OpenAI kauft Tech-Talkshow TBPN: Unklare M&A-Strategie wächst weiter
Der KI-Konzern übernimmt ein Medienunternehmen mit täglicher dreistündiger Talkshow – und sorgt damit für neue Fragezeichen.

OpenAI hat die Übernahme des Technology Business Programming Network (TBPN) bekannt gegeben – ein Medienunternehmen, das eine tägliche dreistündige Tech-Talkshow streamt. Die Ankündigung überraschte Beobachter und Analysten gleichermaßen, denn ein klarer strategischer Zusammenhang zur Kernkompetenz des KI-Unternehmens ist nicht unmittelbar erkennbar. CEO Sam Altman kommentierte den Deal auf X schlicht mit den Worten: „TBPN ist meine liebste Tech-Show."
Der Zukauf reiht sich in eine wachsende Liste von Akquisitionen ein, die OpenAI seit dem vergangenen Jahr getätigt hat. Dazu zählen das Software-Startup Astral, das Cybersicherheits-Startup Promptfoo und das Health-Tech-Unternehmen Torch. Über den Kaufpreis für TBPN machte OpenAI keine Angaben – das Unternehmen reagierte auch nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
OpenAIs Bewertung übersteigt 850 Milliarden Dollar
Das Unternehmen, das zuletzt mit über 850 Milliarden US-Dollar bewertet wird, steht trotz seiner enormen Marktstellung unter zunehmendem Druck. Milliardenverluste im Zusammenhang mit dem Infrastrukturausbau haben Investoren aufmerksam gemacht. Gleichzeitig bereitet OpenAI nach Medienberichten einen Börsengang für dieses Jahr vor – ein Schritt, der das Unternehmen in direkte Konkurrenz mit bereits börsennotierten oder bald an die Börse strebenden Rivalen wie Google, Anthropic und Elon Musks xAI bringt.
Erst im vergangenen Monat stellte OpenAI seine Video-App Sora ein, die nach ihrem viralen Start vor sechs Monaten schnell wieder vom Markt verschwand. Das Unternehmen hat seine Ausgabenerwartungen zuletzt zurückgeschraubt – umso mehr verwundert manchen Beobachter der Griff in Richtung Medienbranche.
Fidji Simo, CEO of Applications bei OpenAI, erklärte in einem internen Memo, das Unternehmen sehe eine „Verantwortung, einen Raum für ein echtes, konstruktives Gespräch über die durch KI verursachten Veränderungen zu schaffen". OpenAI wolle die „erstaunlichen Kommunikations- und Marketinginstinkte" von TBPN nutzen. Gleichzeitig betonte Simo, dass TBPN weiterhin seine „eigenen redaktionellen Entscheidungen" treffen werde – eine Aussage, die redaktionelle Unabhängigkeit signalisieren soll.
Analysten sehen kleine Wette mit großer Aufmerksamkeit
Analyst Andrew Frank von Gartner räumte ein, TBPN nicht als Übernahmekandidaten auf dem Schirm gehabt zu haben. Er sieht jedoch eine mögliche Logik: Die Übernahme könnte OpenAI helfen, dem Narrativ entgegenzuwirken, dass KI eine gesellschaftliche Gefahr darstellt – ein Thema, das in der öffentlichen Debatte zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Kritischer äußerte sich Paul Nary, Professor für M&A an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania. In einem Interview mit CNBC erklärte er, die offizielle Begründung von OpenAI sei „wenig hilfreich" gewesen. Nary wies darauf hin, dass Transaktionen im Medien- und Unterhaltungsbereich zu den am häufigsten scheiternden M&A-Deals gehören. Er gesteht jedoch zu, dass TBPN aufgrund seiner geringen Größe kein erhebliches finanzielles Risiko für OpenAI darstellt – und erwartet, dass sich die Show im Laufe der Zeit stark verändern wird.
Ein weiterer Analyst beschrieb die Transaktion als „eine recht kleine Wette für viel Aufmerksamkeit" und verwies darauf, dass OpenAI nach dem Abschluss einer Finanzierungsrunde über 122 Milliarden US-Dollar durchaus in der Lage sei, solche Experimente zu wagen.
Der bisher größte Deal: Hardware-Startup von Jony Ive
Der mit Abstand größte Zukauf in der Geschichte von OpenAI war die Übernahme des Hardware-Startups io von Jony Ive für 6,4 Milliarden US-Dollar. Ive, der als Legende der Designbranche gilt und für die Gestaltung von iPod, iPhone und iPad bei Apple verantwortlich war, strebt danach, die ersten OpenAI-Geräte bereits im nächsten Jahr auf den Markt zu bringen. Dieser Deal markierte OpenAIs Einstieg in die komplexe Welt der Hardware-Entwicklung.
Im Dezember stellte OpenAI Albert Lee von Google ein, um die Unternehmensentwicklung zu leiten – ein klares Signal, dass weitere Übernahmen geplant waren. Seitdem hat das Unternehmen in rascher Folge Startups aus verschiedenen Branchen akquiriert. Im Februar sorgte zudem die Einstellung von Peter Steinberger, dem österreichischen Softwareentwickler hinter dem viralen KI-Assistenten OpenClaw, für Aufsehen in der Tech-Szene.
Die M&A-Strategie von OpenAI bleibt damit schwer greifbar. Ob Hardware, Cybersicherheit, Gesundheitstechnologie oder nun Medien – das Unternehmen scheint gezielt zu experimentieren, während es gleichzeitig auf einen Börsengang zusteuert. Für deutsche Privatanleger, die OpenAI im Blick behalten, bleibt die entscheidende Frage: Welche dieser Wetten zahlt sich langfristig aus?
