzu. Wird Rheinmetall mit seinen weltweit rund 24.000 Mitarbeitern die stark gestiegene Nachfrage überhaupt bewältigen können?

Das Unternehmen strebt bis zu 3.000 Neueinstellungen an, mehr als die Hälfte davon in Deutschland - die großen Produktionsstandorte im niedersächsischen Unterlüß (2.090 Beschäftigte), in Bremen (1.910), Kassel (1.130) und Kiel (680) dürften ihr Personal deutlich aufstocken. Papperger zeigte sich zuversichtlich, dass schnell geeignetes Personal gefunden werden kann.

Der zusätzliche Bedarf könne gedeckt werden - man könne in mehreren Schichten arbeiten und die Kapazitäten erhöhen, betonte der Vorstandsvorsitzende. Der Konzern verfügt nicht nur über neue Standorte in England, Ungarn und Australien, sondern auch über viele deutsche Werke, die während des Kalten Krieges gebaut wurden und seitdem nicht mehr abgebaut wurden.

"Wir müssen keine neuen Fabriken bauen und könnten sogar noch mehr abdecken, als heute prognostiziert wird." In Unterlüß zum Beispiel werden jährlich zwischen 20.000 und 50.000 Stück Panzermunition produziert, möglich sind aber 240.000.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Blick nach vorne für Rheinmetall positiv, der Blick zurück ebenso: Papperger stellte am Donnerstag den Geschäftsbericht für 2021 vor, wonach der Konzernumsatz im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent auf 5,7 Milliarden gestiegen ist. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um rund die Hälfte auf 608 Millionen Euro, der Nettogewinn kletterte sogar von einer Million Euro auf 332 Millionen Euro.

RheinmetallDeutschland

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